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Zeitfragen | Beitrag vom 30.01.2018

Über die unbegrenzte Lust zum TeilenMein geshartes Leben

Eine Glosse von Nele Rößler

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Ein öffentlicher Kühlschrank in einem Fahrradunterstand in der Malmöerstraße in Berlin. Bei den sogenannten Fairteilern können Lebensmittel wie Brot, Gemüse, oft aber auch Kühlware kostenlos abgeholt werden. Das Sammeln bei Supermärkten oder Bäckereien übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Initiativen Lebensmittelretten.de und Foodsharing.de. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Für alle zugänglich: Sharing heißt die neue Devise. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Bohrmaschine, Auto, Wohnung - heutzutage wird alles geshart. Schluss mit dem alten Egoismus, sagt auch Nele Rößler und geht noch einen Schritt weiter.

Es soll ja Menschen geben, die das Prinzip des Sharens verabscheuen – oder unsinnig finden. Ich kann das gar nicht verstehen. Also früher, da war ich ja auch mal so egoistisch, da hatte ich alles für mich alleine: Partner, Job, Bohrmaschine. Jetzt nicht mehr. Mein Partner hatte eine Midlife-Crisis, ich habe im Büro fast gewohnt und die Bohrmaschine war kaputt. Deshalb existiert "mein" in meinem Wortschatz jetzt nicht mehr.

I share my life. Nicht auf Facebook oder Twitter oder so. I share my life in real life. Jetzt habe ich das Best-of von allem. Günstig, umweltfreundlich, und Verantwortung habe ich jetzt auch keine mehr. Zumindest in der Arbeit. Da hat Inge jetzt die Verantwortung. Mit der teile ich mir nämlich den Job. Und weil die immer da ist, wenn die Konferenzen mit dem Chef sind, bekommt eben halt Ärger, wenn ich mal wieder 2000 Euro verzockt habe. Da hat sich Inge aber dran gewöhnt.

Früher war ich so verschwenderisch!

Man gewöhnt sich ja an so viel. An das Schlafen in der Badewanne zum Beispiel. Das mach‘ ich, seit ich nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch das Schlafzimmer vermiete. Diesen Sommer biete ich den Balkon auch noch als Zeltplatz an. Zwei Zelte auf fünf Quadratmeter: geht locker. Früher dachte ich: hübsch, sonntagmorgens auf dem Balkon frühstücken. Ich war einfach so verschwenderisch. Die Vermieterin von meiner Nachbarin macht das jetzt auch so.

Deshalb ist meine frühere Nachbarin jetzt aufs Land gezogen. Gut so: Ich mochte die eh nie. Mein Auto teile ich auch. Ein Freund von mir, der Franz, der ist Taxifahrer. Also, na ja, war Taxifahrer. Der hat sich früher immer beschwert, dass er den ganzen Tag im Auto sitzen muss. Jetzt fahre ich seine früheren Kunden durch die Gegend, und er geht den ganzen Tag spazieren: vom Jobcenter zur Essenstafel und zurück. Toll, oder? Da hab‘ ich echt noch was Gutes gemacht für den Franz.

Das gesharte Kind

Die beste Idee war aber wirklich, meine Kinder zu sharen. Es gibt ja sogar wissenschaftliche Studien, dass nichts so schädlich für die eigene Klimabilanz ist wie Kinder. Deshalb sind die jetzt auf nachbarschaftskind.de. Da kann ich sie dann kurz ausleihen – kommt aber selten vor. Wie viel Zeit ich früher auf Elternabenden und dem Fußballplatz verbracht habe: undenkbar. Jetzt kann ich abends immer schön in meiner Badewanne liegen und gucken, wie die anderen Sharer meine Angebote bewerten. Manchmal habe ich sogar Glück, und keiner muss aufs Klo.

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