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Interview | Beitrag vom 12.08.2017

Sternschnuppenschwarm der Perseiden Eine Welt voller Aberglauben

Theodor Much im Gespräch mit Julius Stucke

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Das Sternschnuppen-Schauspiel am Himmel über Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) verfolgen Besucher der Burg Giebichenstein. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Das Sternschnuppen-Schauspiel am Himmel lockt jedes Jahr viele Neugierige an. Viele wünschen sich etwas, aber nicht alle glauben daran, dass der Wunsch in Erfüllung geht (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Aberglaube und Esoterik seien vor allem ein Riesengeschäft, sagt der Mediziner Theodor Much, der zahlreiche kritische Sachbücher zum Umgang mit diesem Phänomen verfasst hat. Auch an die Wunschkraft von Sternschnuppen glaubt er nicht.

Der jährlich wiederkehrende Sternschnuppenschwarm der Perseiden ist ein Höhepunkt des astronomischen Jahres. Diesmal jedoch werden wohl deutlich weniger Augustmeteore am nächtlichen Firmament zu sehen sein als in anderen Jahren: Wenn die Perseiden in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihr Maximum erreichen, dürfte die Helligkeit des Mondes die Beobachtung empfindlich stören - außerdem könnten zahlreiche Wolken den Blick in den Himmel versperren. Der Glaube an Sternschnuppen ist dem Mediziner und Sachbuchautor Theodor Much, ebenso suspekt wie Esoterik und Homöopathie. Der langjährige Facharzt für Dermatologie ist Autor zahlreicher kritischer Bücher, in denen er sich um Aufklärung bemüht. 

Engelsprays in Apotheken  

"Es lohnt sich immer etwas zu wünschen, aber nicht unbedingt, wenn man Sternschnuppen erblickt", sagte Much, im Deutschlandradio Kultur. "Da gibt es schon bessere Möglichkeiten." Wir lebten zwar alle im angeblich aufgeklärten 20. Jahrhundert, doch in Wirklichkeit sei die Welt voller Aberglauben, Vorurteilen und Esoterik. "Egal eigentlich im Prinzip, wo man hinschaut, ob in Apotheken, wo man Engelsprays verkauft oder Bachblüten, Homöopathie, Schüßlersalze  und in diversen Läden, wo man Edelsteine verkauft, in Buchhandlungen, wo es Hunderte von Büchern zu esoterischer Literatur gibt."  Auch in TV-Sendungen würden Wunderheiler unkritisch präsentiert. "Die Welt ist eigentlich voll mit Esoterik."

Das Geschäft mit der Gutgläubigkeit

Umfragen zeigten, dass 42 Prozent der Befragten in Deutschland an vierblättrige Kleeblätter glaubten und 36 bis 40 Prozent an Sternschnuppen.  "Aberglaube und Vorurteile werden von Generation zu Generation weiter gegeben werden", sagte Much zu den Gründen für dieses Phänomen. Dann gebe es ein Wunschdenken, von dem selbst Ärzte nicht gefeit seien. Die Wissenschaft halte häufig unbequeme Wahrheiten bereit, die Menschen nicht gut ertragen könnten. Außerdem gebe es eine tief verwurzelte Sehnsucht nach etwas Überirdischen und eine weit verbreitete Gutgläubigkeit. Aber die Esoterik-Industrie profitiere auch von geschicktem Marketing und PR. Es handele sich um ein "Riesengeschäft".   

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