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Studio 9 | Beitrag vom 22.09.2017

Köstliche Entdeckung Das neue Bier-Glück: Hordenin für alle

Moderation: Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Graffiti eines Biertrinkers an einer Hauswand (imago stock&people / Steinach)
Graffiti eines Biertrinkers an einer Hauswand (imago stock&people / Steinach)

Bier macht glücklich, hat der Wissenschaftler Thomas Sommer herausgefunden. - Was sich wie eine Binsenweisheit anhört, ist eine kleine Forschungssensation. Hordenin heißt der Bier-Inhaltsstoff, der im Gehirn für fröhlichen Aufruhr sorgt. Und noch etwas: Man muss sich dafür nicht besaufen.

Bier soll glücklich machen. Das hat der Lebensmittelchemiker von der Uni Erlangen-Nürnberg, Thomas Sommer, zusammen mit seinen Kollegen herausgefunden. Zwar sei Glück ein schwieriger Begriff und wissenschaftlich nur schwer zu definieren, sagt Sommer, aber dieses Hochgefühl, das Bier offenbar auslöst, sei etwa vergleichbar mit dem für die meisten eindeutig positiven definierten Moment des Verzehrs von Kartoffelchips: "Das liegt daran, dass diese Chips im Gehirn Dopamin freisetzen und das freigesetzte Dopamin aktiviert dann wiederum Dopaminrezeptoren im Gehirn."

"Ich möchte gar nicht mehr aufhören"

Im Bier sei nun die Substanz Hordenin gefunden worden mit einer dem Dopamin ähnlichen Wirkung. Zwar setze Hordenin kein Dopamin im Gehirn frei, aber es sei in der Lage, die Dopaminrezeptoren dort zu aktivieren und damit Zufriedenheit bei den Konsumenten auszulösen. Und dies sorge dafür, dass eben der Biertrinker das Gefühl hat: "Ich möchte gar nicht mehr aufhören!"

Dieser Fund des Hordenin und seiner Wirkung sei für die Forscher ein Zufallsfund, sagte Sommer: "Wir haben 13.000 verschiedene Lebensmittelinhaltsstoffe untersucht und haben uns überhaupt nicht auf die Genussmittel konzentriert, sondern es kam wirklich dabei heraus, dass dieser Bierinhaltsstoff wirklich die beste Aktivität gegenüber dem Dopamin-D2-Rezeptor aufwies."

Genaue Forschungen zur Menge stehen noch aus

Die Wissenschaftler aber ständen noch am Anfang ihrer Studien, sagte Sommer. "Wir konnten bisher nur im Zellmodell zeigen, dass das Hordenin eben in der Lage ist, diese Rezeptoren zu aktivieren." Nun erforschten die Wissenschaftler, in welchen Mengen das Hordenin nun überhaupt im Bier vorkomme. "Allerdings kann ich schon jetzt sagen, dass die Hordeninmengen in einem Bier ausreichen dafür, dass es einen Effekt auslösen kann im Gehirn", sagte Sommer. Nun werde erforscht, wie schnell die Aufnahme geschehe und was dies für Auswirkungen habe.

"Prinzipiell ist es so: Je mehr man trinkt, umso stärker sind die Effekte", sagte Sommer und betonte,  um an dieses Hordenin zu kommen, könne man auch - fast - nüchtern bleiben: "Es ist auch im alkoholfreien Bier drin. Das Hordenin selbst stammt aus dem Gerstenmalz und geht beim Bierbrauen aus dem Gerstenmalz in das Bier über. Das gleiche gilt für Malzgetränke - da ist es auch drin."

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