Seit 18:30 Uhr Weltzeit
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 18:30 Uhr Weltzeit
 
 

Aktuell / Archiv | Beitrag vom 19.06.2017

Salman Rushdie zum 70.Mit Märchen für die Meinungsfreiheit

Von Ulrike Köppchen

Der britische Autor Salman Rushdie (picture alliance / dpa / Foto: Helmut Fohringer)
Der Schrifsteller Salman Rushdie (picture alliance / dpa / Foto: Helmut Fohringer)

Sein islamkritisches Buch "Die satanischen Verse" machte Salman Rushdie berühmt und gleichzeitig zum meistgehassten Autor der Welt. Islamisten trachteten ihm nach dem Leben, seine Bücher wurden auf offener Straße verbrannt. Heute wird Rushdie 70 Jahre alt.

Wäre es nach dem iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini gegangen, hätte Salman Rushdie den heutigen Tag nicht erlebt: Am 14. Februar 1989 verhängte Khomeini eine Fatwa gegen den britisch-indischen Autor, der inzwischen die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Weil dessen 1988 erschienenes religionskritisches Buch "Die satanischen Verse" in den Augen der Ayatollahs "gegen den Islam, den Propheten und den Koran" gerichtet sei, setzten sie ein Kopfgeld von mehreren Millionen Dollar auf Rushdie aus.

Geboren wurde Rushdie 1947 als Sohn eines muslimischen Geschäftsmannes im indischen Bombay. Mit 14 wurde er nach England in ein englisches Elite-Internat geschickt. Danach studierte er in Cambridge Geschichte und arbeitete als Journalist und Werbetexter. Sein Aufwachsen in einer muslimischen Familie in Bombay schilderte Rushdie 2011 in einem Videogespräch mit seinem ebenfalls aus Bombay stammenden Schriftstellerkollegen Suketu Mehta:

Seinen Durchbruch als Schriftsteller erzielte Rushdie 1981 mit dem Roman "Mitternachtskinder", der 2013 auch verfilmt wurde. Sein größter Erfolg jedoch wurde - nicht zuletzt infolge der gegen ihn verhängten Fatwa - "Die satanischen Verse": ein Weltbestseller, der in 40 Sprachen übersetzt wurde und sich mehr als 25 Millionen Mal verkaufte.

Mehrere muslimische Demonstranten halten Plakate hoch, auf denen das Buch "Satanische Verse" verurteilt wird. (picture alliance / dpa / Photoreporters)Rushdies Buch "Die satanischen Verse" hatte Ende der 80er Jahre vor allem unter Muslimen Proteste gegen den Autoren ausgelöst, wie hier im Februar 1989 in New York. (picture alliance / dpa / Photoreporters)

Den Autor zwang das Todesurteil allerdings dazu, jahrelang  im Untergrund zu leben: immer umgeben von Leibwächtern, immer auf der Flucht, immer wieder andere Wohnungen. Auch seinen Namen änderte er: Aus Salman Rushdie wurde "Joseph Anton" – eine Reminiszenz an Rushdies Lieblingsschriftsteller Joseph Conrad und Anton Tschechow. Unter dem Titel "Joseph Anton" erschien 2012 auch seine Autobiografie, die die neun Jahre seines Lebens im Untergrund beschreibt.

Mit Märchen die Welt erzählen

Erst als die Fatwa gegen ihn 1998 formal für beendet erklärt wurde, wurde aus Joseph Anton wieder Salman Rushdie. 1999 siedelte er in die USA über und lebt und schreibt seitdem überwiegend in New York.

Auch in seinen neueren Romanen wie "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" (2015) verwendet Rushdie die für ihn typische Technik des "magischen Realismus": die Verbindung von Schilderungen des realen Lebens mit märchenhaften und fantastischen Elementen.

"Ich war immer der Ansicht, dass Geschichte und Märchen zwei Arten sind, die Geschichte der Menschheit zu erzählen", so Rushdie 2015 im Gespräch mit DLF-Literaturkritiker Denis Scheck. 

Salman Rushdie und Denis Scheck spielen während eines Interviews Tischtennis. (Thomas Morgott-Carqueville)Salman Rushdie und Denis Scheck spielen während eines Interviews Tischtennis. (Thomas Morgott-Carqueville)

(Das beim Tischtennis geführte Interview gibt es hier zum Nachlesen). Auch im Gespräch mit dem Sender France 24 äußerte sich Rushdie zu "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte":

Rushdies neuer Roman "The Golden House" erscheint im September. Darin beleuchtet der Autor anhand der Geschichte eines jungen Filmemachers die letzten acht Jahre US-amerikanischer Politik: von Obama bis Donald Trump. Es solle der ultimative Roman über Identität, Wahrheit, Terror und Lügen werden, verspricht er.

Politisches Lebensthema: Meinungsfreiheit

Auch politisch engagiert sich Rushdie für Meinungsfreiheit und gegen Zensur: Derzeit führt er gemeinsam mit der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood eine PEN-Kampagne gegen die Vertreibung von Schriftstellern an.


Hören Sie zum Thema auch den Beitrag  "Magischer Realismus - Salman Rushdie feiert 70. Geburtstag" von Kai Clement aus unserer Sendung "Studio 9":
Mehr zum Thema

PEN America World Voices Festival - Mit Literatur gegen Hass und Ausgrenzung
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 06.05.2017)

Terrorangst in Frankreich - Salman Rushdie: "Ich packe die Angst in eine Schachtel"
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 11.09.2016)

Kommentar zur Frankfurter Buchmesse - Inseln der Glückseligkeit
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 18.10.2015)

Studio 9

StudieKatholische Priester als Stasi-IM
Nahaufnahme betender Hände eines katholischen Priesters während einer Messe (picture alliance / dpa / Andreas Keuchel)

Dass die evangelische Kirche mit der Stasi kollaboriert hat, ist bereits bekannt. Nun zeigt eine Studie, dass auch katholische Priester mit dem einst übermächtigen Geheimdienst zusammengearbeitet haben. Die Gründe dafür waren vielfältig.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur