Seit 08:05 Uhr Kakadu

Montag, 21.05.2018
 
Seit 08:05 Uhr Kakadu

Interview / Archiv | Beitrag vom 12.08.2017

Sternschnuppenschwarm der Perseiden Eine Welt voller Aberglauben

Theodor Much im Gespräch mit Julius Stucke

Podcast abonnieren
Das Sternschnuppen-Schauspiel am Himmel über Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) verfolgen Besucher der Burg Giebichenstein. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Das Sternschnuppen-Schauspiel am Himmel lockt jedes Jahr viele Neugierige an. Viele wünschen sich etwas, aber nicht alle glauben daran, dass der Wunsch in Erfüllung geht (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)

Aberglaube und Esoterik seien vor allem ein Riesengeschäft, sagt der Mediziner Theodor Much, der zahlreiche kritische Sachbücher zum Umgang mit diesem Phänomen verfasst hat. Auch an die Wunschkraft von Sternschnuppen glaubt er nicht.

Der jährlich wiederkehrende Sternschnuppenschwarm der Perseiden ist ein Höhepunkt des astronomischen Jahres. Diesmal jedoch werden wohl deutlich weniger Augustmeteore am nächtlichen Firmament zu sehen sein als in anderen Jahren: Wenn die Perseiden in der Nacht von Samstag auf Sonntag ihr Maximum erreichen, dürfte die Helligkeit des Mondes die Beobachtung empfindlich stören - außerdem könnten zahlreiche Wolken den Blick in den Himmel versperren. Der Glaube an Sternschnuppen ist dem Mediziner und Sachbuchautor Theodor Much, ebenso suspekt wie Esoterik und Homöopathie. Der langjährige Facharzt für Dermatologie ist Autor zahlreicher kritischer Bücher, in denen er sich um Aufklärung bemüht. 

Engelsprays in Apotheken  

"Es lohnt sich immer etwas zu wünschen, aber nicht unbedingt, wenn man Sternschnuppen erblickt", sagte Much, im Deutschlandradio Kultur. "Da gibt es schon bessere Möglichkeiten." Wir lebten zwar alle im angeblich aufgeklärten 20. Jahrhundert, doch in Wirklichkeit sei die Welt voller Aberglauben, Vorurteilen und Esoterik. "Egal eigentlich im Prinzip, wo man hinschaut, ob in Apotheken, wo man Engelsprays verkauft oder Bachblüten, Homöopathie, Schüßlersalze  und in diversen Läden, wo man Edelsteine verkauft, in Buchhandlungen, wo es Hunderte von Büchern zu esoterischer Literatur gibt."  Auch in TV-Sendungen würden Wunderheiler unkritisch präsentiert. "Die Welt ist eigentlich voll mit Esoterik."

Das Geschäft mit der Gutgläubigkeit

Umfragen zeigten, dass 42 Prozent der Befragten in Deutschland an vierblättrige Kleeblätter glaubten und 36 bis 40 Prozent an Sternschnuppen.  "Aberglaube und Vorurteile werden von Generation zu Generation weiter gegeben werden", sagte Much zu den Gründen für dieses Phänomen. Dann gebe es ein Wunschdenken, von dem selbst Ärzte nicht gefeit seien. Die Wissenschaft halte häufig unbequeme Wahrheiten bereit, die Menschen nicht gut ertragen könnten. Außerdem gebe es eine tief verwurzelte Sehnsucht nach etwas Überirdischen und eine weit verbreitete Gutgläubigkeit. Aber die Esoterik-Industrie profitiere auch von geschicktem Marketing und PR. Es handele sich um ein "Riesengeschäft".   

Mehr zum Thema

Sternschnuppen - Leuchtender Staub am Himmel
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 11.08.2016)

Nacht der Sternschnuppen - Wie ein Wunsch das Leben verändern kann
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 13.08.2015)

Sternschnuppen im Havelland - Wünsch Dir was!
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 13.08.2015)

Interview

Royale Hochzeit - Meghan und Harry"Liebe besiegt alles"
Der britische Prinz Harry und die ehemalige US-Schauspielerin Meghan Markle stehen bei ihrer Hochzeit in der Kapelle von Windsor Castle. (dpa-Bildfunk / AP / Dominic Lipinski)

Die Berliner Historikerin Monika Wienfort erwartet von der Hochzeit von Meghan und Harry einige zeitgeistige Akzente. Das britische Königshaus habe sich an die heutige Zeit glänzend angepasst. Auch dass Schauspielerinnen und Fitnesstrainer einheiraten, sei kein Problem mehr.Mehr

Roboter CIMONKünstliche Intelligenz im All
(DLR/T.Bourry/ESA)

Wenn Alexander Gerst im Juni ins All fliegt, nimmt er einen Roboter mit. CIMON soll den deutschen Astronauten und sein Team mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Missionsleiter Volker Schmid ist schon gespannt, wie dieser Testlauf klappt. Mehr

Ebola-Ausbruch im KongoWettlauf gegen das Virus
Ein Mann geht in Liberias Hauptstadt Monrovia an einer roten Wandmalerei vorbei, die vor dem Ebola-Virus warnt (picture alliance / dpa / Ahmed Jallanzo)

Im Kongo gibt es einen ersten bestätigten Ebola-Fall in einer Millionenstadt, hunderte Helfer sind bereits dorthin entsandt. Wird es gelingen, den Ausbruch schnell einzudämmen? Der Arzt Maximilian Gertler war 2014 in Westafrika dabei und weiß, was nun passiert.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur