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Weltzeit | Beitrag vom 18.01.2018

Textilindustrie in MazedonienBilliglohnparadies Balkan

Von Leila Knüppel

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Näherinnen in einer Textil-Manufaktur in der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Hier werden Herrenhosen für Deutschland und Skandinavien hergestellt. (Leila Knüppel)
Näherinnen in einer Textil-Manufaktur in der mazedonischen Hauptstadt Skopje. Hier werden Herrenhosen für Deutschland und Skandinavien hergestellt. (Leila Knüppel)

In dem kleinen Balkanland Mazedonien nähen Textilarbeiterinnen hauptsächlich für den Export nach Deutschland: Leben können sie von ihrem Lohn kaum.

Wer Schlagworte wie "ausbeuterische Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie" hört, der denkt an Länder wie Bangladesh, China oder Indien. Und so scheint der Schriftzug "Made in Europe" auf dem Einnäher in Hosen oder Hemden Garant dafür zu sein, dass die Kleidung halbwegs fair hergestellt wurde.

Weit gefehlt: In dem kleinen Zwei-Millionen-Einwohner-Land Mazedonien, auf dem Balkan, gilt die Textilindustrie als eine der wichtigen Branchen. Produziert wird vor allem für Deutschland. Und auch hier können die Arbeiterinnen von dem Lohn kaum leben.

Lohn reicht nicht zum Leben

Weniger als 200 Euro habe sie im vergangenen Monat verdient, erzählt eine Arbeiterin, die seit 20 Jahren in einer Schuhfabrik in der mazedonischen Stadt Stip angestellt ist. Die Firma produziert unter anderem für einen großen Schuh-Discounter in Deutschland.

Die minimalen Lebenshaltungskosten für eine vierköpfige Familie schätzt der mazedonische Gewerkschaftsverband auf etwa 520 Euro. Das heißt, selbst wenn Mutter und Vater vollzeit in der Nähfabrik arbeiten, reicht es nicht zum Leben.

Mindestlohn muss nicht gezahlt werden

Die neue, sozialdemokratische Regierung hat zwar den Mindestlohn auf etwa 200 Euro erhöht. Doch das Gesetz hat Schlupflöcher, die es den Unternehmern ermöglichen, den Mindestlohn zu unterschreiten.

Das Image der Textilindustrie ist so schlecht, dass die Unternehmer Mühe haben, noch ausreichend Arbeiterinnen zu finden. Und das in einem Land mit mehr als 20 Prozent Arbeitslosigkeit.

Schwache Gewerkschaften

Die Situation der Textilarbeiterinnen hat sich in den vergangenen Jahren zwar etwas verbessert: Aber Überstunden und Samstagarbeit sind nach wie vor üblich. Ob diese bezahlt werden, noch immer eher ungewiss.

Trotzdem beschwert sich kaum einer der Angestellten. Aus Sorge, sonst den Arbeitsplatz zu verlieren. Und nur eine Minderheit der Textilarbeiterinnen ist Gewerkschaftsmitglied: Etwa zehn Prozent, schätzt Elizabeta Gelevska von der Gewerkschaft für Textil-, Leder- und Schuhproduktion. Grund dafür: Die Arbeitgeber "erlauben ihren Arbeitern nicht, in die Gewerkschaft einzutreten".

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