Seit 14:30 Uhr Vollbild
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:30 Uhr Vollbild
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 15.03.2017

Nationalismus vs. Globalisierung"Menschen werden in diesem System immer überflüssiger"

Philipp Blom im Gespräch mit André Hatting

Podcast abonnieren
Gürtel made in China (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)
Derzeit geht es bei der Globalisierung nur ums Geschäftemachen, kritisiert der Historiker Philipp Blom (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)

Nationalismus ist keine passende Antwort auf die Globalisierung, sagt der Historiker Philipp Blom. Allerdings ist die gegenwärtige Form der Globalisierung auch keine Lösung. Anstatt sich der globalen Probleme anzunehmen, gehe es nur um das Anhäufen von Kapital.

Das Unbehagen vieler Menschen im Zeitalter der Globalisierung sei in vierlei Hinsicht berechtigt, meint der Historiker Philipp Blom.

"Wenn Sie sich ansehen, wie sich die linken Parteien in Europa verändert haben mit dem Kollaps der Arbeiterklasse, als die Fabriken und Bergwerke zumachten", sagte Blom im Deutschlandradio Kultur. "Da sind viele Menschen, die früher mal Mitglied einer Arbeiterklasse waren und heute irgendwie im Prekariat leben und Supermarktregale füllen, die auch tatsächlich alleingelassen wurden von der Politik."

Eine Globalisierung im Dienst des Menschen

Die gegenwärtige Form der Globalisierung sei keine Lösung, sondern schaffe gravierende gesellschaftliche Ungleichheiten, meinte der Historiker. Bei dieser Globalisierung gehe es nur darum, Kapital anzuhäufen. "Menschen werden in diesem System immer überflüssiger. Das ist die Globalisierung, die Teil des Problems ist."

Insofern gehe es darum, Globalisierung zu verändern: hin zu einer Weltgemeinschaft, die sich gemeinsam Fragen wie Klima, Terrorismus und Massenmigration annehme. Denn für diese Probleme gebe es keine nationalen, nur globale Lösungen - wenn überhaupt:

"Wir glauben, jedes Problem hat eine Lösung. Aber vielleicht ist die Welt keine Matheaufgabe, wo man ein Ist-Zeichen und rechts die richtige Zahl eintragen muss, wenn man die richtigen Formeln verwendet hat. Vielleicht gibt es einfach Situationen, die tragisch und problematisch sind und bleiben und die nicht EINE Lösung haben."

Mehr zum Thema

Liberale Demokratie in der Krise - To-Do-Liste gegen Populismus
(Deutschlandfunk, Andruck - Das Magazin für Politische Literatur, 13.03.2017)

Armutsbericht - Nur Qualifizierung weist den Weg aus der Armut
(Deutschlandfunk, Kommentare und Themen der Woche, 02.03.2017)

Elitenkritik - Führungsschicht ohne Verantwortungsgefühl?
(Deutschlandradio Kultur, Sein und Streit, 12.02.2017)

Ökonom Peter Bofinger - Was hinterlassen wir zukünftigen Generationen?
(Deutschlandradio Kultur, Tacheles, 18.02.2017)

Interview

20 Jahre Elchtest"Lieber Geld verlieren als Vertrauen"
Der "Elchtest" jetzt auch im Schaufenster: Die Modellausgabe des umstrittenen Fahrversuchs mit dem neuen Mercedes A 1 im Maßstab 1:87 ist derzeit Blickfang der Auslage eines Spielwarengeschäfts in Aachen (aufgenommen am 18.11.1997). Für rund 16 Mark kann der Modelliebhaber den gekippten "Baby-Benz" mit einer Elchfigur in seine Spielszene einbauen.... (picture-alliance / dpa / Roland Scheidemann)

Fehler zugegeben – und dann besser gemacht: Für den Automobilexperten Willi Diez zeigt die Reaktion von Mercedes auf den "Elchtest", wie gutes Krisenmanagement sich auszahlt. Davon könnten die Automobilkonzerne in der Dieselaffäre lernen.Mehr

15 Jahre Cyberangriff auf das DNS"Man hat daraus gelernt"
Besucher des Kongresses des Chaos Computer Clubs (CCC) spielen mit ihrem digitalem Spiegelbild. (picture alliance / dpa / Axel Heimken)

Vor 15 Jahren kam es zu einem der bis dahin gefährlichsten Hacker-Angriffe auf das Internet. Dabei wurde ein Großteil der weltweiten DNS-Root-Server lahmgelegt. Der Cyber-Experte Sandro Gaycken erklärt, wie hoch das Risiko für solche Angriffe heute ist. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur