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Zeitreisen / Archiv | Beitrag vom 10.07.2013

Wandel durch Annäherung

Eine politische Jahrhundertidee

Von Winfried Sträter

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Geste der Demut und Entschuldigung: Willy Brandts berühmter Kniefall vor dem Denkmal für die ermordeten Juden in Warschau, 6.12.1970 (AP-Archiv)
Geste der Demut und Entschuldigung: Willy Brandts berühmter Kniefall vor dem Denkmal für die ermordeten Juden in Warschau, 6.12.1970 (AP-Archiv)

Vor 50 Jahren, am 15. Juli 1963, erzielte eine kleine Rede große Wirkung: Egon Bahr, damals Senatspressesprecher in West-Berlin, machte Anmerkungen zum Umdenken in der Ostpolitik und erfand dafür den Begriff "Wandel durch Annäherung". Zum 50. Jahrestag reflektierte kürzlich eine Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing die Wirkung dieses Wortes.

Im Juli 1963 tagte in der Evangelischen Akademie Tutzing am Starnberger See der traditionsreiche Politische Club. Zwei Jahre nach dem Mauerbau stellten der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, und sein Senatspressechef Egon Bahr ein Konzept vor, um Bewegung in die erstarrte Ost- und Deutschlandpolitik zu bringen. Egon Bahr brachte das Konzept auf den Begriff: "Wandel durch Annäherung". Heute gilt Bahrs Vortrag auf der Tagung 1963 als Beginn des Weges, der 1990 zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.

Ende Juni 2013 thematisierte der Politische Club der Evangelischen Akademie Tutzing das historische Ereignis und die heutige Bedeutung des Begriffs "Wandel durch Annäherung". Historiker und prominente Politiker, darunter auch der 91-jährige Egon Bahr, nahmen daran teil.

Paul Nolte, Historiker, Freie Universität Berlin (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der Historiker Paul Nolte (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der Berliner Historiker Paul Nolte hielt einen Vortrag über den "Tutzinger Moment" von 1963.

Vortrag Paul Nolte







Sigmund Gottlieb, Fernseh-Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, sprach mit Egon Bahr darüber, wie es zu der geschichtsträchtigen Rede kam.

Gespräch Bahr und Gottlieb

Nach dem Rückblick auf die Neue Ostpolitik thematisierte die Tagung in Tutzing die Entwicklung nach 1990 – zunächst die innerdeutsche Entwicklung. Wie viel Annäherung zwischen beiden deutschen Gesellschaften hat es gegeben – wie viel Entfremdung ist geblieben? Günther Beckstein (CSU), Gregor Gysi (Die Linke) und Markus Meckel (SPD), 1990 DDR-Außenminister der ersten frei gewählten Regierung, sprachen über die Schwierigkeiten im Prozess der deutschen Einheit nach 1989.

Gespräch Beckstein, Gysi, Meckel


Markus Meckel und Gregor Gysi in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Markus Meckel und Gregor Gysi in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Markus Meckel und Gregor Gysi sprachen über über Mentalitätsunterschiede und mangelndes Interesse der Deutschen in Ost und West aneinander.

Gespräch Meckel-Gysi





Wandel durch Annäherung war ein Konzept, das zunächst die Überwindung der innerdeutschen Blockade zum Ziel hatte. Zugleich war das Konzept der neuen Ostpolitik Teil der Entspannungspolitik, die nach 1989 zum Ende des ideologischen Ost-West-Konflikts geführt hat.

Egon Bahr und Udo Hahn, Direktor der ev. Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Egon Bahr und Udo Hahn, Direktor der ev. Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Die Tagung in Tutzing thematisierte aber die wenig beachtete Fortdauer des Ost-West-Konflikts. Dieser Konflikt ist nach wie vor potentiell gefährlich aufgrund der amerikanischen und russischen Atomrüstung. Das Problem der Atomrüstung sprach zunächst Egon Bahr an.

Egon Bahr über Atomrüstung heute



Außenminister Guido Westerwelle und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Außenminister Guido Westerwelle und Günther Beckstein (CSU) (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Die Schwierigkeiten des Verhältnisses zwischen Russland und dem Westen bildete auch den Schwerpunkt der Rede von Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Guido Westerwelle über die heutige Ostpolitik







Kurt Biedenkopf in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Kurt Biedenkopf in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Die Rolle Deutschlands in Europa thematisierte der ehemalige Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, Kurt Biedenkopf.

Kurt Biedenkopf über die Rolle Deutschlands in Europa






Wolfgang Ischinger in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Wolfgang Ischinger in der Akademie Tutzing (Akademie Tutzing / Axel Schwanebeck)Die Zukunft Europas, das Nachspiel des Kalten Krieges in Europa und das schwierige Verhältnis des Westens zu Russland waren Themen eines Gesprächs am letzten Tag des Politischen Clubs der Akademie Tutzing. Moderator Stefan Scheider vom Bayerischen Rundfunk sprach mit dem ehemaligen deutschen Botschafter Wolfgang Ischinger und dem CSU-Europaparlamentarier Markus Ferber. Ischinger ist Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, er wies auf die Atomwaffen hin, die Ost und West nach wie vor aufeinander gerichtet haben.

Ischinger und Ferber über Atomwaffen

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

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