Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
 

Kulturnachrichten

Freitag, 21. Juli 2017

Kunsthistorikerin übt scharfe Kritik am Humboldt-Forum

Bénédicte Savoy fordert Offenlegung der Geschichte der Sammlungen

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, bis vor kurzem Mitglied im Beirat des Humboldt-Forums, hat scharfe Kritik an dem Projekt geübt. Das Humboldt-Forum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sollten die Geschichte ihrer Sammlungen offenlegen. "Provenienzforschung müsste das Ding sein", sagte Savoy der "Süddeutschen Zeitung". Ohne eine Auseinandersetzung mit dem Ursprung der außereuropäischen Kulturzeugnisse dürfe heute kein ethnologisches Museums öffnen. Sie sei aus Frust über den Umgang mit dem Beirat aus dem Gremium ausgetreten. Der Beirat sei seit 2015 nur zweimal zusammengetreten. Savoy, die an der Technischen Universität Berlin und am Collège de France lehrt, sprach von einem unlösbaren Widerspruch. "Die Architektur signalisiert, dass man Geschichte rückgängig machen kann. Doch den Leuten, die um Rückgabe gestohlener Objekte bitten, erklärt man, Geschichte lasse sich nicht rückgängig machen", sagte Savoy. "Wenn man Objekte nur ausstellt und nicht mehr intellektuell an ihnen arbeitet, sind sie tot." Die Politik habe sich für den Schloss-Wiederaufbau entschieden, drücke sich aber vor einer kritischen Auseinandersetzung damit. Jetzt versuchten Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Gründungsintendant Neil MacGregor, "zu retten, was noch zu retten ist", so Savoy.

Bayerische Staatsgemäldesammlungen restituieren Gemälde

Laut Staatsgemäldesammlungen ist dies seit 1998 bereits die 13. Restitution

Die Bayerische Staatsgemäldesammlungen haben bei einer Restitution einen erfolgreichen Abschluss für beide Seiten erzielt. Es ging um das Gemälde "Die Auferweckung des Lazarus", geschaffen um 1530/40 von einem süddeutschen Meister, wie die Sammlungen in München mitteilten. Das Bild stammt aus dem Nachlass von James von Bleichröder (1859-1937). Aufgrund seiner jüdischen Herkunft gilt James von Bleichröder laut Mitteilung als ab 1933 kollektivverfolgt. Die Familie verlor nach ihrer Bank auch ihre Stellung in der Gesellschaft. Mehrere Mitglieder kamen im Holocaust um. Das Gemälde wurde nach dem Tod von James Bleichröder 1938 beim Auktionshaus Lepke versteigert, dort von der Münchner Kunsthandlung Böhler erworben und kurz darauf an den führenden NS-Politiker Hermann Göring verkauft. Die Erbengemeinschaft und die Staatsgemäldesammlungen haben nun vertraglich festgelegt, dass das Werk zunächst restituiert und dann von den Staatsgemäldesammlungen angekauft wird. Das Bild sei inzwischen auch restauriert worden und werde künftig in der Zweiggalerie der Sammlungen in Schloss Johannisburg in Aschaffenburg wieder zu sehen sein. Eine Erinnerungstafel solle auf das Schicksal der Familie und die Restitution verweisen. - Für die Staatsgemäldesammlungen war es nach eigenem Bekunden seit 1998 bereits die 13. Restitution.

Neue NRW-Kulturministerin will Theater stärken

Neuer Koalitionsvertrag sieht Anhebung des Kulturhaushalts um 50 Prozent vor

Die neue nordrhein-westfälische Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen will die Orchester und Theater stärker unterstützen. "Ich finde es problematisch, dass das Land sich mit so geringen Beiträgen beispielsweise an der Finanzierung der Stadttheater beteiligt", sagte Pfeiffer-Poensgen der "Rheinischen Post". "Wenn wir die kulturellen Angebote in der Fläche erhalten möchten, dann muss das Land stärker Flagge zeigen und die Kommunen unterstützen." Die neue CDU/FDP-Landesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Kulturhaushalt in dieser Legislaturperiode von derzeit gut 200 Millionen Euro um 50 Prozent auf dann 300 Millionen Euro anzuheben. Die frühere rot-grüne Landesregierung hatte den kommunalen Bühnen in NRW in einem Theaterpakt einen Zuschuss von jährlich insgesamt rund 4,5 Millionen Euro gewährt. Damit sollten vor allem die Tarifsteigerungen aufgefangen werden. Der NRW-Städtetag hatte die Zuschüsse als viel zu niedrig kritisiert.

"Lipstick Under My Burkha" startet nach Verbot in Indien

Bedingung war, dass mehrere Szenen des Film gekürzt werden

Der zunächst verbotene indische Film "Lipstick Under My Burkha" ist im eigenen Land in den Kinos angelaufen. Das Komödiendrama über vier Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Religionen, die sich heimlich gegen ihr einengendes soziales Umfeld wehren, hätte bereits im Januar in Indien starten sollen. Die staatliche Filmzensurbehörde hatte den Film aber nicht freigegeben - unter anderem mit der Begründung, er sei "Damen-orientiert" und beinhalte "ansteckende" Sexszenen. Die Macher von "Lipstick Under My Burkha" ("Lippenstift unter meiner Burka") um die junge Regisseurin Alankrita Shrivastava hatten Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt. Der Film darf nun schließlich in Indiens Kinos gezeigt werden - unter der Bedingung, dass mehrere Szenen leicht gekürzt wurden. Er startet in zahlreichen Städten. In der ursprünglichen Fassung war der Film bereits weltweit auf Festivals gelaufen und hatte Preise gewonnen.

Schauspieler Claude Rich gestorben

Französischer Charakterdarsteller wurde 88 Jahre alt

Im Alter von 88 Jahren ist der bekannte französische Schauspieler Claude Rich gestorben. Der Charakterdarsteller starb nach langer Krankheit in seinem Haus im Großraum Paris, teilte seine Tochter mit. Der 1929 in Straßburg geborene Rich wurde unter anderem durch die deutsch-französisch-italienische Komödie "Mein Onkel, der Gangster" aus dem Jahr 1963 bekannt. Im Laufe seiner Karriere spielte er in fast 80 Filmen mit, unter anderem unter den Regisseuren François Truffaut und Alain Resnais, und trat auch immer wieder im Theater auf. Häufig verkörperte er dabei große historische Persönlichkeiten. Er gab aber auch 2002 in "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra" den Druiden Miraculix.

Weitere Bundesmittel für Kultur im Osten

Programm fördert seit 2004 Vorhaben "von gesamtstaatlicher Bedeutung"

Die Staatliche Kunstsammlungen Dresden, das Haus am Horn in Weimar und das Stralsund-Museum erhalten als bedeutende Kultureinrichtungen in Ostdeutschland Geld vom Bund. In Dresden geht es um das museale Herrichten eines Zwingerpavillons und die Beleuchtung im Semperbau. Das in den 20er-Jahren für die Bauhaus-Werkschau errichtete Haus am Horn wird denkmalgerecht saniert. Das Stralsund-Museum ist das ältestes Museum Mecklenburg-Vorpommerns - dort wird die Dauerausstellung erneuert. Kulturstaatsministerin Monika Grütters stellte laut der Mitteilung insgesamt fast 400 000 Euro zur Verfügung. Das Programm "Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland" fördert seit 2004 Vorhaben "von gesamtstaatlicher Bedeutung". In dieser Zeit habe der Bund rund 79 Millionen bereitgestellt.

Karl-Sczuka-Preis für Hörstück von Olaf Nicolai

Koproduktion von documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur ausgezeichnet

Der Künstler Olaf Nicolai erhält den Karl-Sczuka-Preis 2017 für seine Arbeit "In The Woods There Is A Bird…". Für das Hörstück bat Olaf Nicolai die KorrespondentInnen von ARD und Deutschlandradio um Tonaufnahmen von Demonstrationen und Protesten auf der ganzen Welt. Verwendet wurden ausschließlich die Geräusche von Menschenmengen – keine Reden oder Kommentare. Gemeinsam mit dem Musiker Frank Bretschneider schuf Olaf Nicolai aus diesem Material ein intensives Hörerlebnis. Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt: "Die Originaltöne fügen sich in Loops und Überlagerungen zu einem kaleidoskopischen Hörbild über den Zusammenprall von Macht und Ohnmacht, von Autorität und Protest. Zuhörend gerät man in ein akustisches Spannungsfeld aus kollektiver Gewalt und individueller Verletzlichkeit. Deutungen und Wertungen gesellschaftspolitischer Wirklichkeit werden zu persönlichen Fragen jedes Einzelnen." "In The Woods There Is A Bird…" ist eine Auftragswerk für die documenta 14 und Deutschlandfunk Kultur im Rahmen des Radioprogramms "Every Time A Ear di Soun". Der Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst wird seit 1955 vom SWR vergeben. Er ist mit 12.500 Euro dotiert und wird am 22. Oktober im Rahmen der Donaueschinger Musiktage überreicht.

Exhumierung von Salvador Dalí erfolgreich

Proben von Haaren und Knochen für DNA-Test entnommen

Bei der Exhumierung des Surrealismus-Künstlers Salvador Dalí zur Klärung einer Vaterschaftsklage haben Gerichtsmediziner unter anderem Haare sowie Proben von Nägeln und Knochen des einbalsamierten Leichnams entnommen. Dies teilte die Gala-Salvador-Dalí-Stiftung bei einer Pressekonferenz mit. Generalsekretär Lluís Peñuelas betonte dabei erneut, wie unglücklich die Stiftung über die von einem Richter angeordnete Maßnahme gewesen sei. Laut Augenzeugen soll der Körper sehr gut erhalten sein. Die Arbeiten hatten am Donnerstagabend begonnen und etwa fünf Stunden gedauert. Die Proben sollen nun von Experten mit denen der Klägerin Pilar Abel Martínez abgeglichen werden. Sie behauptet, Dalís Tochter zu sein. Ihre Mutter soll in den 1950er Jahren eine geheime Liebesbeziehung zu dem Künstler unterhalten haben. Während vor dem Gebäude Hunderte Journalisten und Schaulustige warteten, fand die Exhumierung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In ein bis zwei Monaten soll ein Ergebnis des Vaterschaftstests vorliegen.

Trauer um Linkin Park-Sänger Chester Bennington

Freunde und Musikerkollegen geschockt über Tod des 41-jährigen

Nach dem überraschenden Tod von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington trauert die Musikwelt. "Schockiert und untröstlich", reagierte Band-Kollege Mike Shinoda in einem Tweet auf die Todesnachricht. "Wirklich das eindrucksvollste Talent, das ich jemals live gesehen habe. Stimmenbestie", schrieb R&B-Sängerin Rihanna auf Instagram. "Er und Linkin Park waren die freundlichsten Leute, die du hoffen konntest zu treffen", twitterte Rockmusiker Ryan Adams. US-Medien berichten, dass Fans Stunden nach der Todesmeldung Blumen vor dem Haus des Sängers abgelegt haben. Auch Bandkollegen seien vorgefahren. In einer Mitteilung würdigte die Recording Academy, die alljährlich die Grammy-Trophäen verleiht, die Verdienste des zweifachen Grammy-Preisträgers. Er sei ein "Held des Hard Rock" mit einer enormen Stimmbreite und einer starken Bühnenpräsenz gewesen. Der Frontmann der amerikanischen Rock-Band Linkin Park war am Donnerstagmorgen tot in seinem Haus in Los Angeles gefunden worden. Möglicherweise habe Bennington Suizid begangen, sagte ein Gerichtssprecher. Der Vorfall werde aber noch untersucht. Der Musiker hatte in der Vergangenheit offen über seine Depressionen und Suchtprobleme gesprochen. Bennington wurde nur 41 Jahre alt und hinterlässt seine Frau und sechs Kinder.

O.J. Simpson kommt frühzeitig auf Bewährung frei

Schauspieler und Ex-Footballstar saß seit 2008 wegen Raubüberfalls im Gefängnis

Der frühere amerikanische Football-Star O.J. Simpson darf vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Ein Begnadigungsausschuss entschied im US-Bundesstaat Nevada, dass er das Gefängnis im Oktober auf Bewährung verlassen dürfe. Simpson hatte zuvor in einer Anhörung für seine frühzeitige Entlassung aus der Haft geworben. Der 70-Jährige reagierte emotional und bedankte sich mehrfach. Er war 2008 von einem Gericht wegen bewaffneten Raubs und Körperverletzung zu einer Mindeststrafe von neun Jahren verurteilt worden. Simpson erklärte, er habe bei dem Vorfall niemals mit einer Waffe auf jemanden gezielt oder Drohungen ausgesprochen. Eines der beiden Opfer des Überfalles, Bruce Fromong, bestätigte diese Angaben im Zuge der Anhörung. In dem Verfahren von 2008 ging es nicht um den Tod von Simpsons Ex-Frau Nicole Brown Simpson und deren Freund Ronald Goldman. Simpson war 1994 beschuldigt worden, die beiden mit Messerstichen getötet zu haben. 1995 stand der einstige Football-Star, der auch in den "Nackte Kanone"-Filmkomödien der 80er und 90er Jahre mitspielte, deswegen vor Gericht, wurde aber letztendlich freigesprochen.

Madame Tussauds: Beyoncé zu weiß

Museum weist Kritik zurück

Der New Yorker Ableger des Londoner Wachsfigurenmuseums "Madame Tussauds" macht mit einer angeblich zu weißen Beyoncé-Figur von sich reden. Die neue Figur der Popsängerin gleiche ihrer Hautfarbe nach eher Lindsey Lohan, Jessica Simpson, Britney Spears oder Mariah Carey, schrieben Nutzer auf Twitter. Einige verwendeten den Hashtag #TussaudsSoWhite in Anspielung an das Stichwort #OscarsSoWhite, das in der Kontroverse um überwiegend weiße nominierte Schauspieler bei der Oscar-Verleihung genutzt worden war. Das Museum wies die Kritik zurück und erklärte, die Beleuchtung sowie Blitzlichter beim Fotografieren könnten Gründe für abweichende Hauttöne sein. "Unser talentiertes Bildhauer-Team tut alles, um sicherzustellen, dass wir unsere Wachsfiguren mit den dargestellten Prominenten farblich abstimmen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Am Donnerstag war dann die erst kürzlich enthüllte Figur nicht mehr ausgestellt. Sie sei für "Reparaturen" entfernt worden, sagte eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur, ohne konkrete Gründe zu nennen. Teils müsste kosmetisch nachgeholfen werden, wenn Besucher den Figuren ins Gesicht fassten oder Farbe verschmierten.

Notfallboxen im Landtag Rheinland-Pfalz eingeführt

Schnelle Sicherung von Dokumenten bei Feuer und Wasserschaden

Die rund 20 Millionen Dokumente des Landtags Rheinland-Pfalz können bei Feuer, Hochwasser oder Regenschaden nun schnell gesichert werden. Die Mitarbeiter von Archiv und Bibliothek erhielten Notfallboxen mit zahlreichen Hilfsmitteln. In den Kästen liegen Schwämme, Bürsten, Tüten und Folien für die Archivalien genauso wie Gummistiefel, Overalls, Handschuhe und Masken für die Mitarbeiter. "Wir sind vorbereitet, falls mal ein Unglück passieren sollte", sagte Landtagspräsident Hendrik Hering bei der Übergabe. Er erinnerte an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs. In solch einem Fall fehle es oft am Nötigsten wie Taschenlampen und Erste-Hilfe-Sets. Auch seien Aufkleber wichtig, um zu wissen, was sich in welchen Tüten befinde. Der Landtag beherberge zum Beispiel Originalausfertigungen aller Gesetze sowie Dokumente zur Entstehung des Landes.

Centre Pompidou plant Filiale in China

Vertrag für Museum in Schanghai soll demnächst unterzeichnet werden

Das Pariser Centre Georges-Pompidou unterzeichnet demnächst einen Vertrag für eine Filiale in Schanghai. Laut der britischen Zeitung "Guardian" soll das "Centre Pompidou Shanghai (West Bund)" in den ersten fünf Jahren nach seiner Fertigstellung rund 20 Ausstellungen zeigen. Ausgeführt wird der Bau nach Plänen des britischen Stararchitekten David Chipperfield als Seitenflügel des neuen "West Bund Art Museum", das derzeit im ehemaligen Industrieviertel Xuhui entsteht. 2019 soll das chinesische Pompidou seine Tore öffnen. Das Pompidou besitzt bereits eine Filiale, das Centre Pompidou Metz in der lothringischen Hauptstadt, und plant laut "Guardian" weitere in Südkorea und Belgien.

Kulturnachrichten hören

Juni 2017
MO DI MI DO FR SA SO
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

Fazit

Kunstfälschungen"Heute juristisch nicht mehr relevant"
Eine Doppelbelichtung der Dada-Künstlerin Hannah Höch (Auszug der Fotografie um 1930).  (picture-alliance / Stephanie Pilick)

Offenbar sind gerade wieder etliche renommierte Kunstmuseen von Fälschungen betroffen. Im Zentrum steht die Sammlerfamilie Koretzky und eine Galerie, von der nicht feststeht, ob es sie wirklich gegeben hat. Kunstjournalist Carsten Probst erklärt die Zusammenhänge.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur