Seit 00:05 Uhr Freispiel
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 00:05 Uhr Freispiel
 
 

Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 07.08.2013

Unterwegs mit der Seilbahn von Medellin

Das Metrocable hat zur Befriedung der einst extrem kriminellen kolumbianischen Stadt beigetragen

Von Julio Segador

Podcast abonnieren
Bundespräsident Gauck vor dem Metrocable in Medellin (picture alliance / dpa / Soeren Stache)
Bundespräsident Gauck vor dem Metrocable in Medellin (picture alliance / dpa / Soeren Stache)

Früher galt das kolumbianische Medellin als die gefährlichste Stadt der Welt. Heute ist die Mordrate deutlich zurückgegangen. Dazu beigetragen hat auch das Metrocable. Seit 2004 bindet die Seilbahn zwei Elendsviertel näher ans Zentrum im Tal an- und erfüllt damit auch eine soziale Funktion.

Eine Seilbahn mitten in Medellín. 30 Minuten dauert die Fahrt mit dem Metrocable vom Tal zum hochgelegenen Stadtteil Santo Domingo, zur Comuna 1. Dora Inés Girardo hat einen langen Arbeitstag hinter sich. Sie ist eine empleada, passt bei einer reichen Familie in Medellín auf zwei Mädchen auf. Früher, als das Metrocable noch nicht existierte, musste Dora über steile und enge Gassen bis zu zwei Stunden mit Bussen fahren. Das hat sich geändert. Und billiger ist es auch, sagt Dora:

"Für uns ärmere Menschen hier ist es jetzt günstiger. Früher mussten wir 2 oder 3 Busse nehmen, um ins Tal zu kommen. Gut ist, dass man das Metro-Ticket und das Ticket fürs Metrocable kombinieren kann. Man muss also nicht doppelt bezahlen."

Steil geht es den Berg nach oben. Die Hütten der Elendsviertel am Hang sind zum Greifen nah. Das Metrocable bietet einen ungeschminkten Blick auf heruntergekommene Dächer und Fassaden. Aber das ist nicht alles: Das Metrocable in Medellín überwindet die Grenzen zwischen Arm und Reich, und zwar in beide Richtungen. Auch Alberto pendelt mit der Seilbahn täglich zwischen Berg und Tal.

"Die Leute, die oben am Berg leben sagten früher nicht, wir fahren ins Zentrum von Medellín. Sie sagten: Wir fahren nach Medellín. Sie Stadt war unendlich weit weg."

Das hat sich geändert, auch im übertragenen Sinn. Tomas Elejalde, der in Deutschland zum Ingenieur ausgebildet wurde, ist der Planungschef der Seilbahngesellschaft. Das Metrocable habe in Medellín die soziale Struktur verändert..

"Dramatisch verbessert, durch alle diese neuen Möglichkeiten, die die Leute haben. Sie können sich besser transportieren, sie können an neue Arbeitsplätze gelangen, dadurch an ein besseres Einkommen, dadurch dass sie die Transportkosten sparen und die Stadt Medellin hat diese ärmeren Viertel wieder besiedelt mit Staatsinstitutionen, mit vielen Sachen."

Und noch etwas hat sich geändert. Das Metrocable hat mitgeholfen, die Kriminalitätsrate in der einst gefährlichsten Stadt der Welt zu verringern. 350 Morde pro 100.000 Einwohner gab es noch vor 20 Jahren in Medellín. Diese Zahl ist inzwischen auf ein Siebtel gesunken. Doch es gibt auch Sorgenfalten. Die bessere Anbindung sorgt dafür, dass die Immobilienpreise in Santo Domingo kräftig anziehen. Vielleicht schon bald zu kräftig für Menschen wie Dora Inés Girardo.

"Mit dem Metrocable sind hier viele Preise in die Höhe geschnellt. Die Mieten werden immer teurer, die Grundstückspreise liegen über den Wolken. Eine Verteuerung, die ganz klar mit dem Metrocable zusammenhängt."

Weltzeit

100 Tage US-Präsident Trump Stolz auf Hass und Rassismus
Nick Kassof, ein Vermieter in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri, steht vor einem Souvenirladen. (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Knapp drei Jahre nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf den 18-jährigen Schwarzen Michael Brown gehört Rassismus in Ferguson weiterhin zum Alltag. Seit Trump Präsident ist, wird er sogar noch offener gelebt. Doch es gibt Bürger, die das nicht hinnehmen. Mehr

Hungerkatastrophe in Ostafrika"Es mangelt an Geld und Zugang"
Blick über ein Zeltlager nomadischer Viehhirten in Uusgure, Somalia am 22.02.2017. Aufgrund der anhaltenden Dürre haben sich nomadische Viehhirten am Rande des Dorfes niedergelassen. Viele von ihnen haben ihre Bestände von Ziegen und Kamelen - und damit ihre Lebensgrundlage - verloren. (picture alliance / dpa / Anna Mayumi Kerber)

Um eine Hungerkatastrophe in Ostafrika zu verhindern, bräuchte es vier Milliarden Euro an Soforthilfe. Davon ist erst ein Viertel eingegangen, sagt Till Wahnbaeck, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe. Zudem sei es zum Teil schwierig, die Hungernden zu erreichen.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur