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Kommentar | Beitrag vom 12.08.2017

Kommentar zum Nordkorea-KonfliktVerbal abrüsten, sofort!

Von Kathrin Erdmann

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US-Präsident Donald Trump (links). Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un.  (dpa / MAXPPP / Kyodo)
Verbales Aufrüsten zwischen US-Präsident Donald Trump (links) und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un (dpa / MAXPPP / Kyodo)

US-Präsident Donald Trump droht Nordkorea mit einem Militärschlag. Nordkorea kündigt weitere Raketentests an. Schlimmstes kann nun nur noch verhindert werden, wenn beide die Kriegsrhetorik einstellen. Die Welt braucht keinen weiteren Konflikt.

Donald Trump fährt im Cabrio eine Straße entlang, hinter sich her zieht er auf einem Anhänger die Welt. Die guckt ängstlich - aber das sieht er gar nicht. Der US-Präsident schaut nach vorn. Er könnte sich für die breite Straße der Diplomatie entscheiden. Doch er biegt rechts ab, wählt stattdessen "Feuer und Wut" - eine Anspielung auf seine Drohung, Nordkorea damit zu überziehen, wenn es nicht abrüstet und seine Raketentests einstellt. An der Straße wartet bereits Kim Jong Un auf ihn, streckt ihm wie ein ungezogener Junge die Zunge raus.  

Verbaler Schlagabtausch zweier Egomanen 

Trump hat die Faust zum Sieg in die Höhe gestreckt, ruft laut "GAA" und übersieht dabei völlig, dass er auf den Abgrund zurast - und dann die ganze Welt mitreißen würde. Diese Karikatur aus der südkoreanischen Tageszeitung "Korea Times" illustriert, was die Öffentlichkeit in dieser Woche erlebt hat: Einen verbalen Schlagabtausch zweier Egomanen, der die Region in Aufregung versetzt hat, obwohl es dafür zum jetzigen Zeitpunkt im Grunde keinen Anlass gibt.

Gerade erst haben die Vereinten Nationen die Sanktionen gegen Nordkorea erneut verschärft, als Reaktion auf dessen jüngsten Raketentest Ende Juli. Diese Sanktionen wurden erneut von China mitgetragen, das immer noch der wichtigste Handelspartner der Diktatur ist. Im Grunde ein Punktsieg für Donald Trump, auch wenn unklar bleibt, ob am Ende nicht das nordkoreanische Volk dadurch viel mehr bestraft wird als das Regime. Aber immerhin ist die Weltgemeinschaft geschlossen aufgetreten, keine Selbstverständlichkeit, wie wir im seit Jahren im Syrienkonflikt sehen.

Bärendienst für Kim Jong Un

Doch statt nun abzuwarten, wie Nordkorea reagiert, griff der Trump ganz tief in die populistische Kiste, holte Feuer und Wut heraus, trat sogar nochmal nach damit, dass Nordkorea schon bei dem Gedanken an einen Angriff auf die Pazifikinsel Guam sehr, sehr nervös werden sollte. Er markierte den starken Mann, der Nordkorea in die Schranken weist. Und er erwies Kim Jong Un damit einen Bärendienst, denn das Land beherrscht seitdem gleichermaßen die Schlagzeilen. Sozusagen auf Augenhöhe mit dem mächtigsten Mann der Welt, Donald Trump, um dessen Aufmerksamkeit der Machthaber buhlt.

Und es kam natürlich wie erwartet: Nordkorea kläffte zurück, brachte gleich vier Raketentests in unmittelbarer Nähe der US-Pazifikinsel Guam ins Gespräch, ja führte den Präsidenten sogar vor - in dem es ebenfalls von "Feuer, in das Guam gehüllt werden soll" sprach und machte sich über Trump als "senilen Mann,  der nicht rational denken kann," lustig und ließ verlauten - so mancher mag insgeheim genickt haben - der Präsident gehe einem furchtbar auf die Nerven. 

Genützt haben die Verbalattacken keinem - im Gegenteil. Trump kann sich zwar seiner Verbündeten in der Region, Japan und Südkorea, als Weltmacht natürlich weiterhin sicher sein. Beide Länder brauchen die USA und doch, wer genau hinschaut, kann sehen, wie wenig Südkorea für diese Art von Äußerungen übrig hat, und wie besorgt es gleichzeitig darüber ist. Demonstrativ verkündete die Führung, man setze weiter auf einen Dialog mit Nordkorea und habe sich mit den USA verständigt, nur gemeinsam zu handeln.

Südkorea hat viel zu verlieren 

Südkorea hat viel zu verlieren. Bei einer kriegerischen Auseinandersetzung, so fürchtet man, würde Kim Jong Un, die erste Bombe über dem Süden abwerfen. Auch wirtschaftlich wäre so ein Szenario für das Land eine Katastrophe. Anders sieht es mit Japan aus. Dort dürfte die Eskalation Regierungschef Abe nicht unlieb sein, arbeitet er doch seit Langem an der militärischen Aufrüstung seines Landes. Erst seit vergangenem Jahr erlaubt es ein neues Gesetz, auch Verbündeten militärisch zur Seite zu stehen, falls diese angegriffen würden. Die friedliebenden Japaner sehen die Pläne Abes, auch international militärisch eine stärkere Rolle zu spielen, bislang skeptisch. Doch wenn die Bedrohung größer und größer wird, könnte sich das ändern.   

Auffällig still ist in diesen Tagen China geblieben; es hat keinerlei Interesse an einer weiteren Eskalation. Die bedeutet nämlich vor allem eines: Die USA rüsten in der für beide Seiten strategisch wichtigen Region weiter auf. China will am liebsten den Status quo in Nordkorea aufrechterhalten und Ruhe an der Front. Deshalb ist es klug gewesen, sich hier nicht auch noch einzumischen. Doch das geht nicht ewig so weiter.  

China sollte Chance als Vermittler nutzen 

Auch wenn sein Einfluss auf Nordkorea längst nicht mehr so groß wie früher ist, sollte China hier doch die Chance als Vermittler nutzen und allen Seiten klar machen. Die Situation ist gefährlich, aber noch kann der US-Präsident scharf bremsen und mit der Welt im Schlepptau auf die linke Spur wechseln, die der Diplomatie. Dafür müssen alle Seiten etwas tun. Nordkorea sein Raketen- und Atomprogramm beenden, die Länder der Region ihre Manöver einstellen und ebenfalls abrüsten.

Die Welt braucht keinen weiteren Konflikt.

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