Seit 11:35 Uhr Klassik
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 11:35 Uhr Klassik
 
 

Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.11.2009

"so nah - so fern"

Neue Musik aus der DDR zum Jahrestag des Mauerfalls

Gewandhaus in Leipzig (AP Archiv)
Gewandhaus in Leipzig (AP Archiv)

Der 20. Jahrestag des Mauerfalls ist im Programm von Deutschlandradio Kultur auch musikalisch präsent. Wir senden ein Konzert des Ensembles Avantgarde aus Leipzig, das hintergründig und doppelbödig an die Neue Musik in der DDR erinnert. Sie zähle zum "besseren Vermächtnis" der DDR, so sagte einmal Frank Schneider, einer der besten Kenner der DDR-Avantgarde und langjähriger Intendant des Konzerthauses Berlin.

"So nah – so fern" war das Motto des Konzerts am 14. Oktober 2009 im Gewandhaus zu Leipzig – eine Anspielung an ein Ensemblestück von Friedrich Goldmann, das "So fern – so nah" überschrieben war. Auf dem Programm stehen Werke von Reiner Bredemeyer, Friedrich Goldmann, Georg Katzer und Friedrich Schenker. Es sind vier Komponisten jener Generation, die in den 60er Jahren als "Junge Wilde" gegen das ästhetische Diktat der SED aufbegehrten, die schließlich nach vielen Widerständen in den 80er Jahren zu auch im Westen sehr geschätzten Vertretern der Neuen Musik in der DDR avancierten und die nach einer kurzen gesamtdeutschen Konjunktur ab Mitte der 90er Jahre zusehends in den Hintergrund gerieten.

Die meisten Stücke des Konzerts wurden für die "gruppe neue musik hanns eisler" geschrieben, die fast ein Vierteljahrhundert lang unerschrocken gerade die unangepasste Neue Musik beförderten. Dabei spielte nicht selten auch Ironie eine große Rolle. Der Musikwissenschaftler und Dramaturg Gerhard Müller drückt es so aus: "Das bedeutete Tabubruch, Vermischung von Hoch- und Trivialkultur, Maskenspiel. Es ging nicht um Operettenfröhlichkeit, sondern um eine extravagante Sichtweise, die als Lüge zeigt, was als Wahrheit gilt, das Stürzende, bevor es stürzt, das Kommende, bevor es erscheint. Es war das ‚Nein’ des Künstlers zu den vorgefundenen Zuständen."

Das Ensemble Avantgarde unter der Leitung des Pianisten und Komponisten Steffen Schleiermacher ist in mancher Hinsicht ein legitimer Erbe dieses Ensembles. Und so wird denn auch Steffen Schleiermacher zu Gast im Studio sein, um über das Konzert und seine Erinnerungen an die Neue Musik in der DDR (und danach) sprechen.



Gewandhaus Leipzig, Mendelssohn-Saal
Aufzeichnung vom 14.10.2009

"so nah - so fern: DDR"

Friedrich Goldmann
"vorherrschend gegensätzlich"
Quintett (variabel) mit Randglossen für 8 Spieler (1980)

Georg Katzer
"Dialog imaginaire I" für Flöte und Tonband (1982)

Reiner Bredemeyer
"Die Warstein-Sonate" für Klavier (1994)

Friedrich Schenker
"Foglio II" für Quintett (1982)

Friedrich Schenker
"Hörstück mit Flöten" für Flöte und Tonband

Georg Katzer
Ballade für Klarinette und Schlagzeug (1982)

Friedrich Goldmann
Vier Klavierstücke (1973)

Reiner Bredemeyer
"Oktett 81" (1981)


Ensemble Avantgarde:
Ralf Mielke, Flöte
Matthias Kreher, Klarinette
Stefan Stopora, Schlagzeug
Josef Christof, Klavier
Leitung und Klavier: Steffen Schleiermacher

Konzert

Kunstfest WeimarZweimal Prokofjew: Großvater und Enkel
Undatierte Aufnahme des russischen Komponisten und Pianisten Sergej Prokofjew. Er wurde am 27. April 1891 in Sonzowka geboren und ist am 5. März 1953 in Moskau gestorben. (picture-alliance / dpa / Röhnert)

Es war eine Art grandioser Sackgasse, in die Sergej Prokofjew wenige Jahre nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion hineinlief: erst fand seine gewaltige Revolutionskantate keine Gnade vor Stalin – und nach der späteren "Tauwetter"-Politik wollte sie erst recht keiner mehr hören.Mehr

Musikfest BerlinMonteverdi im Fokus
Bernardo Strozzi Claudio Monteverdi, um 1630 Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Kunstgeschichtliche Sammlungen, Inv.Nr. Gem 503 Copyright: Tiroler Landesmuseen   honorarfrei im Rahmen der aktuellen Berichterstattung bei Angabe des Fotonachweises (Tiroler Landesmuseeun) zur Verfügung. (©Tiroler Landesmuseen )

Claudio Monteverdi, vor 450 Jahren geboren, hat vor allem der menschlichen Stimme völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten erschlossen und steht damit am Beginn der modernen Musikentwicklung. An diesem Abend wird er von vielen Seiten beleuchtet.Mehr

Raritäten der KlaviermusikReizvolle Seitensteige
Undatierte Aufnahme der französischen Chansonsängerin Edith Piaf (1915-1963) (dpa / picture alliance)

Es dürften zehntausende Stunden sein, die seit der Entwicklung der Tasteninstrumente für Klavier komponiert worden sind – aber das wenigste davon ist ständig im Repertoire. Beim Sommerfestival in Husum hält man es aus Prinzip anders.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur