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Mittwoch, 22.11.2017

Interview | Beitrag vom 24.08.2017

Politikwissenschaftler: Weniger ziviler Ungehorsam"Sie haben Angst"

Peter Grottian im Gespräch mit Ute Welty

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Peter Grottian bei einer Pressekonferenz im Januar 2017 (imago/Rainer Zensen)
Der Politikwissenschaftler Peter Grottian (imago/Rainer Zensen)

Stress mit der Polizei? Lieber nicht! Immer mehr Menschen scheuen sich davor, sich staatlichen Entscheidungen mit gewaltfreien Methoden zu widersetzen, beklagt der Politikwissenschaftler Peter Grottian: "Die Leute haben die Hosen voll."

Am Donnerstag werden im rheinischen Braunkohlenrevier tausende Umweltaktivisten erwartet. Mit Sitzblockaden, Besetzungen und anderen Formen des gewaltfreien Widerstand wollen sie auf die Gefahren der Kohle für das Klima hinweisen. Eine wichtige Form des Protests - auch wenn er Auseinandersetzungen mit der Polizei bedeutet, findet Peter Grottian, Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin.

Ziviler Ungehorsam gehöre wie das Salz in die Suppe zur Demokratie, so Grottian im Deutschlandfunk Kultur. Es gebe zahlreiche Beispiele wo so ein Vorgehen gefruchtet habe, etwa bei der Verhinderung des Atomkraftwerks in Wedel oder der Verhinderung der Endlagerung von Atommüll in Gorleben. Solche Fälle zeigten, "dass durch zivilen Ungehorsam ein gesellschaftlicher Nachdenk- und auch Umdenkprozess" angestoßen werden könne.

Atomkraftgegner im zivilen Ungehorsam. Die Bereitschaft, sich an solchen Aktionen zu beteiligen, nehme ab, sagt der Politikwissenschaftler Peter Grottian. (picture alliance / dpa / Foto: Philipp Schulze)Atomkraftgegner im zivilen Ungehorsam. Die Bereitschaft, sich an solchen Aktionen zu beteiligen, nehme ab, sagt der Politikwissenschaftler Peter Grottian. (picture alliance / dpa / Foto: Philipp Schulze)

Die jüngere Generation scheut den Protest

Leider gebe es aber auch viele Negativbeispiele, so Grottian. Eines davon sei der Protest gegen Stuttgart 21, wo viele angekündigt hätten Widerstand zu leisten, sich am Ende aber zu wenige beteiligt hätten. "Da waren nur 400 Leute da, von denen verließen dann 300 auch bei der ersten Aufforderung der Polizei den Platz. Das ist eben kein ziviler Ungehorsam. Da hat man dann die Hosen voll und man geht."

Vor allem die jüngere Generation scheue die Mittel des zivilen Ungehorsams, beklagt der Politikwissenschaftler. Die jungen Leute empfänden solche Protestformen als zu gefährlich und sähen darin kein ordentliches Mittel der Demokratie. "Das ist ein dramatischer Verlauf, den ich auch bei meinen Studentinnen und Studenten sehe - dass sie Angst haben."

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