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Frühkritik | Beitrag vom 09.02.2017

Neu im Kino: "Madame Christine"Wenn Arm und Reich plötzlich zusammenwohnen

Von Hans Ulrich Pönack

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Die Hausgemeinschaft im Fahrstuhl: Grégory Bretzel (Michel Vuillermoz), Christine Dubreuil (Karin Viard), Pierre Dubreuil (Didier Bourdon) und Béatrice Bretzel (Valérie Bonneton). (©SquareOne/Universum )
Die Hausgemeinschaft im Fahrstuhl: Grégory Bretzel (Michel Vuillermoz), Christine Dubreuil (Karin Viard), Pierre Dubreuil (Didier Bourdon) und Béatrice Bretzel (Valérie Bonneton). (©SquareOne/Universum )

Was passiert, wenn reiche Pariser gezwungen werden, sozial Bedürftige in ihre Wohnungen aufzunehmen? Selbst linke Genossen entdecken den Rassisten in sich. Mit "Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste" hat Alexandra Leclère eine lebhafte Satire auf die Moral der westlichen Wertegemeinschaft geschaffen.

Frankreich leidet unter Dauerfrost. Die Regierung erläßt eine Notverordnung: Menschen in großzügigen Wohnungen werden sozial Benachteiligte zugewiesen. Das passt dem Ehepaar Dubreuil in ihrer feinen Pariser 600-qm-Wohnung gar nicht. Um seiner Bürgerpflicht nachzukommen, holt er einfach seine ins Altersheim abgeschobene Mutter zurück und bietet seiner farbigen Putzhilfe "Asyl". Und die "linken" Nachbarn: sie bringen eine Bedürftige nicht im schönen Zimmer, sondern in einer "gehobenen" Besenkammer unter und seufzen: "Politische Überzeugungen sind anstrengend."

Die Positionen der Beteiligten wackeln des Öfteren und werden auch schon mal auf den politischen Kopf gestellt. Nur eine steht fest ihre Frau: die FN-Sympathisantin, mit einem Handy-Nazi-Ton ausgestattete, rassistische wie bauernschlaue Concierge im Untergeschoß, die sich durch illegale Umverteilung der Bedürftigen im Haus ein fettes Zubrot verdient. Ein gesellschaftliches Kuddelmuddel ist in laufender Bewegung und verändert die bourgeoisen Gedanken und Zustände.

Für Autorin und Regisseurin Alexandra Leclére ist ihr Film eine, wie sie sagt, "Komödie, bei der man lachen soll, sich dabei auch ein wenig verrenkt". In ihrer überspitzten Gesellschaftssatire blickt sie auf die heuchlerische Moral einer westlichen Wertegemeinschaft, die am liebsten "Unruhe" von sich fernhält.

In dem Film dominieren die Frauen: sie haben die köstlichen, durchtriebenen Posen für sich, sind ein grandioses Ensemble und unterhalten prächtig.

Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste
Frankreich 2016     
Mit: Karin Viard, Valérie Bonneton, Didier Bourdon u.a.
Buch & Regie: Alexandra Leclére
103 Minuten , FSK: ab 0                   

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