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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.07.2015

"The Wall" vor 25 JahrenAls die Mauer noch mal fiel

Von Simonetta Dibbern

Der gigantische Bühnenaufbau zu "The Wall" 21.7.1990 auf dem Potsdamer Platz in Berlin (picture-alliance / dpa - Peter Kneffel)
Mehr als 300.000 Fans erlebten am 21.7.1990 auf dem Potsdamer Platz in Berlin das Spektakel "The Wall". (picture-alliance / dpa - Peter Kneffel)

Am 21. Juli 1990 wurde "The Wall" am Potsdamer Platz aufgeführt. Die Rockoper von Pink-Floyd-Bassist Roger Waters war nicht nur ein großes Pop-Ereignis, sondern hatte an diesem Ort zwischen Ost und West eine ganz besondere Symbolkraft.

Es ist ein lauer Sommerabend, Staub liegt in der Luft, Hunderttausende drängen sich auf der riesigen Brachfläche mitten in Berlin vor einer gigantischen Bühne. Heute, am 21. Juli 1990 wird eine Rockoper gegeben, die mit ihrem Titel auf die deutsch-deutsche Geschichte verweist: "The Wall" - acht Monate nach dem Fall der Mauer erhält er hier eine symbolische Kraft.

Elf Jahre waren seit der Weltpremiere vergangen, das Konzeptalbum der britischen Band Pink Floyd hatte sich bis dahin 19 Millionen Mal verkauft. Roger Waters, Schöpfer des opulenten Werks, war inzwischen von seiner Band getrennt. Nun wollte er sein Opus, in dem ein Junge eine emotionale Mauer um sich errichtet, noch einmal ganz groß in Szene setzen. Zur Diskussion stand zunächst das nordamerikanische Monument Valley oder ein Ort in der Sahara.

"Und dann im November 89, als alles anfing auseinanderzufallen, wurde es klar, dass Berlin ein Ort sein könnte, an dem dies möglich wäre. Es bekam einen völlig neuen Dreh."

Ehemaliges Niemandsland als Raum für das Konzert

Der Potsdamer Platz - einst Verkehrsknotenpunkt und kulturelles Zentrum Berlins - war während des Zweiten Weltkrieges weitgehend zerstört und mit dem Bau der Mauer Teil des 500 Meter breiten Todesstreifens geworden. Das ehemalige Niemandsland bot zwar genug Raum für ein Rockkonzert, musste allerdings erst einmal präpariert werden. Jonathan Park, einer der Planer und Bühnenbildner der Show.

"Ich hatte sogar Angst, dass der Platz vermint ist. Niemand konnte uns darüber etwas sagen. Also bat ich die Behörden, das ganze Gebiet nach Minen zu durchsuchen. Und sie fanden tatsächlich viele Granaten und Ähnliches. Aber am Ungewöhnlichsten war die Entdeckung des Bunkers, in dem Hitler kurz vor Kriegsende starb."

Visuelle Effekte für die gigantische Bühne

Parallel zu den Aufräumarbeiten entwarf Jonathan Park mit seinem Team die visuellen Effekte für die gigantische Bühne: mit Projektionen der Mauer-Graffitis von der East Side Gallery und mit grotesken Marionetten, die, jeweils 35 Meter hoch, von Riesenkränen bewegt wurden. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, vor deren Kulisse die Sänger und Musiker wie Miniaturen wirkten, obgleich die Stars der internationalen Rockszene versammelt waren. Dazu spielte eine sowjetische Militärkapelle, ein Tribut an fast 40 Jahre DDR.

"Der Tag, an dem wir mit ihnen probten, war faszinierend. Wir wurden nach Ostdeutschland gefahren und kamen schließlich zu diesem Dorf, und wir fragten die Leute: Wo ist das Lager der russischen Armee? Keiner wollte es uns sagen. Sie sagten, dass so etwas nicht existiere. Schließlich fanden wir das Tor, es war höchstens 100 Meter entfernt. Das war mitten in Deutschland und keiner von den Wachen sprach ein Wort Deutsch!"

Pannen während der Show

Für die Fernsehzuschauer war die Show perfekt. Das Publikum auf dem Platz - an die 350.000 sollen es gewesen sein - bekam von der Musik wenig mit, von den Pannen dagegen umso mehr: zwei Stromausfälle in den ersten 15 Minuten.

"Ich habe ein Foto in meinem Studio, auf dem ich auf den Knien sitze, so die Hände gefaltet, mitten auf der Bühne. Ich konnte es einfach nicht glauben. Es passierte zweimal in der ersten Viertelstunde. Wir hatten keinen Sound, und aus Not begann ich, zu steppen, vor 300.000 Leuten! Es gab sonst nichts, was ich hätte tun können. Es dauerte einige Minuten, bis sie herausfanden, was los war. Es war wirklich schrecklich."

Fast zwei Stunden lang dauerte das Spektakel. Trotz aller technischen Probleme gab es tosenden Applaus, als kurz vor Mitternacht die Mauer fiel. Auf das Stichwort "tear down the wall" wurden innerhalb von 30 Sekunden 2.500 Styroporziegel zum Einsturz gebracht. Roger Waters' Inszenierung war das größte Rockspektakel aller Zeiten, aber letzten Endes war es dann doch der Fall der Mauer, der in Berlin so frenetisch gefeiert wurde.

Mehr zum Thema:

Roger Waters unterstützt Mauerschützer
(Deutschlandfunk, Corso, 04.09.2013)

Pink Floyd
(Deutschlandradio Kultur, In Concert, 19.04.2006)

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