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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 10.06.2016

LeipzigWo Mendelssohn musizierte

Von Arne Sonntag

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Eine Violine mit Notenblättern. (picture alliance / dpa / Rolf Kremming)
Dass Musikverlage in Leipzig so erfolgreich wurden, verdanken sie auch dem Schaffen herausragender Musiker. (picture alliance / dpa / Rolf Kremming)

Um 1900 zählte Leipzig zu den wichtigsten Musikstädten der Welt. Große Komponisten wie Mendelssohn und Schumann wirkten hier, Musikverlage brachten Noten heraus und machten gute Geschäfte damit. Bis heute werden neue Verlage gegründet.

Im Staatsarchiv Leipzig: Die Referatsleiterin für Genealogie und Sonderbestände, Dr. Thekla Kluttig, führt durch die vollklimatisierten Säle mit ihren imposanten Stahlregalen. Hier

lagern die Bestände der Musikverlage, die Leipzig einst zur weltweit führenden Stadt des Musikalienhandels gemacht haben. Bestände, die ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Und sich angesammelt haben bei Verlagen wie Breitkopf & Härtel, C.F. Peters oder der Friedrich Hofmeister.

Thekla Kluttig öffnet einzelne Archivkartons. Darin: Briefe, Abschriften und Korrespondenzen, die an Komponisten, Musiker, Musikwissenschaftler, Geschäftspartner, Intendanten oder Konzertveranstalter gingen. Es finden sich aber auch Verträge: Aufstellungen über gezahlte Honorare und Angaben zu Herstellungskosten von Musikalien. Partituren, die Komponisten teilweise in Originalhandschrift an die Verleger schickten, sowie Noten in verschiedenen Stadien ihrer Drucklegung. 

"Dokumente von unschätzbarem Wert tun sich hier auf," erklärt Kluttig. Und zieht willkürlich ein Geschäftsbuch aus den Regalreihen von C.F. Peters heraus.

"Vor uns liegt jetzt das Kopierbuch von C.F. Peters, das ist angelegt worden 1828. Und in diesem Buch sind die Briefe, die der Verleger an seine Geschäftspartner schrieb – also an Kommissionäre, an Komponisten, an andere Verlage, an Kunden –, sind chronologisch eingetragen worden. Und in dem Kopierbuch, sehen wir jetzt den Ort, an den dieser Brief geschickt wurde, also in dem Fall Hamburg, an Koch und Schulz, Leipzig am 25. Oktober 1828. Am gleichen Tag: Der nächste Brief geht nach New York zu Petersen und Mensch – ein sehr langer Brief. Dann der nächste Brief geht an Rossini, ist auch in Französisch geschrieben,1828. Und so werden die Briefe schlicht chronologisch – egal an wen – in einer reinen chronologischen Reihenfolge in dieses Kopierbuch übertragen."

Korrespondenzen von Schumann, Chopin und Mahler

Die Verlage bauten über die Jahrhunderte ein gigantisches Netzwerk an Kontakten auf, das ganz Europa einschloss, aber auch bis nach Moskau, Australien und die USA reichte. Zu den Adressaten gehörten führende Köpfe des Musiklebens. In den Archivbeständen finden sich Korrespondenzen mit Robert Schumann, Frederic Chopin, Hector Berlioz, Richard Strauss, Max Reger, Gustav Mahler und vielen mehr. Der Handel mit Musikalien nimmt seit Ende des 18. Jahrhunderts  atemberaubende Dimensionen an.

Wie die Verleger mit viel Ausdauer ihre Komponisten förderten, um daraus schließlich doch Kapital zu schlagen, sieht man zum Beispiel bei Robert Schumann. In einem Geschäftsbuch des Friedrich Hofmeister-Verlags befindet sich etwa die Verkaufsdokumentation seines opus 4. Wie zu ersehen, nahm der Verlag eines der ersten Werke des Komponisten schon im Entstehungsjahr in sein Programm auf.

Kluttig: "Hier haben wir einen Eintrag unter der Stichnummer 1903 Schumann: Intermezzo op. 4 und können hier ganz genau nachvollziehen, dass im Oktober 1833 die erste Auflage gedruckt wird mit 100 Stück. Die erste Nachauflage gibt’s mit nur 25 Stück 1839, dann dauert es sieben Jahre, 1846 bis die nächste Auflage mit 50 Stück erscheint. Aber Ende der 1850er-Jahre und massiv zunehmend 1860er, 1870er-Jahre, steigt die Schnelligkeit der Nachauflagen. Und auch die Stückzahl wird deutlich höher, sodass wir 1876 hier Auflagenhöhen von 1000 Stück haben, was sehr viel ist bei Musikalien."

Felix Mendelssohn Bartholdy als Leipziger Musikdirektor

Anhand der Archivbestände des Leipziger Staatsarchivs lässt sich die Verkaufs- und Rezeptionsgeschichte etlicher Musikwerke nachvollziehen. Das Musikleben vergangener Epochen, sortiert und katalogisiert in 1200 Regalmeter und Millionen Verlagsdokumente. Auch wenn die Aufarbeitung dieses Materials noch am Anfang steht, besteht kein Zweifel, dass sich Leipzig im 19. Jahrhundert zur bedeutendsten Musikverlagsstadt der Welt entwickelte. Dies verdankt die Stadt auch einem regen Musikleben und herausragenden Musikern. 

Sprecher: "Vorgestern fing meiner Leipziger Musikdirektorschaft an. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie zufrieden ich mit diesem Anfang bin und mit der ganzen Art, wie sich meine Stellung hier anlässt. Und dabei scheinen die Leute mir und meiner Musik zugetan und freundlich."

Ein Fenster in der Thomaskirche in Leipzig - zu Ehren von Felix Mendelssohn-Bartholdy - wurde angefertigt in der Mayerschen Hofkunstanstalt München (dpa / picture-alliance)Ein Fenster in der Thomaskirche in Leipzig - zu Ehren von Felix Mendelssohn-Bartholdy - wurde angefertigt in der Mayerschen Hofkunstanstalt München (dpa / picture-alliance)

Als das Musikgenie Felix Mendelssohn Bartholdy 1835 mit 26 Jahren die Stellung des Gewandhauskapellmeisters antrat, begann eine neue Ära für die Interpretation von Orchestermusik. Der Komponist Robert Schumann schreibt:

"Mich für meine Person störte der Taktierstab, doch war's eine Lust, Mendelssohn zu sehen, wie er die Geisteswindungen der Kompositionen vom Feinsten bis zum Stärksten vorausnuancierte." 

Mendelssohn dirigierte mit dem Gewandhausorchester auch Werke aus der eigenen Feder.

Zum Beispiel seine Schottische Sinfonie. Darüber hinaus trug er mit seinen Konzerten wesentlich dazu bei, dass sich Komponisten wie Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert im Konzertleben etablierten.

Kaufleute und Musikverleger finanzierten Konzerte

Seit den Zeiten von Mendelssohn Bartholdy gehört das Gewandhausorchester zu den international führenden Orchestern. Und es ist – darauf macht die Historikerin Dr. Elke Leinhoß aufmerksam – das älteste bürgerliche Konzertorchester im deutschsprachigen Raum. Bürgerlich, das bedeutete in Leipzig seit jeher, dass die örtlichen Kaufleute das Kulturleben tatkräftig unterstützten, wie Leinhoß bei einem Stadtspaziergang betont.

"Dann war die Kaufmannschaft, die so reich und begütert war, dass sie gerne ins Konzert gehen wollten. Und man hat natürlich Musiker gebraucht dafür und die haben die Kaufleute bezahlt. Personalsponsoring würde man heute sagen dazu. Und als die Musiker eine bestimmte Größe erreicht haben, personell, hat man richtig Konzerte gegeben."

Auch bei der Bereitstellung eines geeigneten Konzertsaals halfen die Kaufleute.

"Und ab 1743, da spricht man vom Geburtsjahr des Gewandhauses oder des Gewandhausorchesters.

Man hatte eben keinen richtigen Ort dafür. Man hat sich einen gesucht im Innenstadtbereich und ist dann in der Tuchhalle fündig geworden – also, das Domizil der Tuchmacher. "

Auch die immer wohlhabender werdenden Musikverleger engagierten sich als Mäzene. Freilich war dies nicht uneigennützig, denn ein hochkarätiges Konzertleben war die beste Werbung für die Komponisten des eigenen Verlagsprogramms. Eine ebenso fruchtbare wie undurchschaubare Gemengelage gegenseitiger Förderung und Unterstützung. Elke Leinhoß umreist beim Besuch im Leipziger Schumann-Haus am Beispiel des Komponisten einige Zusammenhänge. 

"Er [Schumann ] hat hier in dem Haus, indem wir uns gerade befinden, auch seine ersten wichtigen Kompositionen gemacht. Was er hier komponiert hat – man sagt in vier Tagen – die Frühlingssinfonie. Das ist eins der bedeutenden Werke die auch im Gewandhaus aufgeführt worden sind, unter Leitung übrigens von Felix Mendelssohn Bartholdy. Damit hat er sich zumindest erst mal als Komponist einen Namen gemacht."

Musik als Beruf

Doch Schumann betätigt sich, wie Elke Leinhoß erläutert, auch als Musikschriftsteller. So gründet er 1834 die "Neue Zeitschrift für Musik". Freilich auch zum eigenen Vorteil. Schumann setzt sich auch für junge Talente ein. Sein Artikel "Neue Bahnen" preist den 20-jährigen Johannes Brahms als den vielversprechendsten Komponisten der Zeit. Dank Schumann findet Brahms in Leipzig bei Breitkopf & Härtel seinen ersten Verleger und im Gewandhaus werden später auch einige seiner Werke uraufgeführt.

Die Professionalisierung von Musikern wurde in Leipzig immer weiter vorangetrieben und zwar wieder durch Felix Mendelssohn Bartholdy.

 "Hier in Leipzig ist das Bedürfnis eine Musikschule, in welcher die Kunst mit gewissenhaftem Studium und ernstem Sinn getrieben würde, gewiß ein lebhaft gefühltes,"

konstatierte Mendelssohn, auf dessen maßgebliches Betreiben 1842 in Leipzig das erste deutsche "Conservatorium der Musik" gegründet wurde. Dank der Spitzenmusiker, die hier unterrichteten kamen Talente aus ganz Europa nach Leipzig und ließen sich hier ausbilden. Darunter Frederick Delius, Christian Sinding, Leos Janacek oder Erwin Schulhoff. Und natürlich nahmen die hier ausgebildeten Komponisten Kontakt zu den ortsansässigen Verlagen auf.

Für den C.F. Peters Musikverlag wurde dabei der Norweger Edward Grieg bedeutend, mit dem es zu einer exklusiven Zusammenarbeit kam.

Neuartige Druckverfahren und Notenstecher

Seit jeher harmonieren in Leipzig Musikleben und Musikverlagswesen. Ausschlaggebend hierfür waren auch technische Innovationen im Notendruck, die sich gerade in einer Handels- und Messestadt, in der die Präsentation von industriellen Neuerungen ohnehin selbstverständlich war, leicht etablieren konnten. 

Einen wichtigen Impuls für die großangelegte Vervielfältigung von Musikalien setzte 1754 der Leipziger Verleger Johann Immanuel Breitkopf mit seiner Erfindung des Notentypendrucks.

Ein neuartiges Druckverfahren, durch das die Werke des Barock und der führen Klassik größere Verbreitung fanden. Doch mit der steigenden Nachfrage wurde bald auch der sehr aufwändige Notenstich für die Verlage attraktiv, erläutert Christine Hartmann vom Museum für Druckkunst Leipzig. In den Druckereien von Breitkopf & Härtel und in der 1846 neu gegründeten Druckerei Röder fanden nun hunderte Notenstecher ihr Auskommen.  

"Mit dem Notenstich setzt sich dann ab Anfang des 19. Jahrhunderts eine Satztechnik durch, die dann wirklich von der Qualität den Durchbruch bringt. Im Notenstich wird mit Sticheln auf einer Bleiplatte gearbeitet, aber auch mit Stempeln. Und mit dieser hohen Qualität, die der Notenstich herausgibt, hat sich Leipzig auch sehr schnell einen Namen gemacht, weil sie diese Technik sehr schnell angewendet haben und auch in ihren Druckereibetrieben, bewusst auch Leute qualifiziert haben, die diese Berufe ausführen, und da selber eben auch als Ausbildungsinstitutionen fungiert haben. Denn solche Berufe konnte man nur in den Betrieben lernen. "

1861 kam dann der Rotationsdruck durch die Erfindung der Notenschnelldruckpresse hinzu. Leipzig konnte den rasch wachsenden weltweiten Bedarf weiter anheizen und zugleich auch decken. Noten konnten nun sehr schnell und kostengünstig hergestellt werden. Eine technische Revolution, die 1867 außerdem durch eine neue Gesetzgebung gefördert wurde, die festlegte, dass 30 Jahre nach dem Tod eines Komponisten oder Autors sämtliche Urheberrechte erlöschen. Nun konnten die Leipziger Verlage ohne weitere Abgaben die Werke von Beethoven, Schubert, Weber und schon bald auch die von Mendelssohn, Chopin und Schumann auf den florierenden Musikmarkt bringen. Allein die von C.F. Peters 1867 neu herausgegebene "Edition Peters" eroberte als "musikalische Universalbibliothek" mit enormen Auflagen den Weltmarkt.

"Die Nachfrage steigt ja auch in den folgenden Jahrzehnten und befördert und beflügelt die Stadt immer mehr zu produzieren, sich zu spezialisieren und auch immer mehr zu professionalisieren.

Und um 1900 ist Leipzig die führende Musikstadt. Also, es ist nachgewiesen, dass 800 Notenstecher hier in der Stadt tätig sind in verschiedenen Betrieben und das 80 Prozent der weltweit produzierten Musiknoten aus Leipzig kommen."

Beim Bombenangriff am 3. Dezember 1943 wurde das sogenannte graphische Viertel in Leipzig, wo sich zusammengenommen mehr als 2000 Unternehmen des Buch- und Musikaliengewerbes befinden zu 70 Prozent zerstört. Doch schon vorher waren im Zuge von sogenannten "Arisierungen" Unternehmen enteignet worden. So wurde der Besitzer des C.F. Peters Musikverlags, Henri Hinrichsen, der für das deutsche Kulturleben als Verleger und Mäzen Herausragendes geleistet hat, von den Nazis nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Unschlagbare Notenpreise im Osten

Dennoch gelang Leipzig nach dem 2. Weltkrieg ein Neuanfang, wenn auch unter veränderten Vorzeichen. Die Firmen Breitkopf & Härtel sowie Edition Peters blieben erhalten, sie wurden jedoch enteignet und in Volkseigene Betriebe umgewandelt. Hermann Eckel von der Edition Peters beschreibt die Entwicklung folgendermaßen.

"Peters war im Osten der Musikverlag schlechthin. Hier wurde alles verlegt, was Rang und Namen hatte. Und zwar nicht nur weiterhin das klassische Repertoire, sondern auch die DDR-Komponisten und die ganzen russischen Komponisten und es war wirklich ein enormer Devisenbringer."

Nach 1945 entstand im deutschen Verlagswesen die etwas schizophrene Situation, dass Verlage wie Peters oder Breitkopf & Härtel sowohl in der DDR als auch in der BRD fortbestanden. Die Eigentümerfamilie von Peters führte mit Dependancen in Frankfurt, London und New York die Geschäfte weiter. Der Geschäftsführer von Breitkopf & Härtel, Hellmuth von Hase, ging mit einigen Mitarbeitern nach Wiesbaden.

Unterdessen profitierte man in Leipzig davon, dass ein großer Teil der Druckplatten gerettet werden konnte. Die Produktion wurde schon bald wieder aufgenommen und dies in einer Qualität, die auch im Westen nach wie vor gefragt war. Musiker und Touristen nutzten ihre Ostaufenthalte, um sich zu unschlagbaren Preisen mit Noten einzudecken. Besonders gerne ging man zu Michael Rosenthal, der die Leipziger Traditionsmusikalienhandlung Oelsner schon zu DDR Zeiten als Eigentümer führte.

"Wichtig war es zum Beispiel für das Gewandhaus, wenn die Gäste eigeladen hatten, die ihr Honorar zum Teil ja auch in Ostgeld bekamen, dass sie das Honorar auch wieder umsetzen konnten. Und wir haben die New Yorker Philharmoniker – da kann ich mich noch sehr genau erinnern, die waren in Leipzig zu einem Konzert …Und die kamen am Tag mehrfach und kauften Haydn Streichquartette ein und sagten dann auch: 'Das können wir uns bei uns gar nicht leisten, da kaufen wir mal eins für den Preis. Aber hier kriege ich für den Preis, für den ich in Amerika ein Streichquartett bekomme, den kompletten Satz.'"

Michael Rosenthal macht auf eine weitere Besonderheit aufmerksam. Dank der guten Qualität der in Leipzig gedruckten Noten, kamen Westverlage wie Peters trotz des Eisernen Vorhangs gerne mit den gleichnamigen Volkseigenen Betrieb ins Geschäft.

"Es wurde ja sehr viel exportiert auch. Peters Frankfurt kaufte bei Peters Leipzig ein. Obwohl sie ja eigentlich zwei unterschiedliche Eigentumsformen hatten. Das eine war VEB, das andere eigentlich der nicht anerkannte Privatbetrieb in der Bundesrepublik, der ja aus Leipzig hervorgegangen war. In Leipzig waren die Stammhäuser und im Westen waren die Besitzer. Insofern gab’s da einen Widerspruch. Aber man hat miteinander gehandelt. Also, in Leipzig wurde hervorragend hergestellt und das hat Frankfurt fleißig verkauft. In der Welt!"

Seit Anfang September 1989 fanden in Leipzig die ersten Montagsdemonstrationen statt, die schließlich zu Protesten im ganzen Land führten und das Ende der DDR einläutete. Die ein Jahr später im Einigungsvertrag beschlossene Regelung einer "Rückgabe vor Entschädigung" ermöglichte die Restituierung der ehemaligen VEB Verlage. Breitkopf und Peters bekamen ihre Alteigentümer wieder zugesprochen, ebenso der Friedrich Hofmeister Musikverlag, der zu seinem Gründungsort Leipzig zurückkehrte. 

Neue Musikverlage entstehen

Und heute – 25 Jahre nach der Wiedervereinigung? Die Stadt sonnt sich in einer enormen Popularität, die sich nicht zuletzt in einem Zuzug von 15 000 Menschen pro Jahr äußert. Ein gut ausbalanciertes Angebot an Kultur, Wirtschaft und Bildung gepaart mit einem entspannten Lebensgefühl macht die Stadt attraktiv. Und wieder wagen junge Musikverleger mit eigenwilligen Programmen die Gründung eigener Unternehmen. Einer von ihnen ist Nick Pfefferkorn, der seinen Pfefferkorn-Musikverlag so geschickt führte, dass er im vergangen Jahr auch Verlagsleiter von Breitkopf & Härtel wurde. Neben einigen zeitgenössischen Komponisten konzentriert sich Pfefferkorn auf die unentdeckten Schätze der Vergangenheit. Da wird Pfefferkorn im Umfeld von Leipzig sehr leicht fündig.   

"Ich brauche als Verleger ein Alleinstellungsmerkmal. Und insbesondere Mitteldeutschland ist das Eldorado der Musikgeschichte und der großen Komponistenarchive. Egal wo man hinschaut: Ob das die anhaltinische Landesbibliothek ist, ob das die sächsische Landes- und Universitätsbibliothek ist, ob das Leipzig ist. Es konzentriert sich ja mehr oder weniger alles in diesem Bereich."

So verlegt Pfefferkorn nun – mit steigendem Interesse von Musikern und Ensembles – Werke des Bachvorgängers Johann Kuhnau, des Dessauischen Hofkapellmeisters Friedrich Schneider oder des Lehrers von Richard Wagner, Christian Gottlieb Müller. Damit trägt auch Pfefferkorn zur Aufbruchsstimmung bei, die zurzeit in Leipzig herrscht. Doch wünscht sich der Verleger für seine Heimatstadt eine Entwicklung mit Augenmaß. Freilich vor dem Hintergrund seiner einmaligen Musikverlagsgeschichte. 

"Leipzig soll sich selbst entwickeln und soll sich selber erfinden und wiederfinden. Und wenn sich dann die Verleger, als Teil dessen sehen und sagen, wir besetzen einen bestimmten Teil der Geschichte von Leipzig einen wesentlichen Teil auch der industriellen Entwicklung Leipzigs und transportieren das nach außen: Stichwort Buchmesse, Stichwort Bachfest. Auch die Musikfeste, die in Leipzig stattfinden, dann ist schon sehr, sehr viel getan. Wenn sich heute ein Verleger in Leipzig bewegt, kann er das mit Stolz tun und kann auch sagen: Er bewegt sich in der größten Verlagstradition, die es jemals gegeben hat in Europa."        

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