Seit 11:07 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:07 Uhr Tonart
 
 

Tonart | Beitrag vom 28.01.2015

Wertvolle Musikinstrumente "Perverse Spekulation"

Carsten Beyer im Gespräch mit dem Auktionator Georg P. Bongartz

Das Bild zeigt die "Macdonald" Stradivarius Viola, die 1719 von Antonio Stradivari (1641-1737) geschaffen hat. Bei Sotheby's wurde sie in Paris am April 15, 2014 versteigert. Sotheby's hat den Preis in New York auf 45 Million US Dollars geschätzt. AFP PHOTO BERTRAND GUAY (Bertrand Guay/AFP)
Rund 45 Millionen Dollar ist der Schätzpreis des Auktionshauses Sotheby's für diese Geige, 1719 von Antonio Stradivari gebaut (Bertrand Guay/AFP)

Historische Musikinstrumente als Spekulationsobjekt? Das hält der Aachener Auktionator Georg Bongartz für pervers: Instrumente seien nicht dafür gebaut worden, in Tresoren zu liegen, sondern sie müssten "in Schwingung gehalten werden".

Sparbücher bringen fast gar keine Zinsen mehr, Aktien oder gar Währungsspekulationen sind riskant. Investoren nehmen daher immer öfter wertvolle historische Musikinstrumente ins Visier.

Derzeit gebe es eine starke Nachfrage nach kostbaren Musikinstrumenten, sagte der Aachener Instrumenten-Auktionator Bongartz im Deutschlandradio Kultur – auch bedingt durch deren Knappheit:

"Hinzu kommt eine große Anzahl von chinesischen, hochbegabten Musikern – denken sie nur an Lang Lang und die gesamte chinesische Musikwelt. Hinzu kommen die vielen russischen Geiger."

Ein Instrument müsse allerdings immer durch einen Musiker "in Schwingung gehalten werden", meinte Bongartz. Insofern erscheine ihm die ganze Diskussion um die Spekulation mit historischen Musikinstrumenten "ein wenig pervers":

"Denn die Instrumente sind gebaut für Musiker. Dass sie gespielt werden können. Dass sie mit ihrem Klang die Menschen erfreuen. Aber nicht dafür, dass sie wie Gold in Tresoren eingelagert werden – nur weil damit spekuliert wird."

Das Instrument und sein Preis

Ein normal verdienender Musiker sei gar nicht mehr in der Lage, den Preis für historische Instrumente zu bezahlen, kritisierte Bongartz. Das Konzerthonorar liege selbst bei bekannten Musikern zwischen 20.000 und 50.000 Euro, davon seien auch noch Steuern und andere Ausgaben zu bezahlen.

"Können Sie mir sagen, wie dann ein versteuerter Betrag von acht oder zehn Millionen für einen Musiker zusammen kommen soll?"

Georg P. Bongartz ist Inhaber des einzigen Auktionshauses für wertvolle Streich- Instrumente in Deutschland  – und der Vater des berühmten Geigers David Garrett. Die nächste Auktion findet am 16. Mai 2015 im Kölner Stadtmuseum statt.

Die berühmte Stradivari-Violine aus dem Besitz der Lady Blunt wurde 1971 bei Sothebys in London zum Preis von 84.000 Pfund versteigert; 40 Jahre später ging das Instrument für 9,8 Millionen Pfund über den Tisch des Auktionators

Mehr zum Thema:

Die wertvollsten Saiteninstrumente der Welt sind in Italien zu Hause
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 20.09.2013)

Der teure Klang
(Deutschlandfunk, Das Feature, 21.06.2013)

Der Erbauer der Königin der Streichinstrumente
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 18.12.2012)

Stradivari – voller Klang oder nur klangvoller Name?
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 03.01.2012)

Tonart

Cody ChesnuttAnleitung zum Gutsein
Cody Chesnutt in Aktion, hier auf dem North Sea Jazz Festival in Rotterdam (picture alliance / dpa / Paul Bergen)

"Anything can happen, when the music is good" - mit dieser Beschwörung beginnt das neue Album von Cody Chesnutt. Und das legt Zeugnis ab von seiner spirituellen Berufung. Der Soulmusiker will seine Hörer anregen, sich für eine höhere Sache zu engagieren. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur