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Tonart | Beitrag vom 13.04.2018

Patrick Ruffino: "Agoo"Afro-Beat aus Paris

Von Martina Zimmermann

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Mikrofon (imago/Photocase)
Mikrofon (imago/Photocase)

Patrick Ruffino wurde in den 70ern in Benin geboren, in der kosmopolitischen Hauptstadt Cotonou. Der Musiker hat zahlreiche Alben in Afrika veröffentlicht. Nun erscheint sein zweites europäisches Werk, auch in Deutschland.

"Agoo" lautet der Titel des neuen Albums von Patrick Ruffino:

"Agoo ist ein Ausdruck, der in Benin, Togo, Nigeria und auch in Ghana verwendet wird, aber vor allem auf dem Markt von Cotonou und auf allen Märkten Benins sagen die Frauen mit ihrer Ware auf dem Kopf: Agoo, lassen Sie mich durch! Das sagst du auch, wenn du an einem Haus anklopfst und hinein willst, im Sinne von: "Darf ich eintreten?". Ich habe diesen Titel gewählt, um mit meiner Musik in jedes Haus einzutreten, (in jeden Kopf)."

Musikalische Reise durch Afrika

Ruffino lädt ein zu einer musikalischen Reise durch Afrika. In seinen Songs stecken Sounds aus seinem Heimatland Benin, aber auch Klänge aus den Herkunftsländern seiner Familie: der Vater stammt aus Benin und Nigeria, die Mutter aus Burkina Faso, die Oma aus Ghana. Der in Cotonou aufgewachsene Künstler zählt zu den vielseitigen Einflüssen auch Jazz sowie Funk und Rock, letztere sind mit Gimmicks und Riffs im Stil der 70er-Jahre zu hören:

"Als ich fünf oder sechs war, hörten wir schon Louis Armstrong oder Duke Ellington oder Ella Fitzgerald, James Brown oder Fela Kuti, Aragon aus Kuba, die traditionelle Musik aus Benin. Meine Großmutter legte jeden Tag um 17 Uhr Musik aus Ghana auf, das war ihre Stunde. Mit meinen Eltern hörten wir morgens zum Aufstehen Musik, tanzten bevor wir in die Schule gingen. Mein Vater war Arzt, meine Mutter Lehrerin und bevor jeder zur Arbeit ging, herrschte zuhause wirklich eine tolle Stimmung."

Texte in mehreren afrikanischen Sprachen

Melodie und Groove lauten die musikalischen Prioritäten von Patrick Ruffino. Seine Texte in mehreren afrikanischen Sprachen handeln von Liebe und Enttäuschung und vom Glauben an eine bessere Zukunft. All das zusammen gibt seiner Musik eine starke persönliche Note.

"Ich komponiere viel, ich habe zum Glück auch ein Studio. Jeden Tag komponiere ich, nehme die Gitarre, füge den Bass hinzu und die Vocals, die Lead-Stimme, die Percussion, ein bisschen Schlagzeug... Oft kommen Freunde oder meine Musiker hinzu, auch meine Schwester, eine bekannte Sängerin. Ich bleibe in der Stimmung wie einst in Afrika: Man teilt die Ideen mit anderen, man spielt und der andere sagt, was er davon hält und ich bin offen für alle, das bereichert meine Musik."

Konzentration auf die Seele der Musik

Dennoch fokussiert sich Patrick Ruffino auf seinem neuen Album auf das Wesentliche. Der Sänger und Bassist arbeitet mit einem Trio. Anders als in Afrika, wo er auf seinen Konzerten mit Bläsern und Synthesizern, mit "vielen Menschen auf der Bühne" gespielt habe, erzählt Patrick.

Ruffino hat in vielen afrikanischen Ländern gelebt und auch in Dänemark, Schweden und Spanien, bevor er sich 1997 in Paris niederließ.

Spiritualität gebe der Musik eine Seele, meint Patrick Ruffino, der die Voodoo-Religion seines Landes als Kind kennenlernte. Die insgesamt zehn Titel auf "Agoo" ergeben ein vielseitiges Album mit einem sehr originellen und doch vertrauten Sound, zum Zuhören und zum Tanzen.

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