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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.02.2013

Neue Heimat für Jazz und Beats an der Elbe

Der Mojo Club zieht zurück an seine frühere Adresse

Von Oliver Schwesig

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Jazz zum Tanzen gibt es im Mojo.  (Stock.XCHNG/miriam lewis)
Jazz zum Tanzen gibt es im Mojo. (Stock.XCHNG/miriam lewis)

Der Mojo Club in Hamburg ist zurück an alter Stelle: Der legendäre Jazz-Club öffnet seine Pforten wieder am selben Ort, den er vor zehn Jahren verlassen musste. Und das Programm der kommenden Wochenenden klingt vielversprechend.

Jazz zum Tanzen – und zwar für Leute unter 30. So hat es angefangen in Hamburg 1989. Mojo – dieses Wort aus der afroamerikanischen Kultur, das stand an der Reeperbahn für dicke Grooves, akkurate Tanzschritte und gute Clubkleidung. Feuilletonisten-Jazz für Nachdenker – das war gestern. Im Mojo wurde geschwitzt.

Zwei Hamburger Jazzfans gründeten damals einen Laden, aus dem innerhalb weniger Jahre der wohl coolste Club Deutschlands wurde. Ein großer Raum mit pechschwarzen Wänden, wo sich alter Jazz auf dem Plattenteller drehte, aber auch der neueste Soul aus England und Hip-Hop aus Amerika.

In Hamburg wiederholte sich, was damals parallel in London geschah: Junge DJs befreiten sich von den Scheuklappen der Genres und legten alten Jazz auf, mischten ihn mit Hip-Hop, Funk und Soul. Was in England Acid Jazz hieß, nannten sie in Hamburg stolz Dancefloorjazz. Bald darauf gab es auch Bands, die in diesen Stilen – Acid Jazz und Dancefloor Jazz – neue Musik schrieben und Platten herausbrachten. Die Brand New Heavies, Jamiroquai oder Incognito etwa. Sie alle hatten Anfang der 90er auch ihre ersten Auftritte im Mojo Club.

Und plötzlich war auch ein eigenes Mojo-Publikum da: Die Jungs mit den Kinnbärten, mit Adidas Turnschuhen und grünen Trainingsjacken. Und aus Mojo wurde eine Marke: Clubreihen gab es, eine Radiosendung und sogar zwei Läden, die die passenden Textilien für den Tanzabend verkauften.

Deutschlandweit bekannt wurde der Mojo Club aber durch seine eigene CD Sampler Reihe. Eine Sammlung, die die alten Jazzklänge, die ja jetzt wieder cool waren, zu denen brachte, die nicht nach Hamburg konnten.

13 CDs – in Sachen seltenem Jazz und Funk eine Fundgrube und ein Lexikon zugleich. Von 60er Jahre Jazz bis zum Easy Listening und Bossa Nova ging es da, Musik von Art Blakey, Roy Ayers, aber auch von Sergio Mendes oder Peter Herbolzheimer. So wie sich im Laufe der 90er die Musik im Mojo Club veränderte, so fächerte sich auch das Spektrum auf den Mojo Samplern auf.

Vor zehn Jahren dann kam das Aus. Nicht weil der Mojo Club kein Publikum mehr hatte, sondern weil das Gebäude abgerissen werden sollte. Nun steht an der Reeperbahn 1 ein nagelneuer Büro- und Hotelkomplex, wo im Keller ab heute Abend der Mojo Club wieder offen steht.

Ein Blick auf die kommenden Wochenenden lässt Clubfans die Herzen höher schlagen: Die Soulmusiker Hannah Williams oder Ben Westbeech haben sich angekündigt. Und die Creme der Funk-DJs kommt auch vorbei: Mr Scruff oder Richard Dorfmeister versprechen schwitzige Nächte. Jazz und Beats haben an der Elbe im Mojo Club wieder eine feste Heimat gefunden.

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