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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.07.2016

Tödlicher Unfall bei selbstfahrendem Tesla"100-prozentige Sicherheit wird es nie geben"

Stefan Bratzel im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Ein Mann sitzt in einem Tesla Model S auf dem Fahrersitz vor einem Showroom des Autoherstellers.  (dpa-Bildfunk / Sven Hoppe)
Die US-Behörde überprüft nach dem Unfall die Fahrhilfen beim Tesla Model S. (dpa-Bildfunk / Sven Hoppe)

In den USA hat es den ersten Toten in einem selbstfahrenden Auto gegeben: Tesla vermeldete auf seiner Website den schweren Unfall. Professor Stefan Bratzel beschäftigt sich mit der Technologie und schätzt ein, wie es dazu kommen konnte.

Die US-amerikanische Verkehrsaufsicht untersucht den ersten tödlichen Unfall mit einem Elektroauto der Marke Tesla, der im Autopilot-Modus unterwegs gewesen ist. Möglicherweise habe dabei die Technik versagt, so die Behörde. Tesla ist eines der vielen Autounternehmen, die autonomes Fahren als eine der zukunftsweisenden Technologien im Verkehr sehen.

Der Tesla sei seitlich in einen Lkw gefahren, dabei sei die Windschutzscheibe eingedrückt worden. Hätte sich das Elektroauto von vorne oder von hinten dem Lkw genähert, hätte sein eingebautes System, das Unfällen vorbeugen soll, Schlimmeres verhindert, erklärte das kalifornische Unternehmen auf seiner Webseite. Auf der Webseite bekundete Tesla auch sein Beileid gegenüber den Angehörigen, das Unternehmen sei schockiert, handele es sich doch auch um den ersten tödlichen Unfall während der Nutzung des Autopiloten. Der Unfall war bereits im Mai passiert, gelangte aber erst jetzt an die Öffentlichkeit. 

Es seien extrem seltene Umstände gewesen, erklärte Tesla auf seiner Website. Stefan Bratzel ist Professor für Automobilwirtschaft in Bergisch-Gladbach, er sagt: "Eine 100prozentige Sicherheit wird es nie geben."

Auch Menschen sind nicht fehlerlos

Dass jeder Einparkassistent einen Poller, aber das Tesla-Auto keinen riesigen Lkw erkennen könne, sei schwer nachzuvollziehen: "Aber alles muss einprogrammiert werden, und wenn es solche Fälle nicht als Muster erkannt werden, dann kann das System dazu eine Fehlinterpretation generieren - das scheint in diesem Fall so gewesen zu sein."

Wird es irgendwann einmal autonomes Fahren praktisch ohne Unfälle geben? Bratzel meint: "Wenn die technischen Systeme im Durchschnitt besser sein werden als die Menschen, dann kann man die Todefälle deutlich reduzieren - und davon kann man ausgehen, dass die Anzahl der Unfälle deutlich sinken wird." Denn auch bei Menschen komme es ja sehr oft zu Fehleinschätzungen von Situationen im Verkehr. 

Doch nicht nur bei Tesla gibt es Probleme: Erst im März hatte ein fahrerloses Auto von Google in Kalifornien einen Unfall mit einem Linienbus gebaut. Google musste zugeben, dass die Technik versagt hatte. Verletzt wurde bei dem Unfall allerdings niemand.

Im Fall von Tesla sollen nun die aktivierten Fahrerhilfen des Autos genau geprüft werden. Dies ist der erste Schritt, bevor die Verkehrsaufsichtsbehörde einen Rückruf anordnen könnte, wenn sie die Autos für unsicher hält. Davon könnten dann bis zu 25.000 Tesla-Wagen des Model S betroffen sein.

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