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Kompressor | Beitrag vom 28.02.2017

Rechte Gewalt gegen Buchhändler"Man hat mich ausgespäht"

Heinz Ostermann im Gespräch mit Timo Grampes

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Der Neuköllner Buchhändler Heinz Ostermann (Foto: privat)
Der Buchhändler Heinz Ostermann gehört zur Initiative "Neuköllnewr Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus". (Foto: privat)

Erst flogen Pflastersteine ins Schaufenster, dann brannte sein Auto: Der Buchhändler Heinz Ostermann aus Berlin-Neukölln ist Opfer mutmaßlich rechtsextremer Gewalt. Ein Zusammenhang ist für ihn klar - er gehört einer Initiative gegen Rechtspopulismus an.

Die Berliner Senatswahl im vergangenen September gab den "entscheidenden Impuls", wie Ostermann sagt: Die AfD holte rund 14 Prozent. "Das hat nicht nur mich konsterniert, sondern auch andere Menschen", erklärt er. Daraufhin schlossen sich zwölf Buchläden zusammen zu der Initiative "Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus". Schnell habe man vier Veranstaltungen konzipiert, die alle die AfD zum Thema hatten.

Zehn Tage nach einem dieser Abende seien Pflastersteine in die Fensterscheibe seines Ladens geflogen - ein "erster Schock". Einen Monat später habe sein Auto gebrannt: 

"Man hat mich offensichtlich ausgespäht, man ist hinter mir hergefahren und hat geschaut, wo ich wohne und dann irgendwann entschieden: Heute Nacht wird das Auto brennen."

Er sei freilich nicht der einzige Betroffene gewesen, auch andere seien Opfer ähnlicher Anschläge geworden. Die Polizei - die zunächst von Sachbeschädigung gesprochen habe - gehe mittlerweile "aufgrund der Häufung" von einem rechtsextremen Hintergrund aus. 

Die durch einen Anschlag zerstörte Schaufensterscheibe des Buchladens Leporello in Berlin-Neukölln. (Heinz J. Ostermann / Buchhandlung Leporello)Die durch einen Anschlag zerstörte Schaufensterscheibe des Buchladens Leporello in Berlin-Neukölln. (Heinz J. Ostermann / Buchhandlung Leporello)

Schon nach dem Steinwurf ging Ostermann in die Öffentlichkeit:

"Ich wollte das auf keinen Fall für mich im stillen Kämmerlein bewältigen."

Er habe dann viel Solidarität erfahren - von seinen Kunden, aber auch vonseiten der Verlage. Ostermann will sich von den Tätern nicht einschüchtern lassen: 

"Ich hoffe natürlich, dass jetzt Schluss ist und es nicht weitergeht, aber man weiß ja nicht, wie diese Menschen ticken, ob da noch mehr geschieht."

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