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Fazit | Beitrag vom 22.02.2018

Volksbühne Berlin: "Liberté"Ein Abend zum Schämen

Rezensiert von André Mumot

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Die Schauspielerinnen Ingrid Caven, Leonie Jenning und Anne Tismer während einer Fotoprobe zur Uraufführung des Stücks 'Liberté' von Albert Serra in der Volksbühne Berlin. (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)
In dem Stück "Liberté" geht es um eine Gruppe französischer Freidenker, die die Libertinage nach Deutschland exportieren will. (picture alliance / Wolfgang Kumm/dpa)

An der Berliner Volksbühne hat das Stück "Liberté" des preisgekrönten katalanischen Regisseurs Albert Serra Uraufführung gefeiert. Trotz bedeutender Darsteller wie Ingrid Caven und Helmut Berger wünscht sich unser Kritiker André Mumot "die schnellstmögliche Absetzung des Stücks".

Immer wieder hat man sich in den vergangenen Monaten gefragt, ob die Aufführungen, die unter Chris Dercons Intendanz an der Berliner Volksbühne stattfinden, den Maßstäben gerecht werden können, die sein Vorgänger im Amt, Frank Castorf, gesetzt hat. Bei der neuesten Premiere am Rosa Luxemburg Platz stellt sich diese Frage nicht. Sie spielt überhaupt keine Rolle mehr, denn dieser Abend würde an keiner Bühne im deutschsprachigen Raum - ganz gleich, ob in kleineren oder größeren Städten - den Mindestansprüchen an einen gelungen Theaterabend genügen.

Apathisch vorgetragene Dialoge

Der vielfach preisgekrönte Film- und Theaterregisseur Albert Serra inszeniert einen eigenen Text, "Liberté", in dem französische Freigeister kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution nach Preußen kommen, um ihre freiheitlichen sexuellen Ideale nach Deutschland zu importieren. Zweieinhalb Stunden lang werden Sänften auf das naturalistische, im dämmrigen Halbdunkel liegende Landschaftsbühnenbild getragen und wieder davon geschleppt. Die Darstellerinnen und Darsteller, professionelle Schauspieler wie Laien, tragen historisches Kostüm, sprechen die langen, trivialen Dialoge schleppend, apathisch geradezu, manche kopulieren andeutungsweise, und am Ende singt die große Ingrid Caven ein Lied.

Die Schauspieler werden auf der Bühne im Stich gelassen

Man möchte nicht lachen über diesen Abend, nicht hämisch sein, nicht wütend, man möchte ihn gar nicht betrachten, am liebsten nicht über ihn sprechen. Denn er scheitert nicht in einem anarchischen oder renitenten Sinn, er provoziert nicht, er ist nicht schwierig oder unangenehm, keine Herausforderung und schon gar keine Überforderung. Ihm gelingt keinerlei geistige, emotionale oder sonstige Verdichtung, treibt einem in seinem künstlerischen Unvermögen lediglich die Schamesröte ins Gesicht. Bedeutende Darstellerinnen und Darstellern stehen hier auf der Bühne, werden ausgestellt und im Stich gelassen, was vielleicht am Schlimmsten ist. Jeanette Spassova, Anne Tismer, Helmut Berger und Ingrid Caven wünscht man deshalb, was man niemals wünschen sollte, wenn man ins Theater geht: die schnellstmögliche Absetzung des Stücks.

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