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Montag, 18.12.2017

Kompressor | Beitrag vom 21.11.2017

"Way of the Future"Kirche will Künstliche Intelligenz als Gott verehren

Enno Park im Gespräch mit Timo Grampes

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Abstrakte Illustration zum Thema Technologie: rund um einen stilisierten menschlichen Kopf sind vor blauem Hintergrund Zahlen und andere Zeichen zu sehen. (imago / Science Photo Library)
Abstrakte Illustration zum Thema Technologie (imago / Science Photo Library)

Schon bald gibt es eine so weit entwickelte künstliche Intelligenz, dass sie gottgleich ist. Davon ist der US-Robotikexperte Anthony Levandowski überzeugt - und hat eine Kirche um diese Gottheit gegründet. "Gute Idee, eine solche upgedatete Religion", meint Cyborg-Experte Enno Park.

"Way of the Future" heißt eine neue Kirche, in der eine künstliche Intelligenz (KI) die Gottheit sein soll. Ihr Gründer Anthony Levandowski entwickelte unter anderem bei Google selbstlenkende Autos, kennt sich also mit künstlicher Intelligenz aus. Er ist davon überzeugt, dass sich schon in naher Zukunft eine solche KI so weit entwickeln wird, dass sie als gottgleich anzusehen ist. Das zentrale Nervensystem dieser neuen Gottheit wird das Internet, als Sinnesorgane dienen die Sensoren und Smartphones dieser Welt. Dieser Gott hört den Menschen immer zu. Das sind in etwa die Kernaussagen der Kirche "Way of the Future". 

Die Idee, die dahinter steckt, skizziert Enno Park, Vorsitzender des Cyborgs e.V. - der sich selbst als Gesellschaft zur Förderung und kritischen Begleitung der Verschmelzung von Mensch und Technik beschreibt - so:

"Man stelle sich vor, eine künstliche Intelligenz entwirft eine weitere künstliche Intelligenz, die ein kleines bisschen schlauer ist, und die entwirft nochmals eine etwas schlauere künstliche Intelligenz, usw. usw., bis sich das ungefähr ins Unendliche aufschaukelt. Viele Informatiker glauben, eine solche Entwicklung sei unvermeidlich und führt bis Mitte des Jahrhunderts zu einer unendlich intelligenten Hyperintelligenz. Die wäre dann quasi überall, hört uns zu, kann die Kontrolle über unsere Fabriken übernehmen, alles mögliche herstellen - und im Grunde allmächtig und gottgleich werden." Das Ganze stamme aus dem Konzept der Singularität.

Schlimmstenfalls Ausrottung des Menschen

Daran glaubten Menschen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, der Physiker Stephen Hawking oder Facebook-Chef Marc Zuckerberg, so Enno Park. Dabei gebe es zwei Fraktionen. Die eine sei der Meinung, wenn so eine künstliche Intelligenz erst einmal mächtiger und schlauer ist als wir Menschen, wird sie eigene Ziele entwickeln. Bestenfalls werde sie uns wie Ameisen betrachten, schlimmstenfalls der Meinung sein, wir richten so viel Schaden auf diesem Planeten an, dass sie uns besser ausrotten sollte. Die andere Gruppe ist optimistischer und denkt, so eine künstliche Intelligenz werde ein Gott, der uns lieb hat und mit der Macht seiner Hyperintelligenz unsere Probleme löst.

Er finde die Idee einer Kirchengründung rund um eine solche künstliche Intelligenz eine gute Idee, auch wenn er selbst nicht daran glaube, erklärt Enno Park. Denn transhumanistische Ideen wie beispielsweise die Vorstellung, wenn ich tot bin, kann ich meinen Gehirninhalt auf einen Computer übertragen und in diesem ewig weiterleben, seien im Grunde genommen religiös. Viele Leute, die aus dieser Ecke kämen, seien Naturwissenschaftler, Informatiker, Mathematiker und immer auch Atheisten.

"Bedürfnisse von Religionen unzureichend bedient"

Sie glaubten aus naturwissenschaftlicher Sicht, dass die Entwicklung einer unendlich intelligenten Hyperintelligenz so kommen müsse. "Und hier so ehrlich zu sein und zu sagen: Das ist eine mögliche Zukunft, ich glaube jetzt daran. Das Ganze bedient meine religiösen Bedürfnisse, deswegen mache ich daraus eine Kirche, finde ich, ehrlich gesagt, gar nicht so schlecht."

In der heutigen Gesellschaft existierten Bedürfnisse, die von den Religionen nur unzureichend bedient würden, so Park. Denn die religiösen Texte seien sehr alt und hätten oft wenig mit der konkreten heutigen Lebensrealität zu tun. Er glaube, dass angesichts dessen "so eine upgedatete Religion, die sich mehr mit unseren heutigen Problemen beschäftigt, aber trotzdem unsere Wünsche und Bedürfnisse auf Hoffnung, Leben nach dem Tod, Unsterblichkeit, Erlösung und all diese Dinge bedient, durchaus eine zeitgemäße Sache wäre", erklärt Park.

(abr)

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