Seit 11:05 Uhr Deutschlandrundfahrt
 

Sonntag, 19.11.2017

Im Gespräch | Beitrag vom 15.11.2017

Lala Berlin-Chefin Leyla Piedayesh"Ich bin politisch – meine Mode auch?"

Moderation: Katrin Heise

Beitrag hören Podcast abonnieren
Leyla Piedayesh (Yves Borgwardt)
Leyla Piedayesh: Mit Mitte dreißig in der Modebranche gegründet (Yves Borgwardt)

Die deutsch-iranische Vorzeigefrau der Berliner Modebranche studierte zunächst einmal BWL. Erst mit Mitte 30 setzte sie ganz auf Mode und gründete 2005 ihr Label Lala Berlin. Bekannt wurde sie mit einer kreativen Abwandlung des berühmten Palästinensertuches.

Schauspielerin zu werden, war ihr Wunschtraum – stattdessen gründet Leyla Piedayesh 2005 das Modelabel LaLa Berlin. Sie gehört zu einer der wenigen Berliner Modedesignerinnen, die im Ausland wahrgenommen werden, vor allem in Skandinavien verkauft sie gut.

"Ich kam sozusagen wie die Jungfrau zum Kind zur Mode, weil ich in meiner arbeitssuchenden oder freien Zeit angefangen habe zu stricken, und so hat sich das eigentlich alles entwickelt. Und als es um den Namen ging, habe ich einfach meinen Spitznamen genommen – Leyla ´Lala`, meine Freunde hatten mich ´Lala` genannt."

Bekannt wurde Lala Berlin mit einer kreativen Abwandlung des berühmten Palästinensertuches:

"Ich bin ja mit diesem Muster aufgewachsen. Also es ist ja jetzt nicht nur, weil es Palästinenser-Tuch heißt, weil es irgendwann Arafat getragen hat, wurde das dann auch irgendwie so gleich in so eine Bewegung gerückt, aber am Ende des Tages, wenn sie in den Orient fahren, finden sie das überall."

Modedesignerin Leyla Piedayesh beim MONCLER x STYLEBOP.com-Event am 11.10.2017 in Berlin. (dpa / picturea alliance / Jrg Carstensen)Die Modedesignerin Leyla Piedayesh im Oktober 2017 in Berlin (dpa / picturea alliance / Jrg Carstensen)

Wobei Leyla Piedayesh mit diesem Design trotz ihres Migrationshintergrundes keine politische Botschaft verbindet:

"Es gab keine politische Bewegung oder politischen Hintergedanken damals, als ich mit dem Tuch angefangen habe, weil es war wirklich so: Ich mag das, ich mag das Muster, ich mag die Idee, und dann habe ich es gemacht. Und natürlich wurde ich auch damals gleich mit der Politik konfrontiert, ob das irgendeine Bedeutung hat und ich so: Nein, hat es nicht. Ich glaube, die Politik kam dann irgendwie später zu mir ins Leben."

Das so genannte Pali-Muster, hochwertige Strickwaren und Stoffdesigns mit vom Orient geprägten Farben und Ornamenten sind ihre Markenzeichen.

Als Neunjährige nach Deutschland

Piedayesh kam als Neunjährige nach Deutschland, weil ihre Eltern aus dem Iran fliehen mussten. Während es vor allem ihrem Vater schwer fiel, sich in der neuen Heimat zu orientieren, fand sich Leyla Piedayesh relativ schnell zurecht:

"Okay, ich bin jetzt in Deutschland und ich integriere mich. Also ich musste die Sprache lernen, ich musste in die Schule, ich musste so all das neu erfinden, was für mich ganz anders war als vorher. Also eine Flucht habe ich nicht empfunden. Erst Jahre später, wenn man sozusagen im geistigen Zustand ganz anders erwachsen ist, merkt man, was man da so durchgemacht hat, bzw. eher die Eltern durchgemacht haben."

Auf Wunsch ihrer Eltern studierte sie Betriebswirtschaft und arbeitete zunächst in den Medien. Mit Mitte 30 fand sie den Mut, das zu machen, was sie interessierte: Mode. Und die wurde dann irgendwann doch politisch: Nach dem Einreisestopp der USA gegen Menschen aus mehreren muslimisch geprägten Ländern, darunter der Iran, entwarf Leyla Piedayesh ein T-Shirt mit der Aufschrift "I’m an Immigrant", dessen Verkaufserlöse an eine Hilfsorganisation für Geflüchtete gehen.

Mehr zum Thema

Kufiya-Muster und Hijabistas - Wie die Modeszene aufgemischt wird
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 12.07.2017)

Im Gespräch

Sexismus #MeToo - Was muss sich ändern?
Eine Hand auf der "#MeToo" und "#Balancetonporc" ("Schwärz' dein Schwein an") (AFP / Bertrand Guay)

Sexismus sei ein strukturelles Problem der Gesellschaft, meint die Soziologin und Genderforscherin Paula-Irene Villa. Das Problem seien nicht einzelne "Sex-Monster", die sich an Frauen vergreifen. Der Schriftsteller Ralf Bönt betont indes, dass auch Männer Sexismus als Opfer erfahren. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur