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Freitag, 15.12.2017

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 21.11.2013

Kaffee für BedürftigeDie gute Tat im Café

Der "Suspended Coffee"-Trend kommt nach Deutschland

Von Astrid Wulf

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Die Cafébetreiberin Dijana Ilic (Astrid Wulf)
"Suspended Coffee": Etwa 30 Cafés machen bundesweit mit. (Astrid Wulf)

Der Kunde bestellt einen Kaffee für sich - und einen aufgeschobenen. Den kann sich irgendwann ein Bedürftiger abholen. "Suspended Coffee" nennt sich dieses Prinzip, das es inzwischen auch in vielen deutschen Cafés gibt. Besuch in einem Café in Hamburg.

„Moin!“

„Hallo!“

„Ich hätte gern einen Kaffee und einen Aufgeschobenen.“

„Gern. Dann machen wir zwei Café Creme.“

„Gerne.“

Und wieder landet ein Bon in dem Glas, das neben der Kasse aufgestellt ist. In diesem Glas hat sich schon der eine oder aufgeschobene Kaffee, Cappuccino und Kakao angesammelt. Diese Getränke sind für Bedürftige da, die sich hier wohl keinen Kaffee leisten könnten. Für Dijana Ilic passte die Idee hinter dieser Bewegung perfekt zum ökologischen Konzept ihres Cafés.

“Viele vergessen, dass zur Umwelt auch andere Menschen gehören. Als wir damals davon gehört haben, war es klar, wir machen mit, weil es eine schöne Sache ist, die wir weitergeben wollen.“

Vor allem Obdachlose nehmen das Angebot an. Theoretisch könnte also auch die Agenturchefin, die ihr Portemonnaie vergessen hat, einen aufgeschobenen Cappuccino bekommen. Es kommt auch vor, dass Studenten, die wenig Geld haben, das „Suspended Coffee“-Schild am Eingang sehen und sich einen Kaffee mitnehmen. Dem Hamburger Timo Franke, der gerade einen Café Creme gespendet hat, gefällt die Vorstellung, einem Unbekannten einen Kaffee auszugeben.

„Ich bin selber als Backpacker, als Reisender in jungen Jahren viel im Ausland unterwegs gewesen und habe da erfahren, dass man vor Ort im Ausland auch ab und zu mal ein bisschen Unterstützung kriegt, mal einen ausgegeben kriegt und ich hoffe, dass ich das an dieser Stelle auch mal zurückgeben kann.“

Die meisten spenden ihr das gleiche Getränk, das sie auch selber trinken – aber eben nicht nur.

“Die wenigsten Obdachlosen – und ich glaube, da kommt jeder mit dem logischen Menschenverstand hinter – trinken gern einen Espresso auf die Schnelle, sondern sie brauchen etwas zum Wärmen. Und etwas großes in seinem Becher und etwas Leckeres. Und deswegen ist es viel im Moment der heiße Kakao, Tee, Café Creme, solche Geschichten.“

In Russland, Mexiko und Kanada sind Suspended Coffee-Bars mittlerweile nichts besonderes mehr. Jetzt nimmt die Idee auch in Europa Fahrt auf. Mehr als 130 Cafés machen schon mit – 30 bei uns in Deutschland. Unter anderem in Kiel, Berlin, Bielefeld, München und eben in Hamburg. Wie viele Cafébesitzer hatte auch Lohascoffee-Chefin Dijana Illic die Befürchtung, dass Obdachlose ihr Café belagern würden, sobald bekannt wird, dass es hier freie Getränke gibt. Diese Sorge war jedoch unbegründet.

“Kaum ein Obdachloser mag sich reinsetzen. Sie holen sich die Getränke raus, gehen wieder und sind glücklich über das Getränk. Die wenigsten kommen hier rein und setzen sich. Es ist ihnen unangenehm.“

Carsharing, Foodsharing die Wohnungstauschbörse airbnb: Teilen liegt momentan voll im Trend. Auch deswegen trifft die „Suspended Coffee“-Bewegung den Zeitgeist. Die Ursprungsidee ist allerdings schon alt. In Neapel, wo Kaffee zu den Grundnahrungsmitteln gehört, haben wohlhabende Männer in der Nachkriegszeit damit angefangen, einen „espresso sospeso“ - einen aufgeschobenen Espresso zu bestellen. Für jemanden, der sich keinen leisten kann. Gerade hier, im ehemaligen Hamburger Problemviertel St. Georg geht das Konzept „Suspended Coffee“ heutzutage auf, sagt Caféchefin Dijana Illic.

“Wir haben ein hohes Pro-Kopf-Einkommen, statistisch gesehen im Vergleich zu anderen Stadtteilen, wir haben aber auch die Leute, die hier auf der Straße schlafen. Und ich glaube, deswegen haut es hin – denn das Bild ist gemischt.“

Auch wenn sich die Idee „Suspended Coffee“ vor allem unter den Bedürftigen erst allmählich herumspricht: Das gefüllte Glas für die aufgeschobenen Getränke spricht für sich. Diese Art, anderen etwas Gutes zu tun, kommt an – im Schnitt landet täglich ein weiterer Bon im Glas.

“Gerade dieses Gefühl, ich habe heute etwas Gutes getan, kann mich aber sofort wieder zurück in meinen Alltag begeben; mit einem guten Gefühl, einem kleinen heldenhaften - das nehmen viele gerne an.“

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