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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.01.2017

Kafkas "Schloss" in MünchenK. ist allein gegen den Herdentrieb

Von Christoph Leibold

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(Arno Declair/Münchner Volkstheater)
Die Schauspieler (von links) Mara Widmann, Silas Breiding, Jakob Geßner in Nicolas Charauxs Inszenierung von "Das Schloss" (Arno Declair/Münchner Volkstheater)

Am Münchner Volkstheater hat sich der junge französische Regisseur Nicolas Charaux an einer Bühnenadaption von Franz Kafkas Roman "Das Schloss" versucht. Mit Erfolg, findet unser Kritiker.

K.  - wie so oft bei Kafka, bleibt die Hauptfigur namenlos, ein Buchstabe genügt - K. also kommt als Fremder in ein Dorf. Und wird fremd bleiben. Der örtliche Schlossherr hat ihn als Landvermesser bestellt, der Zutritt ins Schloss aber bleibt K. ebenso verwehrt wie die Aufnahme in die Dorfgemeinschaft.

In Nicolas Charaux' Inszenierung bilden diese geschlossene Gesellschaft acht Schauspieler (vier Frauen und vier Männer) in zottligen Pelzmänteln, die sich wie Tiere dem Herdentrieb folgend gegen K. zusammenrotten. Wer dazu gehört und wer draußen bleiben muss, entscheidet sich willkürlich. Jede oder jeder wird mal als K. aus der Gruppe ausgesondert.

Kafka wird nicht komplett entschlüsselt

Nicolas Charaux versucht  Kafkas "Schloss" nicht komplett aufzuschlüsseln. Das ist gut so. Denn so wie das Schloss im Roman für K. versperrt bleibt, sperren sich Kafkas Texte gegen eindeutige Lesarten. Wer sich festlegt, verengt den Blick und hat schon verloren.

Ebenso gut wie die Erzählung über das aktuelle brennende Thema Ab- und Ausgrenzung steckt in Charaux' Inszenierung eine Daseins-Metapher menschlichen Lebens und Strebens in seiner ganzen Vergeblichkeit, und vieles mehr. Und vor allem: Kafka ist bei Charaux nicht nur unheimlich, sondern auch unheimlich komisch. Eine Qualität, die andere Kafka-Adaptionen im Theater allzu oft vermissen lassen.

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