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Im Gespräch | Beitrag vom 13.09.2017

Taekwondo-Trainerin und Rechtsanwältin Sunny Graff"Ein Tag ohne Schreien ist wie ein Tag ohne Sonne"

Moderation: Susanne Führer

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Die Taekwondo-Kämpderinnen Tijana Bogdanovic und Jingyu Wu of China während der Olympischen Spiele in Rio 2016. (epa/Tatyana Zenkovich)
"Frauen in Bewegung": Hier die Taekwondo-Kämpferinnen Tijana Bogdanovic und Jingyu Wu während der Olympischen Spiele in Rio 2016. (epa/Tatyana Zenkovich)

Seit 45 Jahren betreibt Großmeisterin Sunny Graff Taekwondo, bringt Frauen Selbstverteidigung bei und will dabei die patriarchalen Strukturen des Kampfsports ändern. Das Schreien gehöre zum Taekwondo einfach dazu: "Das ist absolute Stressbewältigung."

Als Sunny Graff 1979 Weltmeisterin in Taekwondo wurde, lebte sie noch in ihrer Heimat, den USA, und studierte Jura. Zur Kampfkunst war sie gekommen, weil eine Freundin auf einer Tramptour ermordet worden war. Sunny Graff wollte sich im Notfall selbst verteidigen können.

Aber Frauen waren in den 1970er-Jahren in den Sportclubs für asiatische Kampfkünste nicht vorgesehen. Es gab keine Umkleideräume für Frauen, Sunny Graff wurde entweder sexuell belästigt von den Trainern oder gleich abgelehnt.

"Was ich nicht erwartet habe, ist, wie sehr ich mich in die Kampfkunst selbst verlieben würde. Ich habe die Bewegung geliebt, ich habe die Kraft, die ich in mir gespürt habe, geliebt, ich habe die Schönheit der Bewegung geliebt. Ich war gefangen von Anfang an."

Selbstverteidigungskurse für alle Frauen

Inzwischen lebt Sunny Graff in Deutschland und statt einer Rechtsanwaltskanzlei leitet sie Kurse in Taekwondo und Selbstverteidigung. "Frauen in Bewegung" heißt der Verein, den Sunny Graff vor über 30 Jahren in Frankfurt am Main gegründet hat. Die Nachfrage war anfangs riesig, heute gebe es zum Glück keine langen Wartelisten mehr, weil Mädchen und Frauen inzwischen auch in die anderen Vereine gehen können.

Das Besondere an "Frauen in Bewegung": Alle Mädchen und Frauen sind willkommen, unabhängig von Alter, Herkunft oder Religion. So gibt es auch Kurse für Frauen mit Behinderungen und Kurse in einer Moschee.

"Wir wollen nicht nur eine weiße deutsche Vereinigung sein", sagt Sunny Graff, die für ihr soziales Engagement mehrfach ausgezeichnet wurde.

Seit 45 Jahren betreibt Großmeisterin Sunny Graff nun Taekwondo – obwohl es zunächst schwer war für die Feministin, in den hierarchischen und patriarchalischen Strukturen dieses Kampfsportes klarzukommen.

Ein Leben ohne Kampfkunst - unvorstellbar!

Sie hat für ihre Kurse einiges geändert, so gibt es bei ihr keine Nationalflagge und ihr Unterricht beginnt im Kreis, die Teilnehmerinnen verbeugen sich voreinander – traditionell verbeugen sich die Schüler in Reihen nach ihrem Rang vor dem Lehrer.

Ein Leben ohne Kampfkunst kann sich Sunny Graff nicht vorstellen. Denn sie trainiert nicht nur den Körper, man lerne Selbstkontrolle und Harmonie von Körper, Geist und Emotionen. Laien mag das Schreien, das zum Taekwondo gehört, irritieren. Sunny Graff findet es super:

"Das ist absolute Stressbewältigung. Ich sage immer: Ein Tag ohne Schreien ist wie ein Tag ohne Sonne."

Das Grundlegende der Kampfkunst aber sei Achtung - der Respekt für sich selbst und für die anderen Menschen.

"Das bereichert jeden Lebensbereich."

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