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Samstag, 16.12.2017

Tonart | Beitrag vom 12.10.2017

Konzert von Morrissey in Berlin Vom Bühnenheiligen zum Bühnenarbeiter

Tonart-Redakteur Tarik Ahmia im Gespräch mit Carsten Beyer

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Der britische Sänger Morrissey bei einem Konzert im Berliner Club "SchwuZ" (Screenshot aus dem Livestream von Arte Concert)
Der britische Sänger Morrissey bei einem Konzert im Berliner Club "SchwuZ" (Screenshot aus dem Livestream von Arte Concert)

Der 58-jährige britische Sänger Morrissey ist zurück. Kurz vor Erscheinen seines Albums "Low in High School" gab er in Berlin ein kleines Konzert. Trotz seines Alters klinge Morrisseys Stimme strahlend wie eh und je, meint Tonart-Redakteur Tarik Ahmia.

Biografisch erlebte die Pop-Legende Morrissey in den letzten Jahren eine Berg- und Talfahrt: 2014 wurde der ebenso exzentrische wie scharfzüngige Feingeist von seinem Label fallengelassen, er erkrankte an Speiseröhrenkrebs - und veröffentlichte seinen ersten Roman. Dann wurde es stiller um ihn. Doch nun ist Morrissey wieder da.

Für den 17. November 2017 ist sein neues Album "Low in High School" angekündigt und am Dienstagabend gab Morrissey in Berlin ein kleines, intimes Konzert, das der Kulturkanal ARTE übertragen hat. Dort bot er auch einen Vorgeschmack auf die neuen Songs.

Tonart Redakteur Tarik Ahmia war dabei und hat die lebende Pop-Legende in guter Form erlebt. "Er gab ganz den distinguierte britischen Gentleman", sagte Ahmia. Surreal habe es auf ihn aber gewirkt, die übergroße Ikone der Popgeschichte wie Morrissey auf der kleinen Bühne eines Berliner Kellerklubs vor ungefähr 350 Leuten zu erleben. Aber auch der mittlerweile 58-jährige Morrissey komme in die Jahre. Seine Stimme klinge jedoch so strahlend wie eh und je.

"Er hat sehr viele Menschen auf der ganzen Welt berührt"

Fünf der 14 Songs, die Morrissey mit seiner gut aufgelegten Band spielte, gaben einen Vorgeschmack auf das neue Album. Die Zuneigung der 350 anwesenden Zuschauers für den ehemaligen Sänger der Smiths war wie gewohnt innig. Zurecht, meint Tonart Redakteur Tarik Ahmia:

"Morrissey hat in seiner Karriere Werke geschaffen, die wie nur wenige andere die befreiende, ja erlösende Wirkung von Popmusik erlebbar machen. Damit hat er sehr viele Menschen auf der ganzen Welt tief berührt."

Elektrisierend fand Ahmia die gebotene Show jedoch nicht: "Morrissey hat sich vom früheren Bühnenheiligen zum Bühnenarbeiter gewandelt." Allerdings beherrsche er noch immer sein Handwerk, etwa, wenn er sich beim Singen mit einer Mischung aus Gladiator und Herzensbrecher in Pose wirft.

Morrissey dominiere die Bühne nach wie vor so sehr, dass es fast egal sei, welche Songs er spiele. "Beim Morrissey Konzert fand ich es vor allem spannend zu beobachten, wie Morrissey damit umgeht, die überlebensgroße Figur Morrissey zu sein", so der Tonart Redakteur.

Das Konzert ist bis zum 12. Oktober auf concert.arte.tv zu sehen.

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