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Kulturnachrichten

Sonntag, 30. April 2017

Benslama: "Radikalisierung ist oft Zufall"

Islamforscher befürwortet Einschränkung von Rechten wegen des Terrors

Sich zu radikalisieren habe oft viel mit Zufall zu tun, sagte der französische Islamkenner, Fethi Benslama, in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Hätte die Radikalisierung nur politische oder soziologische Ursachen, dann müsste es bei den heutigen Verhältnissen weitaus mehr Fälle von Radikalisierung geben", meint der Psychoanalytiker, der mit Radikalisierten arbeitet: Viele von ihnen "haben in ihrem alten Leben unverschuldet eine traumatische Erfahrung gemacht. Sie wurden beispielsweise vergewaltigt oder erlebten einen schweren Unfall. Oder sie haben irgendwann eine schlechte Bekanntschaft gemacht". Die Pubertät sei eine psychologisch sehr turbulente Zeit, in der man nach Bestätigung und Idealen suche. Und genau da setze der Dschihad an und biete eine Mission: "Der Islamismus sagt: Komm zu uns, dann bist du bedeutsam, stark und wirst ein großer Krieger. Vielen jungen Leuten erscheint die Aussicht auf Krieg als Abenteuer", so Benslama. Anlässlich des vom Bundestag verabschiedeten Sicherheitspakets sagte er, der drohende Terror mache es notwendig, viele Rechte einzuschränken. Mit dem Ausnahmezustand sei man dabei in Frankreich "noch viel weiter gegangen", da die Bedrohung dort größer sei als in Deutschland. Zudem interveniere Frankreich im Nahen Osten militärisch stärker als Deutschland, unterstrich der Islamforscher.

Iranischer Filmregisseur Karimi frühzeitig aus Haft entlassen

Dank internationalen Drucks blieben ihm 223 Peitschenhiebe erspart

Dank internationalen Drucks auf Teheran habe der preisgekrönte iranische Filmregisseur Keywan Karimi nur fünf Monate seiner einjährigen Haftstrafe ableisten müssen, sagte Karimi der Nachrichtenagentur AP. Außerdem seien ihm 223 Peitschenhiebe erspart geblieben. Karimi war im vergangenen Jahr wegen Religionsbeleidigung verurteilt worden. Grund war ein von ihm gedrehter Film über politisches Graffiti im Iran von der Revolution 1979 bis zur umstrittenen Wahl 2009. Nach seiner Entlassung sagte Karimi der AP, er wolle weiter Filme machen, wisse aber nicht, ob das im Iran möglich sei.

Nahles will höhere Löhne für den Dienstleistungssektor

Bundesarbeitsministerin kündigt einen Gipfel für "Tarifvertrag Soziales" an

"Wir brauchen in Deutschland einen Pakt für anständige Löhne", sagte die SPD-Politikerin der "Bild am Sonntag". Für einen "Tarifvertrag Soziales" wolle sie Vertreter von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und der Koalition am 19. Juni ins Arbeitsministerium einladen. Denn nur ordentliche Löhne könnten den Fachkräftemangel beheben: "Wer Dienst am Menschen leistet - zum Beispiel in Pflegeberufen - muss besser bezahlt werden", fordert Nahles. Nach Angaben der Ministerin sind vor allem Arbeitnehmer im Bereich Gesundheit und Soziales, in Einzel- und Versandhandel, in der Logistik oder in der Gastronomie von stagnierenden oder sinkenden Einkommen betroffen. Ihre Löhne seien zudem von der guten Entwicklung abgekoppelt. "Mit dem riesigen Niedriglohnsektor in Deutschland dürfen wir uns nicht abfinden", mahnte sie: "Es gibt Millionen Deutsche, die viele Jahre hart arbeiten, und trotzdem nicht zurechtkommen. Das zerreißt eine Gesellschaft und schadet der Konjunktur." Nahles kritisierte zugleich die Millionengehälter der Manager und forderte die Aufsichtsräte auf, "solche Auswüchse zu stoppen".

De Maizière: "Wir sind nicht Burka"

Bundesinnenminister legt zehn Thesen zur deutschen Leitkultur vor

"Über Sprache, Verfassung und Achtung der Grundrechte hinaus gibt es etwas, was uns im Innersten zusammenhält, was uns ausmacht und was uns von anderen unterscheidet", schreibt de Maizière in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Wer sich seiner eigenen Kultur sicher sei, sei stark, erklärte der Christdemokrat. De Maizière führt zehn Eigenschaften auf, die seiner Auffassung nach Teil einer deutschen Leitkultur sind, wie etwa soziale Gewohnheiten: In Deutschland gebe man sich zur Begrüßung die Hand, zeige sein Gesicht und nenne seinen Namen. "Wir sind nicht Burka", schreibt er. Zur Leitkultur gehörten zudem Allgemeinbildung, der Leistungsgedanke, das Erbe der deutschen Geschichte mit dem besonderen Verhältnis zu Israel und der kulturell-philosophische Reichtum. Deutschland sei ein christlich geprägter, Religionen freundlich zugewandter, aber weltanschaulich neutraler Staat, so de Maizière. Die Gesellschaft sei konsensorientiert und Kompromisse konstitutiv für die Demokratie. Auch einen "aufgeklärten Patriotismus" zählt der CDU-Politiker zur Leitkultur. Deren Teil seien auch die Westbindung Deutschlands, sein Bekenntnis zu Europa sowie ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte, Ereignisse und Traditionen. Bei Einwanderern, die "eine solche Leitkultur weder kennen, vielleicht nicht kennen wollen oder gar ablehnen (...) wird die Integration wohl kaum gelingen", gab de Maizière zu bedenken.

Coppola: "Der Pate" würde heute nicht mehr finanziert

US-Starregisseur über die Entwicklungen in Hollywood

Die großen Hollywood-Studios finanzierten heute nur noch Filme, von denen "mehrere Fortsetzungen" gedreht werden könnten, sagte der 78-Jährige beim Tribeca-Filmfestival in New York. Er sei überzeugt, dass kein Studio grünes Licht für eine so aufwändige Mafia-Trilogie geben würde. Coppola erzählte, das Filmstudio Paramount habe anfangs weder seinen späteren Hauptdarsteller Marlon Brando noch Al Pacino engagieren wollen. An der Gesprächsrunde mit Coppola nahmen auch Pacino, Robert Duvall, Robert DeNiro und Diane Keaton teil. "Der Pate" war vor 45 Jahren Coppolas Durchbruch als Regisseur. Für den ersten Teil der Trilogie erhielt er 1972 den Oscar für das beste Drehbuch, für den zweiten Teil bekam er 1975 sogar drei Oscars.

Endrik Wottrich ist tot

Der Wagner-Sänger starb im Alter von 52 Jahren

Wie Wottrichs Manager heute bestätigte, starb der Tenor bereits am vergangenen Mittwoch im Alter von 52 Jahren an Herzversagen. Der Sänger war auf vielen berühmten Bühnen der Welt zu hören gewesen, etwa an der Mailänder Scala oder der Semperoper Dresden. An der Berliner Staatsoper war Wottrich von 1993 bis 1999 engagiert. Auch bei den Bayreuther Festspielen sang er über viele Jahre.

Sybille Steinbacher tritt bundesweit erste Holocaust-Professur an

Historikerin von international besetzter Berufungskommission empfohlen

Die Historikerin Sybille Steinbacher übernimmt die bundesweit erste Holocaust-Professur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie tritt ihr Amt offiziell an diesem Montag an. Steinbacher wurde von einer international besetzten Berufungskommission empfohlen und von Senat und Präsidium der Universität berufen. Die 1966 in München geborene Steinbacher hatte zuletzt an der Universität Wien Zeitgeschichte gelehrt. Sie gilt als renommierte Expertin auf dem Gebiet der Holocaust-Forschung. Die Professur ist im Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften angesiedelt. Der neue Lehrstuhl ist zudem mit der Leitung des Fritz-Bauer-Institutes in Frankfurt verbunden, das den Holocaust erforscht und dokumentiert.

"Kuppelschows" und Wikipedia in der Türkei gesperrt

Internet-Beobachtergruppe entdeckte die Sperrung

Türkische Fernseh- und Radiosender dürfen keine Shows mehr ausstrahlen, in denen Singles verkuppelt werden. Sie widersprechen der Religion und den türkischen Sitten: "Es gibt einige merkwürdige Sendungen, die die Institution der Familie beschädigen und ihr die Würde und Heiligkeit nehmen", sagte der Vizeregierungschef Numan Kurtulmus als Begründung. Seit gestern ist die Online-Plattform Wikipedia in der Türkei nicht mehr erreichbar. Betroffen sind alle Sprachausgaben. Das teilte die Internet-Beobachtergruppe "Turkey Blocks" auf ihrer Internetseite mit. Kritiker hatten den türkischen Behörden wiederholt vorgeworfen, insbesondere nach Militärattacken den Zugang zu sozialen Medien wie Twitter und Facebook zu sperren. Wikipedia sei "Teil einer Hetzkampagne gegen die Türkei", begründet die zuständige Behörde. Das Land werde in Artikeln mit Terrororganisationen gleichgesetzt.

51. Art Cologne zieht Bilanz

52 000 Besucher und 2000 Künstler waren in diesem Jahr in Köln

Gestern war der letzte Messetag, jetzt ziehen die Veranstalter der Art Cologne Bilanz: 52 000 Besucher haben seit dem 25. April die Werke von 2000 Künstlern angeschaut. 200 Galeristen aus 28 Ländern zeigten in Köln Bilder und Skulpturen der klassischer Moderne, Nachkriegskunst und zeitgenössischer Kunst. Dass die Zahlen von 2016 (60 000 Besucher) nicht erreicht wurden, sei keine Schmach, sagte ein Sprecher, schließlich habe es sich letztes Jahr um die Jubiläumsausgabe gehandelt.

Performancepionier Vito Acconci gestorben

Der US-amerikanische Performance- und Installationskünstler wurde 77 Jahre alt

Vito Acconci ist am Freitag im Alter von 77 Jahren in New York gestorben. Das teilte das Kunstmagazin "Monopol" unter Berufung auf Acconcis Studio mit. Geboren 1940, studierte Acconci ursprünglich Literatur, ab den späten 1960er-Jahren entwickelte sich seine Kunst in Richtung Performance und Videokunst. Seine bekannteste Arbeit aus dieser frühen Zeit ist "Seedbed" von 1972. Dabei legte sich Acconci unter einen Holzboden und masturbierte, während er den Besuchern über ihm per Lautsprecher seine Fantasien mitteilte. Später experimentierte der Künstler mit Medienkunst im öffentlichen Raum. Zeitlebens lehrte Acconci auch an verschiedenen Instituionen, z.B. dem California Institute of the Arts. 2013 wurde er in die traditionsreiche Künstlervereinigung National Academy gewählt.

Michael Ballhaus in Berlin beigesetzt

Prominente aus Kultur und Politik erwiesen Kamerakünstler die letzte Ehre

Der Kameramann Michael Ballhaus ist auf dem Waldfriedhof Dahlem in Berlin beigesetzt worden. Ballhaus war am 12. April im Alter von 81 Jahren gestorben.
An der Trauerzeremonie nahmen neben der Familie und Freunden auch zahlreiche Prominente aus Kultur und Politik teil. So gehörten zu den Trauergästen unter anderem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender, die Regisseure Tom Tykwer und Wim Wenders sowie die Schauspielerinnen Katja Riemann und Karoline Herfurth. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und sein Amtsvorgänger Klaus Wowereit kamen.

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Fazit

Markus Lüpertz-AusstellungEin Künstler hat Federn gelassen
(picture alliance/dpa/Uli Deck)

„Kunst, die im Wege steht“, so heißt die Ausstellung von Markus Lüpertz im ZKM Karlsruhe. Lüpertz gibt den Malerfürsten wie eh und je - unser Autor fühlte sich vom Auftritt des angriffslustigen Malers ausgezeichnet unterhalten. Seine Kunst dagegen wirke harm- und hilflos.Mehr

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