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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.09.2015

Monty Python auf der BühneBochum findet den Gral der theatralen Beklopptheit

Von Stefan Keimn

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Das Schauspielhaus in Bochum (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)
Schauspielhaus in Bochum: Grandioses Ensemble (dpa / picture alliance / Horst Ossinger)

Auf den Musicalbühnen hat das Monty-Python-Musical "Spamalot" schon die Fans begeistert. Nun dürfen es auch die Stadttheater spielen. Im Schauspielhaus Bochum inszeniert Christian Brey das Stück nach dem Film "Die Ritter der Kokosnuss" mit anarchischer Stilsicherheit.

Die Stimme Gottes tönt aus der Dunkelheit. Der Herr gibt König Artus einen Auftrag: Finde den Gral! Doch vorher beschwert sich der Allmächtige darüber, dass sich alle, mit denen er spricht, ständig für irgendetwas entschuldigen.

Es ist nicht leicht, Gott zu sein. Harald Schmidt leiht ihm seine Stimme, einer der wenigen wahren Erben der Komikergruppe Monty Python. Christian Brey, der Regisseur des Musicals "Spamalot" in Bochum, hat auf der Bühne und im Fernsehen oft mit Schmidt zusammen gearbeitet. Die Hommage an den 57-jährigen Frührentner gelingt ebenso stilsicher wie seine gesamte Inszenierung. Den absurden, surrealen, völlig durchgeknallten Humor der Pythons auf die Bühne zu bringen, ist keine leichte Aufgabe.

Bewusst schlecht spielen

Dem grandiosen Bochumer Ensemble gelingt das, weil die Schauspieler den Mut haben, bewusst schlecht zu agieren. Wenn die Ritter auf das Kaninchen des Todes treffen, muss einer von ihnen mit einem Plüschhasen kämpfen und sich dabei rote Strippen aus der Rüstung ziehen. Das Billige, die Naivität eines Kinderspiels gehört zur Ästhetik von Monty Python. Die Ritter hüpfen über die Bühne, während ein Diener mit zwei Kokosnusshälften das Trappeln von Pferdehufen nachahmt. Das wiederum tut er virtuos, mit allen Gangarten zwischen Trab und Galopp. Die Musicalnummern wiederum sind so überdreht opulent, dass sie schon wieder weh tun. "Spamalot" ist eine selbstironische Unterwanderung des Genres.

Matthias Redlhammer spielt König Artus als müden, überforderten Helden, der inmitten des sprühenden Wahnsinns kaum den Gesichtsausdruck wechselt. Er versucht, einen Rest Vernunft zu retten. Eben dadurch ist er die witzigste Figur des Abends, während die anderen mit rauschhafter Spiellust die Rollen wechseln und alle Klischees bis zum Aberwitz überdrehen. Das Publikum tobt vor Begeisterung, das Schauspielhaus Bochum hat den heiligen Gral der Beklopptheit entdeckt. 

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