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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.12.2010

Traumatische Erlebnisse in Isolationshaft

Kubanische Regimekritiker berichteten in Berlin

Von Peter B. Schumann

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Kubaner vor einem Wandbild mit Revolutionshelden in Havanna (AP)
Kubaner vor einem Wandbild mit Revolutionshelden in Havanna (AP)

Von den 2003 in Kuba festgenommenen Menschenrechtlern wurde auf Druck der EU ein Großteil freigelassen. Einige von ihnen erzählten in der Konrad-Adenauer-Stiftung von ihren erschreckenden Haftbedingungen.

Sie sind nach sieben Jahren Haft unter unmenschlichen Bedingungen endlich frei, die meisten dieser 75 Oppositionellen: Schriftsteller, Journalisten, Ärzte, Juristen, Wissenschaftler, Hausfrauen und Angestellte. Sie hatten mit friedlichen Mitteln für demokratische Wahlen, für Meinungsfreiheit, für freie Berufsausübung und bessere Lebensbedingungen gestritten – für Rechte, die für uns selbstverständlich sind. Wer sich aber in Kuba gegen die Regierung stellt und beispielsweise als Journalist unabhängig von den staatlichen Medien Informationen sammelt, recherchiert und über ausländische Sender auf der Insel verbreitet, der gilt als Spion. Und wer sogar Unterschriften sammelt für ein sogenanntes Projekt Varela, der ist ein Verfassungsfeind, obwohl auch damit nichts anderes als ein nationaler Dialog über die schlechten Wirtschaftsverhältnisse und freie Wahlen gefordert wurde.

Wer sich also gegen das seit bald 52 Jahren andauernde Dogma der kubanischen Revolution und ihr Einparteien-Regime, gegen das Machtsystem der Brüder Castro wehrt, der wird nicht einfach als politischer Gegner betrachtet, sondern als Staatsfeind attackiert. Das bedeutet bei Verhaftung ein Strafmaß zwischen 8 und 28 Jahren Gefängnis. Diese härteste Strafe traf Luis Enrique Ferrer García. Er war bei seiner Verhaftung 26 Jahre alt und koordinierte das "Projekt Varela". Vor zwei Wochen ist er als der bisher letzte der politischen Häftlinge freigelassen worden.

Luis Enrique Ferrer García: "Ich komme aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Dort lebte ich sieben Jahre lang in Isolationshaft. In einem Raum von der Größe einer normalen Toilette, aber ohne jegliche sanitäre Anlage, mit einem Loch im Boden, stockfinster, unter hoher Luftfeuchtigkeit und drückender Hitze, mit viel Ungeziefer. Ohne Bett oder Tisch, nur mit einem Brett zum Schlafen. In solche Drecklöcher stecken sie normalerweise Kriminelle, die im Gefängnis randaliert haben, und auch nur für wenige Tage oder Wochen. Wir wurden schlimmer als Verbrecher behandelt und durften keinerlei menschlichen Kontakt zu irgendeiner Person im Gefängnis haben, nicht einmal zu unseren Wächtern. Wenn sich einer von denen unserer erbarmte und länger mit uns zu sprechen begann, wurde er versetzt."

Luis Enrique Ferrer García wurde mehrfach zusammengeschlagen, als er wiederholt gegen die Haftbedingungen rebellierte. Die Ernährung ist miserabel und führt immer wieder zu schweren Erkrankungen, die oft gar nicht oder meist nur völlig unzulänglich behandelt werden. Unter den kriminellen Häftlingen kommt es deshalb immer wieder zu Selbstmorden. Die politischen Gefangenen haben ein anderes Bewusstsein und werden von ihren Familienangehörigen und von internationalen Organisationen und auch von Regierungen unterstützt. Aber selbst sie treten in höchster Not in den Hungerstreik oder verschließen sich aus Protest die Lippen mit Draht wie Juan Carlos Herrera Acosta, der inzwischen freigelassen wurde und in Spanien in einer Nervenklinik behandelt werden muss.

Spanien ist das Land, in das die meisten der Dissidenten ausreisen mussten. Aber dort wurden ihre Hoffnungen auf ein baldiges politisches Asyl, auf Arbeitsmöglichkeiten, auf Integration in die Gesellschaft nicht selten enttäuscht.

Luis Enrique Ferrer García: "Wir wurden zunächst in ein ganz normales Aufnahmezentrum für Emigranten verfrachtet, obwohl wir doch politische Asylanten sind und uns von spanischer Seite ein schnelles Asylverfahren versprochen wurde. Aber viele, die früher ankamen, warten zum Teil schon seit vier Monaten auf eine Entscheidung. Bei den anderen, die von Tschechien aufgenommen wurden, ging das innerhalb weniger Tage über die Bühne. Wir haben noch nicht einmal die nötige medizinische Versorgung erhalten."

Die kubanischen Oppositionellen wollen möglichst rasch auf eigenen Füßen stehen, denn sie können nicht mit einer baldigen Rückkehr auf ihre Insel rechnen. Das Castro-Regime macht zwar zurzeit seine schlimmste Krise durch, aber für Luis Milán Fernández bedeutet das noch keine Wende:

"Mit den Castro-Brüdern kann es keine Veränderung in Kuba geben. Mit ihnen erleben wir seit 50 Jahren nur Terror. Einige von uns hat es das Leben gekostet, andere wurden nervenkrank, bleiben zeitlebens gezeichnet. Viele Familien wurden traumatisiert oder gar zerstört. Ich als gläubiger Christ werde ihnen eines Tages sicher vergeben, aber eine Demokratie kann ich mir mit ihnen nicht vorstellen. Das bedeutete Verrat an den Opfern, die unser Kampf gekostet hat und an unserer Geschichte."

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