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Montag, 18.12.2017

Kompressor | Beitrag vom 27.11.2017

Künstlerkollektiv Peng Haunted Landlord - Die Rache der Entmieteten

Mirjam Kid im Gespräch mit Max Oppel

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(picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Kein Einzelfall: das als "Horrorhaus" bekannt gewordene Haus in der Grunewaldstraße in Berlin, das die Eigentümer angeblich gezielt verwahrlosen lassen haben. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Das Künstlerkollektiv Peng hat die Leidensberichte von "Entmieteten" gesammelt. In einer großen Telefonaktion konfrontieren die Aktivisten jetzt Vermieter mit den Geschichten. Mirjam Kid hat sich umgehört, wie Vermieter- und Mietervertreter die Aktion bewerten.

"Es ging so weit, dass ich nach Hause gekommen bin, öffnete meine Tür und da kam das Wasser von der Decke. Aber keiner wohnte mehr über mir. Alle waren schon weggezogen. In dem anderen Seitenflügel ist genau das Gleiche parallel passiert."

"Als unsere Badewanne eine Roststelle bekamt, wurde sie uns ausgebaut. Doch den Einbau einer neuen Badewanne haben Sie immer wieder verzögert. Am Ende waren es insgesamt zehn Monate, die unsere WG kein funktionierendes Badezimmer hatte."

Wenn bei Vermietern in dieser Woche das Telefon klingelt, kann es sein, dass am anderen Ende der Leitung eine Stimme diese oder ähnliche Geschichten erzählt: von drastischen Methoden Mieter loszuwerden, um deren Wohnungen gewinnträchtiger vermarkten zu können. Hart am Rande der Legalität - oder auch jenseits davon.

Geplant hat die Aktion das Berliner Politkünstlerkollektiv "Peng": "Mit einem Bot rufen wir besonders skrupellose Immobilienfirmen und Hauseigentümer*innen an und konfrontieren sie mit den Schicksalen der von ihnen verdrängten Menschen", heißt es in der Ankündigung der Aktion auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite hauntedlandlord.de. Etwa 20 bis 30 Mal pro Tag werden die Immobilienfirmen und Hauseigentümer angerufen.

"Haus & Grund": Die meisten Privatvermieter verhalten sich korrekt

Beim Verband "Haus & Grund" betrachtet man die Aktion mit Skepsis, wie unsere Reporterin Mirjam Kid festgestellt hat: Der Verband befürchte, dass das ohnehin sehr negative gesellschaftliche Image von Vermieten dadurch weiteren Schaden nehmen könnte.

Den Vorwurf unlauterer Machenschaften von Vermietern weist der Verband der privaten Haus- und Grundeigentümer Kid zufolge zurück: "Der stellt sich eigentlich vor seine Schäfchen und sagt, in der absoluten Überzahl der Fälle würden sich private Vermieter ihren Mietern gegenüber korrekt verhalten. Die sehen da eher Immobilienkonzerne und große Projektentwickler in der Kritik." 

Immerhin habe Präsident Kai Warnecke eingeräumt, dass es auch unter Privatvermietern ein paar schwarze Schafe gebe. Diese sollten aber nicht das Gesamtbild der Vermieter prägen.

Positive Reaktionen vom Deutschen Mieterbund

Positiv bewertete hingegen der Deutsche Mieterbund die Aktion. Dessen Geschäftsführer Ulrich Ropertz sagte:

"Das ist natürlich eine interessante Aktion, weil sie vor allen Dingen dazu dient, das Problem, das wir insbesondere in den Städten haben, sichtbar zu machen. Man spricht häufig einfach ganz anonym davon, dass Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt werden, dass mit Wohnungen ein Geschäft gemacht wird und Mieter so ihre Wohnung verlieren. Und durch diese Aktionen bekommen diese Mieter indirekt eine Stimme. Es wird einfach personalisiert und emotionalisiert. Das ist gut, das ist wichtig."

(uko)

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