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Sonntag, 19.11.2017

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 27.03.2014

Todesstrafe Zahl der Hinrichtungen weltweit stark gestiegen

Amnesty International präsentiert Jahresbericht

Eine Pritsche in der Todeszelle des texanischen Huntsville-Gefängnisses , Archivbild (dpa / picture alliance / Paul Buck)
Eine Pritsche in der Todeszelle des texanischen Huntsville-Gefängnisses (dpa / picture alliance / Paul Buck)

In vielen Ländern ist die Todesstrafe mittlerweile abgeschafft, dennoch zählte Amnesty International 2013 weltweit mehr Hinrichtungen als im Vorjahr. Verantwortlich dafür sind in erster Linie drei Länder.

Die Zahl der gerichtlich angeordneten Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr um knapp 15 Prozent gestiegen. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor. Demnach wurden 2013 in 22 Ländern 778 Exekutionen angeordnet. Im Vorjahr waren es 682 Hinrichtungen in 21 Ländern.

Zudem wurden 2013 mindestens 1.925 Menschen (2012: 1.722) in 57 Ländern (2012: 58) zum Tode verurteilt. 

Nicht mitgezählt in dem Bericht sind dabei Hinrichtungen und Todesurteile in China. Dort gelten derartige Informationen als Staatsgeheimnis. Amnesty International vermutet, dass jährlich tausende Menschen hingerichtet werden – also mehr als in allen Ländern der Welt zusammen.

Iran und Irak haben mehr Hinrichtungen angeordnet

Den Angaben zufolge erklären sich die Zahlen für 2013 zum Teil durch einen Anstieg von Hinrichtungen im Iran und Irak. Iran und Irak hätten insgesamt fast 100 Personen mehr hingerichtet, als noch 2012. Im Iran seien mindestens 369 Todesurteile vollstreckt worden. Darüber hinaus gingen "glaubwürdige Quellen" von 335 weiteren aus, hieß es. Im Irak wurden mindestens 169 Menschen hingerichtet.

Zusammen mit China, Saudi-Arabien, wo mindestens 79 Menschen hingerichtet wurden, den USA (39 vollstreckte Todesurteile) und Somalia mit mindestens 34 Hinrichtungen gehören Iran und Irak zu den Ländern, in denen die meisten Exekutionen stattfanden und die sich gegen einen Trend zur Abschaffung der Todesstrafe weltweit stellten.

Oliver Hendrich, Vorstandssprecher von Amnesty International in Deutschland sagte, "Außerhalb Chinas finden fast 80 Prozent der Hinrichtungen in nur drei Ländern statt: Iran, Irak und Saudi-Arabien. Umso erfreulicher sind die kleinen Erfolge, die es in allen Regionen gab. In den meisten Teilen der Welt gehören Hinrichtungen der Vergangenheit an."

529 Todesurteile gegen Muslimbrüder

Weltweit hätten inzwischen 140 Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Sorge äußerte die Organisation allerdings darüber, dass in Indonesien, Kuwait, Nigeria und Vietnam nach längerer Pause wieder Todesurteile vollstreckt worden seien.

Kurz vor der Veröffentlichung des Berichts sprach ein Gericht in Ägypten 529 Todesurteile gegen mutmaßliche Anhänger der Muslimbruderschaft aus. Diesen Vorgang bezeichnete Amnesty International als "groteske Aktion".

bre

Der Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist auch Thema in der Ortszeit am Mittag.

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