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Donnerstag, 23.11.2017

Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.12.2015

Webportal "Musenkuss-München""Ich bin ein selbst erfundener Rapper"

Von Andi Hörmann

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Hiphop-Star Sido (M.) singt in einem Rap-Battle am 17.Dezember 2015 gegen Rapper Haftbefehl in der Grugahalle in Essen. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)
Hiphop-Star Sido (M.) singt in einem Rap-Battle gegen Rapper Haftbefehl. (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)

Wie fühlt es sich an, ein Star zu sein? Das können Kinder in einem Münchner Workshop ausprobieren. Er gehört zum neuen Webportal für Kulturprojekte "Musenkuss-München". Kulturelle Bildung soll über einen niedrigschwelligen Zugang zur Kunst gefördert werden.

Stufe für Stufe, die Treppen sind noch etwas mühsam für die kleinen Füße: Sieben Kinder tapsen der Kunstpädagogin Anna Thalmeier hinterher. In der Sammlung Götz in München nehmen sie am Workshop "Be A Star!" teil. Los geht es mit einer kurzen Führung durch die Ausstellung des 1964 geborenen kanadischen Künstlers Rodney Graham:

Manipulierte Fotografien mit umgedrehten Bäumen, ein Installationsvideo, in dem der Künstler als Reminiszenz an eine Performance des Pink-Floyd-Schlagzeugers Kartoffeln auf einen Gong wirft, eine Diainstallation über die Geburtsstadt von Kurt Cobain - von Rodney Graham vertont mit gecoverten Grunge-Songs - Fremd- und Selbstwahrnehmung im Kontext der Kunst.

Der Workshop "Be a Star"

Die acht- bis 14-jährigen Workshop-Teilnehmer gucken erstaunt und wundern sich über so manches Kunstwerk. Sinn oder Unsinn? Gleich dürfen sie selbst zu Stars werden. Dafür hat Katharina Bitz von der Münchner Sammlung Götz im Foyer alles vorbereitet: Kostüme, Instrumente, ein improvisiertes Fotostudio und Malutensilien für ein eigenes Plattencover.

"Der Workshop ´Be a Star`, da geht es eigentlich darum, dass man wie Rodney Graham, der ja auch viele verschiedene Arten von Musik ausprobiert hat und sich auch, wie es seine Art ist, komplett in diese Rolle reinbegeben hat. Also er ist dann eben Balladensänger und präsentiert sich auch so auf dem Layout. So können die auch auswählen, anhand von verschiedenen Accessoires und anhand von verschiedenen Musikinstrumenten, welche Art von Musiker sie sein wollen. Und dann dürfen sie auf einem Pappkarton, der so groß ist wie ein Plattencover, ihr eigenes Cover gestalten."

Und dürfen sie dann auch ein bisschen auf den Instrumenten spielen?

 "Ja, wenn sie das können, natürlich sehr gerne. Also funktionieren tun die alle, ich habe sie selber getestet..."

Die Kinder bedienen sich ohne Scheu am Kleiderständer - Perücken, Glitzer-Dress, Hip-Hop-Klamotten´. Sie greifen zögerlich nach den herumliegenden Instrumenten - Gitarren und Geigen. Drei Workshop-Teilnehmer sagen:

"Ich bin Michael Jackson."

"Ich möchte eine Trompetenspielerin sein."

"Ich bin ein selbst erfundener Rapper."

Wie sieht ein Renaissance-Künstler aus?

Katharina Bitz erläutert das Konzept des Wirkshops:

"Wer bin ich und wie werde ich gesehen? Das sind natürlich auch Sachen, die beschäftigen Künstler wie Rodney Graham: Was muss ich sozusagen machen, um bei den Leuten was auszulösen? Was muss ich machen, damit die an ein klassisches Konzert denken? Oder was muss ich machen, damit die denken, ein Renaissance-Künstler steht vor mir? Oder was muss ich machen, damit die Leute irritiert sind?"

Der Workshop "Be A Star!" in der Sammlung Götz ist eine Veranstaltung im Rahmen des neuen Webportals für Kulturprojekte: "Musenkuss-München". Darauf versammeln sich derzeit mehr als 90 Anbieter verschiedenster Institutionen. Theater, Museen, Tanz- und Musikschulen. Stichwort: Kulturelle Bildung über niederschwelligen Zugang zur Kunst. Rein schnuppern, kennenlernen sich ausprobieren.

Eine Herzensangelegenheit des Münchner Kulturreferats

Im Kulturreferat laufen dabei die Fäden zusammen: Für den Kulturreferenten Hans-Georg Küppers ist "Musenkuss-München" eine echte Herzensangelegenheit.

"Was wir wollen ist, eigene Kreativität, eigene Fähigkeiten zu fördern, hervorzulocken, um zu zeigen, das was im Kulturbereich passiert, wo man vielleicht manchmal mit Ehrfurcht davor steht - vor einem Orchester oder vor einem Theater oder vor einer Ausstellung, das ist etwas, was man als Kind oder Jugendlicher auch kann. Man muss es nur herauslocken. Das heißt also, weg vom reinen passiven Kulturkonsum zu einer aktivierenden Kulturpolitik."

Literatur und Theater sind die Steckenpferde von Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Doch selber performen? Das eher nicht, meint er:

 "Ich habe nicht selbst gespielt, bin nicht selbst aufgetreten, habe nicht getanzt, nicht gesungen und auch keine Literatur verfasst. Denn mein Job ist es ja, die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur, dass sich das entwickeln kann, zu bieten. Ich bin mir meiner künstlerischen Bedeutungslosigkeit voll bewusst."

Dieses Bewusstsein entsteht durch die Erfahrung, durch das sich Ausprobieren in Kunst und Kultur. Und genau das erfahren die Kinder im Workshop "Be A Star!" in der Münchner Sammlung Götz - eine spielerische Kunstvermittlung.

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