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Frühkritik | Beitrag vom 17.02.2017

Paul Mendelson: "Die Straße ins Dunkel"Südafrikas Realpolitik ist voller Fallstricke

Von Thomas Wörtche

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Buchcover "Die Straße ins Dunkel" und Straßenszene in Johannesburg (Rowohlt Verlag / dpa / picture alliance / Kim Ludbrook)
Buchcover "Die Straße ins Dunkel" und Straßenszene in Johannesburg (Rowohlt Verlag / dpa / picture alliance / Kim Ludbrook)

Der Roman "Die Straße ins Dunkel" von Paul Mendelson steht auf der Krimibestenliste von Deutschlandradio Kultur und FAS für den Monat Februar. Mendelson treibt die neue Unübersichtlichkeit in Südafrika gekonnt auf die Spitze, lobt unser Kritiker Thomas Wörtche.

Paul Mendelson hat, obwohl Brite und zwischen London und Südafrika pendelnd, in seinen Romanen um Colonel Vaughn de Vries und Warrant Officer Don February, die kritische Tradition des südafrikanischen Kriminalromans fortgeschrieben.

In "Die Straße ins Dunkel" (der zweite Band der Serie) geht es um eine Mordserie an Ex-Polizisten, die mit de Vries Vergangenheit in der Apartheids-Polizei zu tun haben, und den aktuellen Mord an einer weißen Industriellen-Erbin, die eine Kooperation mit einem schwarzen Oppositionspolitiker einzugehen droht. Die beiden Hauptfiguren symbolisieren zwei skeptische Blicke auf das "neue" Südafrika: Der Colonel ist weiß, ist ein knorriger Rassist, Sturkopf, Säufer, sozial leicht debil, jedoch seinem Job gegenüber loyal. Der schwarze February mag seinen Chef nicht, aber auch ihm passt die Richtung nicht, in die sich das Land bewegt.

Kampf um Einfluss und Profit

Doch die Realpolitik ist voller Fallstricke, die Fronten sind bei weitem nicht mehr einfach. Zwar besteht der Schwarz-weiß-Antagonismus weiterhin, zwar ragt die Vergangenheit immer noch in die Gegenwart, aber Mendelson treibt die neue Unübersichtlichkeit auf die Spitze. Die Weißen sind so uneins untereinander wie die zumeist korrupt gewordenen Machthaber des ANC – die verschiedenen Fraktionierungen, die jeweils eine höhere Moralität behaupten, prügeln sich um Macht, Einfluss und Profit, die jeweils sehr pragmatischen Koalitionen kennen Hautfarben höchstens noch aus rhetorischen Gründen. Den notorischen "höchsten Kreisen", in die die Ermittlungen führen, sind die involvierten Menschen und ihre Schicksale allerdings höchst egal.

Mendelson verzahnt die beiden Handlungsstränge so geschickt, dass ihre jeweiligen Dilemmata scharf zu Tage treten. Bequeme Lösungen gibt es nirgends, die notwendigen "bösen Fragen", die wirklich wehtun, ergeben sich aus dem Versuch, der Gewalt und der Kriminalität letztendlich doch Grenzen zu ziehen. Die Frage, ob dies überhaupt noch gelingen kann, ist der Spannungsmotor dieses sehr gelungenen Romans.

Paul Mendelson: Die Straße ins Dunkel
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Rowohlt Polaris, Reinbek bei Hamburg 2017
395 Seiten, 16,99 Euro

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