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Kompressor | Beitrag vom 28.01.2016

Umgang mit Gerüchten im NetzCool bleiben in Zeiten der medialen Erregung

Medienwissenschaftler Jochen Hörisch im Gespräch mit Timo Grampes

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Ein Laptop mit Social Media Icons auf dem Bildschirm, dahinter Menschen auf der Rollstreppe eines Einkaufszentrums in Hamburg. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)
In den sozialen Netzwerken gibt es keine Kontrolle über den Wahrheitsgehalt von Informationen. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)

Das Internet scheint wie gemacht dafür zu sein, Falschmeldungen zu verbreiten. Die Menschen seien zudem in unsicheren Zeiten besonders dafür empfänglich, meint der Medienwissenschaftler Jochen Hörisch. Er rät: Cool bleiben und erstmal checken, ob's stimmt.

Zur Sicherheit aktuelle Fakten zu Beginn: Nein, es gab keinen Toten vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Die Falschmeldung was nicht die erste. Immer wieder verbreiten sich wilde Gerüchte um und über Flüchtlinge im Netz. Für uns ein Grund zu reden, und zwar mit dem Medienwissenschaftler Jochen Hörisch. Fiktion im Gewand des Faktischen: Welche Rolle spielt diese Art von Fiktion in unserem digitalen Zeitalter?

Jochen Hörisch sagt: "Sie spielt eine ganz entscheidende Rolle, weil es so wahnsinnig leicht ist, sie im Zeitalter des Internets zu produzieren. Früher hatten einfach nur wenige Zugang zu Enten, also Zeitungsenten (…) – heute kann das jeder machen. Deswegen glaube ich, wir werden da noch eine große Welle bekommen."

Verdammte Pflicht und Schuldigkeit zu recherchieren

Wir leben in Zeiten der großen Erregung, meint Hörisch und ergänzt: "Selig sind die Zeiten, wo wir so herrlich unwichtige Fragestellungen hatten. Und jetzt merken wir, dass wirklich etwas strukturell weltpolitisch geschieht: Dass wir eben in der Tat eine Völkerwanderung haben, deren Gründe nachvollziehbar sind. Das erregt uns. Damit hatten wir in der Form nicht gerechnet."

Und Zeiten der Erregung seien eben auch die Zeiten, wo die Lust - und auch die perverse Lust - daran, Gerüchte zu streuen, um sich greife.

Für die Presse bedeute das die Pflicht, sich gleichsam abzuregen. Journalisten hätten nun mal die "verdammte Pflicht und Schuldigkeit" zu recherchieren und die simple Frage zu stellen: Stimmt das, was so behauptet wird?

Insgesamt müssten wir lernen, mit Geschichten, die uns emotionalisieren, aber deren Wahrheitsgehalt unklar sei, einigermaßen "cool" umzugehen, meint Hörisch – Langsamkeit, Analyse, Distanz seien dafür die Stichworte.

Fazit

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