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Buchkritik | Beitrag vom 29.08.2017

Robin Hobb: "Die Gabe der Könige"Prinzensohn wird Meuchelmörder

Von Elena Gorgis

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Cover von "Die Gabe der Könige", im Hintergrund: Schwerter in einem Fachgeschäft für Fantasy-Bedarf. (Imago/epd/ Penhaligon Verlag)
Cover von "Die Gabe der Könige", im Hintergrund: Schwerter in einem Fachgeschäft für Fantasy-Bedarf. (Imago/epd/ Penhaligon Verlag)

Sie ist eine erfolgreiche Fantasy-Autorin: Robin Hobbs Romane sind Bestseller auf der ganzen Welt - nur in Deutschland ist sie ein Geheimtipp. Jetzt liegt mit "Die Gabe der Könige" der erste Teil ihrer Reihe "Die Chronik der Weitseher" wieder auf Deutsch vor.

Fantasy Bücher haben großes Sucht-Potential, die Fans des amerikanischen Autors George R.R. Martin zum Beispiel leiden seit Jahren, weil er einfach nicht mit seinem "Lied von Eis und Feuer" fertig wird. Seine US-amerikanische Kollegin Robin Hobb ist da schon effizienter: in diesem Sommer hat sie ihre große Fantasy-Saga nach 20 Jahren abgeschlossen.

Die Lebensgeschichte des Prinzensohns und Bastards Fitz Chivalric, der zum Meuchelmörder und Strippenzieher des Königs wird, haben Robin Hobb in der englischsprachigen Welt berühmt gemacht, ihre Bücher wurden millionenfach verkauft. Und das, obwohl ihre Leser einen langen Atem brauchen: Neun Bände umfasst diese Geschichte, 16 Bände der gesamte Weltenentwurf.

Wie können fiktive Mittelalterstoffe dermaßen fesseln, dass Leser 16 Bände lang bei der Stange bleiben? Dies werden sich all jene fragen, die mit Fantasy nichts anfangen können.

Meisterin des fantastischen Plots

Die Antwort: Damit eine Geschichte wahrhaftig ist, muss sie nicht real sein. "Wenn man Fantasy schreibt, sollte man den Grenzwert des Unwahrscheinlichen möglichst gering halten", hat Robin Hobb (ein Pseudonym, eigentlich heißt sie Margaret Astrid Lindholm Ogden) ihr Rezept einmal beschrieben. "Wenn alle Fakten über Pferde korrekt sind, werden Dir Deine Leser auch vertrauen, dass Du Ahnung von Drachen hast, sobald Du sie in die Geschichte einführst."

Natürlich ist Robin Hobb eine Meisterin des fantastischen Plots. Die Abenteuer ihres Fitz‘, der mit diversen magischen Gaben ausgestattet ist, einer Hof-Intrige nach der anderen ausweichen muss und die Geschicke des Reiches im Verborgenen entscheidend beeinflusst, sind so spannend, dass man die Bücher irgendwann einfach nicht mehr weglegen kann. Was als kleine, unbedeutend daherkommende Mittelaltergeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer Saga von epischer Wucht. Aber nicht nur die Handlung, ist es, die fesselt, es ist vor allem die tiefe Emotionalität der Charaktere, die den Leser berührt.

Sie wird deutsche Leser überzeugen

Das Lebensthema von Fitz zum Beispiel ist die Einsamkeit, die ihn als uneheliches Kind und Waise niemals verlässt. Es ist diese Wahrhaftigkeit von Robin Hobbs Geschichten, die sie zu Klassikern der Fantasy-Literatur gemacht haben. In Deutschland ist die Autorin bisher ein Geheimtipp geblieben. Der eher kleine Fantasy-Verlag Penhaligon, der zu Randomhouse gehört und, der auch die deutschen Übersetzungen von George R.R. Martin herausgibt, hat sich nun die Rechte an Robin Hobb gesichert und legt ihre Fitz-Chroniken neu auf.

Am Ende sollen auch die bisher nicht übersetzten, letzten Bände erscheinen. Der Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die herausragenden Fantasy-Stoffe zu finden und zu pflegen und auch solche Leser zu begeistern, die zum ersten Mal ein Fantasy-Buch in die Hand nehmen. Hier scheint Robin Hobb gut aufgehoben und wird bestimmt endlich auch ihre deutschen Leser finden.

Robin Hobb: Die Gabe der Könige (Die Chronik der Weitseher 1)
Penhaligon, München 2017
608 Seiten, 15 Euro

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