Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 16.03.2017

US-KulturpolitikAngriff auf das liberale Kunstverständnis

Esther Dischereit im Gespräch mit Gabi Wuttke

Podcast abonnieren
US-Präsident Donald Trump mit seinem Justizminister Jeff Sessions (Imago)
US-Präsident Donald Trump hat der Kulturpolitik den Kampf angesagt (Imago)

US-Präsident Donald Trump plant einen radikalen Kahlschlag bei der Kulturförderung. Die derzeit in Virginia lebende deutsche Schriftstellerin Esther Dischereit findet das eine verheerende Botschaft, die zeige, dass es Trump nur um puren Kapitalismus gehe.

US-Präsident Donald Trump will den beiden wichtigsten kulturellen Fördereinrichtungen der USA, dem National Endowment for the Arts (NEA) und dem National Endowment for the Humanities (NEH), die staatlichen Zuwendungen in Höhe von rund 300 Millionen Dollar im Jahr streichen. Außerdem sollen Zuwendungen für das Kulturleben zukünftig nicht mehr steuerlich absetzbar sein. Kritiker sehen in solchen Plänen einen Angriff auf das liberale Kunstverständnis der USA.

Die Autorin Esther Dischereit lebt derzeit in Virginia und verfolgt kritisch die Politik von US-Präsident Donald Trump   (Deutschlandradio / Bettina Straub)Die Autorin Esther Dischereit lebt derzeit in Virginia und verfolgt kritisch die Politik von US-Präsident Donald Trump (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Entsetzen über die Botschaft

Die staatliche Kulturförderung sei in den USA immer schon beschämend gering ausgefallen, sagte die deutsche Schriftstellerin Esther Dischereit im Deutschlandradio Kultur. Aber ein Wegfall der Förderung sei nicht zu verschmerzen. "Was vielleicht viel, viel schwerer wiegt, ist die Botschaft", sagte Dischereit, die derzeit in Virginia lebt.

"Wissenschaft, Kunst, übrigens auch die öffentlichen Radioprogramme, die können mich mal", laute der Tenor des Präsidenten. Er wolle das loswerden, auch weil in diesen Feldern sehr häufig Liberale politisch dominierten. Sie habe sich an deutsche Verhältnisse zur Zeit des verstorbenen CSU-Politikers Franz Josef Strauß erinnert und an dessen Beschimpfung von Künstlern und Schriftstellern als "Ratten und Schmeißfliegen". Für Trump zähle eigentlich nur das Geld und Kapitalismus pur, sagte Dischereit.

Noch Hoffnung

Die Schriftstellerin zeigte sich aber optimistisch, dass diese Kürzungen noch nicht ausgemacht seien, da der Kongress darüber entscheiden werde. Sie erinnerte daran, dass es auch Kulturprogramme der Republikanischen Partei gebe, die davon betroffen seien. Als Beispiel nannte sie Kulturangebote für ländliche Regionen oder Theaterprogramme, die die Rückkehr von US-Soldaten aus dem Irak thematisiert hätten.

Hoffnungen setze sie auch auf die Tochter von Trump und die Ehefrau des Vize-Präsidenten Mike Pence, die selbst Malerin sei und als Kunsttherapeutin arbeite. Dischereit verwies auch auf die massive Gegenwehr von Kritikern, wie der Vereinigung der Museen.       

Mehr zum Thema

Virginia, USA - Bürgerproteste gegen Trump
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 15.02.2017)

Anti-intellektueller Kurs - US-Kulturförderung fürchtet Kahlschlag durch Trump
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 23.01.2017)

Museumsdirektor Hollein zur US-Wahl - "Gefühlte Ausweglosigkeit"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 24.10.2016)

Interview

20 Jahre Elchtest"Lieber Geld verlieren als Vertrauen"
Der "Elchtest" jetzt auch im Schaufenster: Die Modellausgabe des umstrittenen Fahrversuchs mit dem neuen Mercedes A 1 im Maßstab 1:87 ist derzeit Blickfang der Auslage eines Spielwarengeschäfts in Aachen (aufgenommen am 18.11.1997). Für rund 16 Mark kann der Modelliebhaber den gekippten "Baby-Benz" mit einer Elchfigur in seine Spielszene einbauen.... (picture-alliance / dpa / Roland Scheidemann)

Fehler zugegeben – und dann besser gemacht: Für den Automobilexperten Willi Diez zeigt die Reaktion von Mercedes auf den "Elchtest", wie gutes Krisenmanagement sich auszahlt. Davon könnten die Automobilkonzerne in der Dieselaffäre lernen.Mehr

15 Jahre Cyberangriff auf das DNS"Man hat daraus gelernt"
Besucher des Kongresses des Chaos Computer Clubs (CCC) spielen mit ihrem digitalem Spiegelbild. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)

Vor 15 Jahren kam es zu einem der bis dahin gefährlichsten Hacker-Angriffe auf das Internet. Dabei wurde ein Großteil der weltweiten DNS-Root-Server lahmgelegt. Der Cyber-Experte Sandro Gaycken erklärt, wie hoch das Risiko für solche Angriffe heute ist. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur