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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.01.2014

LichtkunstMeister der Himmelsskulpturen

Der erste Lichtkunstpreis geht an den Künstler Otto Piene

Von Volkhard App

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Der Künstler Otto Piene (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)
Der Künstler Otto Piene (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Der Deutsche Lichtkunstpreis geht an den Künstler Otto Piene, Mitbegründer der Avantgarde-Gruppe "Zeró". Mit dem Preis wird Pienes künstlerischer Einsatz bei der maßgeblichen Entwicklung der Lichtkunst gewürdigt.

"Energiefelder", so nennt Otto Piene seine Werke. Luft, Licht und Feuer hat er wie kein anderer in die Kunst eingebracht: Er zeichnete mit dem Ruß von Kerzen, setzte Leinwände Flammen aus, ließ leuchtende Skulpturen in den Himmel steigen und in Ausstellungsräumen Lichtpunkte und magische Muster über die Wände wandern. Und ist so selber zur Lichtgestalt der internationalen Kunst geworden.

Auch seine kurze Dankesrede im Kunstmuseum Celle war eine Ode an die Kraft des Lichts.

"Licht ist Leben für alle Kreaturen. Licht ist Element, Nahrung, Erleuchtung und Blutkreislauf, der uns ewiges Leben verspricht."

Ob "Feuerbilder", "Lichtballette” oder "Sky Art” - seit den 50er-Jahren versucht Piene unermüdlich, der Kunst neue Spielräume zu verschaffen, solo und in der legendären Gruppe "Zeró", zusammen mit Heinz Mack und Guenther Uecker. Oft waren seine Arbeiten mit einer utopischen Geste verbunden: Sie sollten die Welt humanisieren, Freiheit symbolisieren, den Himmel erobern, ihn auf die Erde holen. Mancher Kritiker unterstellte Piene allerdings schon vor Jahrzehnten einen allzu großen Fortschrittsglauben. Doch ernüchtert zeigt sich der 85-Jährige nicht und steht zum utopischen Gehalt seiner Kunst:

"Utopien sind nötig - sie sind der Propeller, die Visionen, die die Arbeit und die Forschung vorwärtstreiben. Das ist einfach ein menschlicher Impuls: mehr Energie, mehr Licht! Sofern man dieses berühmteste Goethe-Zitat überhaupt noch verwenden darf. Wir können gar nicht genug Licht schaffen, denn unsere Welt ist dunkel genug und zulange dunkel gewesen. Wir brauchen das Licht, es ist deshalb auch ein wesentlicher Teil meiner Arbeit."

An einzelne Aktionen denkt er gerne zurück: Auch an den künstlichen Regenbogen, der sich 1972 bei der Schlussfeier der vom Terror überschatteten Olympischen Spiele als Zeichen der Hoffnung über das Stadion spannte:

"Der Regenbogen bei der Schlussfeier hat sehr viele Menschen erreicht. Und das Erreichen vieler Menschen eines großen, offenen Publikums gehörte ja zu den Dingen, die ich mir vorgenommen hatte und die die Gruppe 'Zeró' weitgehend inspiriert haben: Die Dinge zu machen und den Maßstab zu wollen, der sich vielen Leuten mitteilt."

Im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) hängt das Werk "Pirouetten" des Künstlers Otto Piene aus dem Jahr 2012. (picture alliance / dpa /Uli Deck)Im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) hängt das Werk "Pirouetten" des Künstlers Otto Piene aus dem Jahr 2012. (picture alliance / dpa /Uli Deck)

Avantgardist par excellence

In Deutschland war Piene mit vielen Multimedia-Vorführungen präsent - und widmete sich in Cambridge / Massachusatts als Institutsdirektor dem Zusammenhang von Wissenschaft, Kunst und Technik. Und zeigte sich immer offen für neue Möglichkeiten: ob mittels Videokunst, Laserstrahl oder Hologramm. Ein Avantgardist par excellence. Selbst angesichts der medialen Grenzenlosigkeit hat für ihn das Wort "Avantgarde” seine Strahlkraft nicht verloren:

"Avantgarde gibt es Gott sei Dank immer - solange die Menschen Vorstellungen haben. Ob das nun Avantgarde heißt oder anders, ist eigentlich egal. Denn Avantgarde ist ja kein Stil, sondern eine Haltung, die im wesentlichen von der Neugier angetrieben wird - ein wesentlicher Motor. Und die Neugier wiederum ist die Intelligenz, die wir brauchen, um überhaupt neue Dinge zu schaffen, die sich als gut und beständig herausstellen."

Die Lichtkunst jedenfalls wurde von Piene mit durchgesetzt. Sie spielt heute keine Nebenrolle mehr:

"Die ist eigentlich überall. Sie hat sich ja unglaublich ausgebreitet als ein treibendes Element der Kunst, und das ist gut so. Ohne solche Werke können wir uns die gegenwärtige Kunst gar nicht mehr vorstellen."

Otto Piene ist daher ein idealer Empfänger für den neu geschaffenen Preis - und Celle war ein denkbar geeigneter Ort für die Vergabe, weil sich hier das Kunstmuseum mit seinem Förderer und Leiter Robert Simon seit Bestehen für die Lichtkunst in den eigenen Mauern und im Stadtgebiet engagiert hat. Eine große Sonderausstellung gibt derzeit einen Überblick über diese Kunstrichtung - und in die ständige Sammlungs-Präsentation ist das Spiel mit Licht und Schatten ebenfalls einbezogen. Dazu gehören selbstverständlich Arbeiten von Otto Piene: darunter einer seiner traumhaften Lichträume, in dem die Sterne zu tanzen scheinen.

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