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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.01.2017

Rituale in Zeiten der Einwanderung"Mit dem Fremden umgehen können"

Christoph Wulf im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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Der syrische Flüchtling Obayda Daoud (l) sitzt am 20.03.2015 in einem Büro der Nassauischen Wohnungsgesellschaft in Offenbach am Main (Hessen) neben Flüchtlingspatin Friedegard Enders und füllt zusammen mit ihr Formulare für den Erhalt einer Wohnung aus. (dpa / picture-alliance / Christoph Schmidt)
Sich gegenüber dem Fremden öffnen: Beim gemeinsamen Lernen kann das nach Meinung Christoph Wulfs auch gelingen. (dpa / picture-alliance / Christoph Schmidt)

Zugewanderte fühlen sich fremd, Einheimische fremdeln mit Zugewanderten: Über Rituale kann es gelingen, sich Menschen anderer Kulturen gegenüber zu öffnen, meint der Anthropologe Christoph Wulf. Wichtig sei dabei, etwas gemeinsam zu entwickeln.

Früher hätten Rituale sehr stark dazu gedient, Menschen auszuschließen, sagt Christoph Wulf. Das habe sich "ein Stück weit" geändert. Zwar gebe es noch immer die Erfahrung, dass unterschiedliche Ritualvorstellungen und kulturelle Rituale aufeinanderprallten: "Aber die Idee ist ja die, dass man gemeinsame Rituale schafft, auch um Menschen zu beheimaten." So kochten einheimische Ehrenamtliche regelmäßig mit Flüchtlingen zusammen - oder Migranten würden Deutsche zu ihren Festen einladen.

Zuwanderer öffnen für das, was man gemeinsam hat

Bei regligiösen Ritualen allerdings gebe es oft die "Erfahrung des Fremden", räumt der Anthropologe ein. "Aber das sind die Erfahrungen der globalisierten Welt - wir müssen mit dem Fremden umgehen können." Die Europäer hätten viele Strategien entwickelt, um Andersartigkeit nicht wahrzunehmen, zum Beispiel "unsere Form von Indivudualismus, unsere Form von Rationalität". Das seien hohe Güter Europas. In anderen Kulturen sei das aber anders entwickelt:

"Wenn man das an uns misst, dann gibt es eben Missverhältnisse. Hier geht es darum, über Rituale ja auch Menschen zu öffnen gegenüber unserer Kultur, aber natürlich auch die Zuwanderer zu öffnen für das, was jetzt neu ist, was man hier erleben kann und was man gemeinsam hat."

    

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