Mittwoch, 17.01.2018

Kompressor | Beitrag vom 07.01.2016

TranssexualitätGeschlechtsumwandlung als Chance und Zwang

Gesa Lindemann im Gespräch mit Christine Watty

Podcast abonnieren
Ein Piktogramm für Männer- und Frauen-Toiletten (picture alliance / dpa/ Jens Kalaene)
Symbole für Mann und Frau (picture alliance / dpa/ Jens Kalaene)

Der Film "The Danish Girl", der aktuell in den Kinos läuft, handelt vom ersten operierten Transsexuellen. Die medizinische Möglichkeit, das eigene Geschlecht zu verändern, ist einerseits eine Chance. Zugleich bedeutete sie aber auch einen Verlust an Freiheit, sagt die Soziologin Gesa Lindemann.

In dieser Woche kommt "The Danish Girl" in die Kinos, ein Film über den ersten operierten Transsexuellen, der 1931 an den Folgen einer Geschlechtsumwandlung starb. 

Die medizinische Möglichkeit der Veränderung des körperlichen Geschlechts ist einerseits eine Chance. Gleichzeitig sei es aber für diejenigen, die sich "von einem Geschlecht in das andere verändern" wollten, zur Notwendigkeit geworden, erklärte die Soziologin Gesa Lindemann auf Deutschlandradio Kultur.

Die Gesellschaft erwartet ein eindeutiges Geschlecht

Lindemann: "Wenn man sich die Körpergeschichte anschaut, wird einem sehr schnell klar, dass die Entgegensetzung von - hier das Gesellschaftliche und dort der Körper als Natur -, dass diese Entgegensetzung eine moderne Angelegenheit ist, die sich in dieser Weise erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts zementiert."

Mit den in der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmenden medizinischen Möglichkeiten habe sich dieses Konzept weiterentwickelt. 

In den 1950er- und 1960er-Jahren seien Operationen für Transsexuelle - also Menschen, die den Wunsch haben, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden - durchgeführt worden,

"wenn psychologisch festgestellt wurde, dass sie eine Identität in dem Geschlecht entwickelt haben, das nicht das körperliche Geschlecht ist. Und dann wurde das Identitätsgeschlecht als das gewichtiere angesehen, weshalb es dann auch erlaubt und geboten ist, das körperliche Geschlecht zu verändern."

In Subkulturen lebt es sich leichter "zwischen den Geschlechtern"

Inzwischen gebe es aber zunehmend Entwicklungen, die "das individuelle Leben als Geschlechtswesen von der Verpflichtung freistellen, den eigenen Körper zu verändern". So werde es zumindest in subkulturellen Zusammenhängen zu einer Option, ein Stück weit "zwischen den Geschlechtern zu leben". Je weiter man sich jedoch in die Mitte der Gesellschaft hinein bewege, umso eher würden die Betreffenden mit dem "Zwang zur Eindeutigkeit" konfrontiert, so Lindemann.

"Ein Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Bank, der auf die Frage, welchem Geschlecht er angehört, antwortet 'Och, weiß nicht' und entsprechend ambivalent auftritt - das ist im Moment nicht richtig vorstellbar."

Mehr zum Thema

Transsexualität - "Wir sind ganz normale Frauen, ganz normale Männer"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 02.06.2015)

Transsexualität - Leben im falschen Körper
(Deutschlandfunk, Das Wochenendjournal, 31.01.2015)

Eurovision Song Contest - Warum ausgerechnet Conchita Wurst gewann
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 11.05.2014)

Fazit

Aus den FeuilletonsWas Marx als Faselei brandmarkte
Der deutsche Philosoph, Schriftsteller und Politiker Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner "Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London". Marx verfasste 1848 zusammen mit Friedrich Engels das "Kommunistische Manifest". Er ist der Begründer des modernen dialektisch-materialistischen Sozialismus, des Marxismus, aus dem heraus sich die Sozialdemokratie und der Kommunismus entwickelt haben. Marx wurde am 5. Main 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London. (picture alliance / dpa)

Der Niedergang des Wortes "alternativ" beschäftigt die Feuilletons: Warum nur ist das harmlose kleine Wort schon wieder Bestandteil eine "Unwortes des Jahres" geworden? Ebenso werfen die Zeitungen einen Blick auf Karl Marx' Formulierkunst und sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten. Mehr

Hightech-ModeWenn die Sportkleidung zu dir spricht
Eine junge Frau richtet am 18.01.2017 in Berlin bei der Modemesse Fashiontech im Rahmen der Berliner Modewoche eine Kreation des Designers Anouk Wipprecht aus den Niederlanden. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)

Tragen wir Hightech-Kleidung der Zukunft, kann jeder sofort an Lichtsignalen erkennen, ob wir nervös, freudig erregt, wütend oder traurig sind. Vorgestellt wurden solche Kreationen auf der Fashiontech. Für Lifestyle-Journalistin Katja Bigalke sind sie mehr als nur lustige Spielereien. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur