Seit 21:33 Uhr Musikfeuilleton
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 21:33 Uhr Musikfeuilleton
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 31.05.2014

Pierre Soulages"Jetzt kommt das andere Schwarz"

Museumseröffnung im Südwesten Frankreichs

Von Dorothea Breit

Podcast abonnieren
Der Künstler Pierre Soulages posiert vor seinen Werken im neuen Museum in Rodez. (picture alliance / dpa / epa / Guillaume Horcajuelo)
Der Künstler Pierre Soulages posiert vor seinen Werken im neuen Museum in Rodez. (picture alliance / dpa / epa / Guillaume Horcajuelo)

Der französische Künstler Pierre Soulages zählt zu den einflussreichsten abstrakten Malern des 20. Jahrhunderts. Seine minimalistisch-gestischen Gemälde in der Farbe Schwarz werden nun auch im neuen Museum Pierre Soulages gezeigt.

Kaum 300 Meter von der Kathedrale in der Altstadt entfernt liegt das neue Museum Pierre Soulages inmitten blühender Wiesen eines öffentlichen Parks. Das katalanische Architektenbüro RCR hat den Bau entworfen: Fünf verschieden große, rechteckige, fensterlose Blöcke aus rost-rotem Corten-Stahl, verbunden durch einen langen Querbalken mit Fensterfront. Über den zweiten Block, den lichtdurchfluteten Eingang in das Museum, ragt ein massives Vordach in den Park hinein.

Drinnen bedecken dunkel-graue Stahlplatten die Böden und die Wände. Die Ausstellungsräume liegen eine Etage tiefer, denn das Museum ist beeindruckend kühn und stimmig an einen Hang gebaut. Geschlossene dunkle und offene helle Säle wechseln einander ab.

"Das Museum wurde für die Schenkung meiner Sammlung und die Leihgaben gebaut. Es dient den Werken. Die Arbeiten auf Papier sind sehr lichtempfindlich, deshalb ist ein Bereich in relativ schwachem Licht gehalten. Die Werke hängen wunderbar, ich habe keine Einwände. Natürlich kann man es auch anders machen, aber das bleibt zukünftigen Ausstellungen vorbehalten."

Ein lebendiges, offenes Museum

Pierre Soulages wünscht sich ein lebendiges, offenes Museum, das auch Werke anderer Künstler zeigt. Der 94-jährige, fast zwei Meter große Maler beantwortet im Sitzen geduldig die Fragen der Journalisten. Und ja, selbstverständlich -

"Ich bin sehr glücklich! Das Museum trägt jetzt meinen Namen – in Rodez, meiner Geburtsstadt. Aber ich wurde zweimal geboren, einmal in Rodez, und ein zweites Mal in der Malerei, und die ist weniger ortsgebunden."

Die Sammlung, die Pierre Soulages vor knapp zehn Jahren seiner Geburtsstadt Rodez schenkte, gibt Einblick in die Genese seines Werks von den Landschaftsmalereien des Jugendlichen bis heute. Der Zweite Weltkrieg unterbrach sein Kunststudium, danach malte Soulages abstrakte, gestische Pinselschwünge mit bräunlich-schwarzem Walnussextrakt auf Papier.

Diese Arbeiten waren 1948 in der ersten Ausstellung junger französischer Maler in Deutschland zu sehen, danach in den USA. Später verdichtet er braune oder tintenblaue, gitterartig ineinander verflochtene Pinselschwünge zu schwarzen Konglomeraten, hier und dort blitzt weiße Leinwand durch. Zur Museumseröffnung sind im Saal der Wechselausstellungen in schummrigem Licht Gemälde aus dem Werkzyklus "Outrenoir", über das Schwarz hinaus, zu sehen.

"Nicht mehr die Farbe, sondern die Reflexion des Lichts"

"Die Farbe Schwarz war schon als Kind bei mir. Die gesamte Geschichte der Malerei betrachtet Schwarz als eine Farbe des Lichts, aber im Kontrast. 1979 sagte ich mir dann: Jetzt kommt das andere Schwarz, nicht mehr die Farbe, sondern die Reflexion des Lichts auf dem Schwarz. Diese Gemälde waren in Paris erstmals zu sehen unter dem Titel 'Schwarz und Licht', aber das missfiel mir, weil ich es für eine Beschränkung der Malerei auf die Optik hielt. Und so kreierte ich den Titel 'Outrenoir', um auf etwas anderes hinzuweisen als ein rein optisches Phänomen; etwas, das sich in unserem Inneren ereignet beim Be-trachten dieses Phänomens."

Die plastische Struktur der schwarzen Farbpaste moduliert und rhythmisiert das Licht, das auf das Gemälde fällt. Der Maler trägt die Farbe mit breiten Pinseln und Rakeln in vertikalen, diagonalen oder horizontalen Bahnen auf die Leinwand auf. Glatte schwarze Farbbänder wechseln ab mit wulstigen Pinselstrichen, glänzende Streifen mit matten.

Einen zweiten Höhepunkt im Gesamtwerk bilden die Fenster, die Soulages Ende der 1980er-Jahre für die abgelegene romanische Klosterkirche der Heiligen Fides in Conques schuf.

"Die Fenster dienen dem Licht, das verlangte die Architektur der Klosterkirche von mir. Dieses höchste Kirchenschiff der Romanik ist einzigartig und faszinierte mich schon als Kind. Ich beschloss, die Architektur zu respektieren, ihr nichts hinzuzufügen, sondern sie sichtbar zu machen."

Die Entwürfe dazu sind im Museum zu sehen. Soulages schuf milchig weiße, von schwarzen Bleibändern längs, quer oder diagonal strukturierte Fenster. Sie färben sich je nach Tageslicht in den Farben des Mauerwerks der Klosterkirche, die im 11. Jahr-hundert aus rosa Sandstein, grauem Kalkstein und graublauem Schiefer gebaut wurde. Das ist einzigartig anzuschauen in Conques und jetzt auch Museum Pierre Soulages in Rodez.

 

Mehr zum Thema:

01.10.2010 | FAZIT | ARCHIV
Die dunkle Seite der Kunst
Retrospektive von Werken des "Schwarzmalers" Pierre Soulages in Berlin

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDer ewige Dandy
Als gewohnt erfolgreicher Verführer agiert Roger Moore als Agent 007 in einer Szene mit Maud Adams in dem James Bond-Film "Octopussy" (1983).  (picture alliance / dpa / Goldschmidt)

Mit Roger Moore sei "vielleicht der wahre Bond" gestorben, mutmaßt die "TAZ". Die "SZ" trauert um "den ewigen Dandy" und die "Welt" erfindet gar ein neues, wenn auch arg verunglücktes Wort für den britischen Schauspieler: "Gentlemensch".Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Ausstellung "How to live together" in Wien"Es geht um Empathie"
Ausschnitt aus dem Bild von Paul Graham, Beyond Caring, 1984/85 (Paul Graham, Courtesy Anthony Reynolds Gallery, London)

Um die Frage, wie wir zusammenleben können, dreht sich eine Ausstellung mit dem sprechenden Titel "How to live together" in der Kunsthalle Wien. Kurator Nicolaus Schafhausen über Gesellschaftsporträts von August Sander und Abbilder der Upperclass von US-Fotografien Tina Barney.Mehr

Zensurvorwürfe in PolenPopfestival wird zum Politikum
Polens bekannteste Sängerin Maryla Rodowicz bei einem Konzert in Danzig im April 2016. (Imago)

Wer etwas auf sich hält in der polnischen Pop- und Rockmusik, der spielt beim Festival in Oppeln. Doch das wird dieses Jahr ausfallen, denn viele Künstler haben abgesagt: Der staatliche Sender TVP habe Bands zensiert, so der Vorwurf.Mehr

Neu im Kino: "Berlin Syndrome“Der Psychopath von Kreuzberg
Der Schauspieler Max Riemelt: Hier bei der Vorstellung des Films "Berlin Syndrome" von Cate Shortland, in dem er die Hauptrolle spielt (picture alliance / Gregor Fischer/dpa)

Eine australische Rucksacktouristin wacht am Morgen in der Wohnung ihrer Verführers auf. Sie wird seine Gefangene. Den Film "Berlin Syndrome" kommt mit imponierendem Nervenkitzel daher. Getragen wir er von dem 33-jährigen Max Riemelt als psychopathischem Biedermann-Bubi. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur