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Fazit | Beitrag vom 11.01.2018

Masterplan zur James-Simon-Galerie"Teuerste Garderobe der Welt" bald vollendet

Von Christiane Habermalz

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Durch ein Brückengeländer ist am 11.01.2018 in Berlin die im Bau befindliche James-Simon-Galerie, das künftige Eingangsgebäude zur Museumsinsel, zu sehen. (picture alliance / Paul Zinken/dpa)
Durch ein Brückengeländer ist am 11.01.2018 in Berlin die im Bau befindliche James-Simon-Galerie, das künftige Eingangsgebäude zur Museumsinsel, zu sehen. (picture alliance / Paul Zinken/dpa)

Als "teuerste Garderobe der Welt" wird die James-Simon-Galerie verspottet. Denn das neue Eingangsgebäude zur Museumsinsel hat eine schier endlose Baugeschichte hinter sich. 2019 soll endlich Eröffnung gefeiert werden. Unsere Korrespondentin Christiane Habermalz berichtet von der Baustelle.

Natürlich regnet es in Strömen, wie immer bei Baustellenrundgängen. Alexander Schwarz, Chefentwerfer bei Chipperfield Architects, steht im künftigen Café des neuen Eingangsgebäudes zur Museumsinsel. Umrahmt von hohen Kolonnaden öffnet sich von hier ein überraschender Blick auf Schlossbrücke, Zeughaus und das dahinter entstehende Humboldtforum.

Schwarz: "Man kann auch hier auf die Terrasse heraustreten, wenn es nicht regnet, ist das wahrscheinlich einer der neuen spektakulärsten Blicke über die Mitte Berlins."

Nicht gerade bescheiden, doch Recht hat er. Selbst bei diesem Wetter wird deutlich, was für ein grandioser neuer Ort allein durch dieses Café entstehen wird. Hier auf dem Sockelgeschoss über der Spree, zwischen hohen Beton-Kolonnaden wird man seinen Kaffee bald mit einem wunderbaren Blick auf die die Schlossbrücke, das Zeughaus und das dahinter entstehende Humboldtforum trinken können – selbst wenn man nicht ins Museum will. Das "Tor zur Schatzinsel" hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters das neue Eingangsgebäude einst genannt. Und auch Alexander Schwarz sieht die Hauptfunktion des Gebäudes darin, Gastlichkeit auszustrahlen.

Der neue Eingang zur Museumsinsel 

"Das Gebäude ist in erster Linie ein städtebauliches Gebäude, das ist seine erste Aufgabe, und eben im Grunde genommen die Museumsinsel als öffentlichen Raum zu feiern."

Richtfest für die James-Simon-Galerie, das neue Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)Richtfest für die James-Simon-Galerie, das neue Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel (dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)

2019 soll die Eröffnung gefeiert werden

Von einer kleinen Piazza aus gelangt man vom Kupfergraben über eine Freitreppe ins große Foyer, ein lichter und klarer Raum aus Sichtbeton, Muschelkalk und Glas. Um die 8000 Besucher sollen von 2019 an ihren Rundgang über die Museumsinsel hier beginnen. Bislang ist jedes Museum nur über seinen jeweiligen Haupteingang zu erreichen. Diese sollen auch erhalten bleiben – doch das neue Eingangsgebäude wird erstmals einen zentralen Zugang zu den Museen bieten, mit all den Funktionen, die bislang bitter gefehlt haben, um die Besucherströme zu lenken: Ein Foyer mit Ticketschalter, Museumsshop  und Garderoben, ein Auditorium mit 300 Sitzplätzen für Vorträge und Veranstaltungen.

Vor allem aber wird die James-Simon-Galerie – benannt nach einem der wichtigsten jüdischen Mäzene der Berliner Museen -  den Zugang zur archäologischen Promenade eröffnen, die die einzelnen Museen unterirdisch miteinander verbinden soll. Hier wird es auch Raum sein für eine neue Dauerausstellung, die die Geschichte der Museumsinsel selbst erzählt, kündigt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, an. Er freut sich, dass man nun nach langer Bauzeit auf der Zielgeraden angekommen ist. Ende 2018 soll das Gebäude fertig sein, 2019 ist Eröffnung.

Preußenstiftungspräsident Hermann Parzinger bei einem Rundgang in der im Bau befindlichen James-Simon-Galerie.  (dpa / Paul Zinken)Preußenstiftungspräsident Hermann Parzinger bei einem Rundgang in der im Bau befindlichen James-Simon-Galerie. (dpa / Paul Zinken)

Parzinger: "Angefangen von der Kunstkammer im Schloss, die Verlagerung der Sammlungen dann hier rüber, erstes altes Museum von Schinkel, also diese Geschichte auch der Mäzene, James Simon und so, das wird hier dauerhaft dargestellt, und ich glaube das ist auch ganz wichtig, dass wir irgendwann einen Ort haben, wo die Geschichte dieses besonderen Ortes hier in Berlin auch dem Besucher vermittelt wird." 

Entweiht der Neubau die Museumsinsel?

Dass die Museumsinsel, seit 1999 Unesco-Kulturerbe, durch Chipperfield mit einem Neubau quasi "entweiht" werden könnte, hat in der Vergangenheit durchaus für Kritik gesorgt. Mit ihren 110 schlanken Betonstreben erhebt sich die James-Simon-Galerie wie eine moderne Antwort auf die historischen Kolonnaden der Alten Nationalgalerie über die Spree. Nicht nur die Retrofreunde des "Vereins Historisches Berlin" waren gegen den Chipperfield-Bau – auch Architekturkritiker monierten, die James-Simon-Galerie schiebe sich wie ein Riegel vor das Neue Museum und verdecke vom Kupfergraben aus die Ansicht auf die Insel.

Schwarz: "Das ist richtig."

Räumt Architekt Schwarz ein. Doch die Besonderheit der Museumsinsel, erbaut von Schinkel und Stüler sei von jeher gewesen, dass es eben keine Schauseite gegeben habe, vielmehr seien die fünf Museumsbauten wie fünf Freunde, die mit dem Rücken zueinander um einen Tisch herum sitzen. Der Neubau nehme gerade diese städtebauliche Merkwürdigkeit auf und führe sie weiter.

"Die Westansicht des Neuen Museums ist ja eigentlich eine Rückseite. Die Hauptansicht, die eben auch stärker ausgestattet ist mit den Eckrisaliten, mit den Kuppeln, das ist eigentlich die Schauseite, zum Kolonnadenhof. Und auch da stellt Stüler die Nationalgalerie genau davor. Das ist die Romantik des Klassizismus der Museumsinsel."

Froschmänner wurden zur Touristenattraktion

Auch sonst lief nicht alles rund. Jahrelange Bauverzögerung durch den sumpfigen Untergrund und Kostensteigerungen von 71 auf 134 Millionen Euro hatten der James-Simon-Galerie den Spottnamen "teuerste Garderobe der Welt" eingebracht. Zuletzt mussten Taucher die alten Fundamente unter Wasser abreißen – die Froschmänner vor wilhelminischer Kulisse wurden zur Touristenattraktion.

Mit ein Grund, warum die zuständige Bundesbaudirektion sich selbst ein Reformprogramm auferlegt hat, um Großbaustellen effizienter und kostengünstiger zu machen. Da zeugt es von einer gewissen Selbstironie der Museumsleute, dass ein allererstes Ausstellungsstück schon da ist. Im Übergangsbereich zur archäologischen Promenade steht hinter Bauplanen ein zehn Meter langer, schwärzlicher Eichenstamm: Es ist einer der historischen Gründungspfähle, auf denen die Museumsinsel in den schlammigen Untergrund gebaut ist. Musealisierte Architektenmühsal.

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