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Kompressor | Beitrag vom 11.10.2017

Münchner KammerspieleJosef Bierbichlers "Mittelreich" als "Schwarzkopie"

Anta Helena Recke im Gespräch mit Gesa Ufer

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v.l.n.r.: Jerry Hoffmann, Ernest Allan Hausmann, Victor Asamoah, Isabelle Redfern, Moses Leo, Yosemeh Adjei (Foto: Judith Buss)
Anta Helena Recke lässt in "Mittelreich" Josef Bierbichlers bayerische Familiensaga ausschließlich von schwarzen Schauspielern spielen. (Foto: Judith Buss)

Eine urbayerische Familiensaga, gespielt nur von schwarzen Schauspielern: So inszeniert Anta Helena Recke das Stück "Mittelreich" von Josef Bierbichler an den Münchner Kammerspielen. Und erhofft sich davon "nie gekannte Assoziationsräume".

Wenn sie ins Theater gehe, sehe sie selten schwarze Menschen auf der Bühne, kritisiert die Regisseurin Anta Helena Recke. Und wenn doch, dann spielten sie meist Flüchtlinge oder Prostituierte bzw. verkörperten "das Fremde, das Mysteriöse, das Wilde, das Exotische, das Erotische".

Mit ihrer Inszenierung von "Mittelreich" an den Münchner Kammerspielen setzt die afro-deutsche Regisseurin einen deutlichen Kontrapunkt: Sie lässt Josef Bierbichlers bayerische Familiensaga ausschließlich von schwarzen Schauspielern spielen.

Neue Assoziationsräume eröffnen

"Meine Hoffnung ist eigentlich, dass das ein bisschen oszilliert in der Wahrnehmung", sagte Recke im Deutschlandfunk Kultur. "Dass man einerseits auch einfach eine Geschichte sieht und erzählt bekommt und andererseits, dass sich dadurch, dass diese Geschichte durch schwarze Körper hindurchgeht, vielleicht noch mal größere, weitere, nie gekannte Assoziationsräume ergeben könnten beim Zuschauen."

(Foto: Lena Mody)Die afrodeutsche Regisseurin Anta Helena Recke. (Foto: Lena Mody)

Eine "Schwarzkopie" nennt Recke ihr Projekt. Denn noch in weiterer Hinsicht ist es etwas Besonderes: ein Stück "Appropriation Art", das Anne-Sophie Mahlers "Mittelreich"-Inszenierung von 2015, ebenfalls an den Münchner Kammerspielen, exakt kopiert - nur eben mit schwarzen Schauspielern. "Das, was wir hier machen, das wurde ja vorher noch nie gemacht", betont Recke. "Wir kopieren ein Stück und wir behaupten diese Kopie als eine eigenständige neue Inszenierung."

Damian Rebgetz, Stefan Merki, Jochen Noch, Steven Scharf, Thomas Hauser, Annette Paulmann in Anne-Sophie Mahlers Inszenierung von "Mittelreich" an den Münchner Kammerspielen. (Foto: Judith Buss)In Anne-Sophie Mahlers Original-Inszenierung von "Mittelreich" an den Münchner Kammerspielen sind alle Schauspieler weiß. (Foto: Judith Buss)

Vom den Zuschauern erhofft sich Recke auch, dass diese die Inszenierung zum Anlass nehmen, sich darüber zu wundern, "warum überall alle weiß sind", wie sie sagt. "Also, besonders wenn man in die Theater geht, wenn man in die Zeitungsredaktionen geht, wenn man an wichtige Stellen in der Gesellschaft geht."

"Mittelreich" in der Inszenierung von Anta Helena Recke feiert am 12.10. um 19.30 Uhr in den Münchner Kammerspielen Premiere. Eine zweite Aufführung des Stückes gibt es am 21. Oktober. Am 22. Oktober findet außerdem das Symposium "Abweichende Wiederholung" zu Reckes Inszenierung statt, bei dem es um Schwarzes Leben in Deutschland sowie um "Appropriate Representation" geht. Auch die Original-Inszenierung "Mittelreich" von Anne-Sophie Mahler steht weiter auf dem Spielplan der Münchner Kammerspiele. Die nächste Aufführung findet am 3. November 2017 statt. (uko)

Anta Helena Recke, geboren und aufgewachsen in München, studierte Szenische Künste in Hildesheim, arbeitete als Theaterpädagogin am Berliner Grips-Theater und ist heute in verschiedenen Konstellationen als Theatermacherin tätig. 2017 ist sie Theaterstipendiatin der Stadt München.

Fazit

"Fashion Drive"Die Geschichte der Mode im Spiegel der Kunst
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Zerrissene Jeans gehören heute ganz alltäglich zum Straßenbild, aber zerrissene Mode gab es auch schon in der Renaissance. Wie sie damals aussah zeigen prächtige Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, die jetzt im Kunsthaus Zürich zu sehen sind – in der neuen Sonderausstellung "Fashion Drive – Extreme Mode in der Kunst".Mehr

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