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Buchkritik | Beitrag vom 01.06.2018

J.K. Rowling: "Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie"Der Zauberlehrling und die Wissenschaft

Von Elena Gorgis

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Buchcover J.K. Rowling: "Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie" (Carlsen / picture alliance / dpa / Warner)
Buchcover J.K. Rowling: "Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie" (Carlsen / picture alliance / dpa / Warner)

Zaubertränke, Kräuterkunde oder Wahrsagen: Wie sich J.K. Rowling von uralten Vorstellungen und Überlieferungen hat inspirieren lassen, zeigt "Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie". Und der Band könnte junge Leser nun für das Altertum begeistern.

J.K. Rowling ist Kult. Und trotzdem wird ihr die Ausstellung "Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie", die sie zusammen mit der British Library gestaltet hat, besondere Genugtuung verschafft haben. Denn was die wenigsten wissen: Die Autorin hat klassische Altertumswissenschaften studiert und vieles davon ist in ihre die Bücher eingegangen. Und genau dem trug die Schau Rechnung, wie der jetzt auf Deutsch erschienene Ausstellungskatalog beweist.

Anknüpfen an uralte Vorstellungen

Ein wunderbares Füllhorn aus Schriften, Bildern und Exponaten aus den Archiven der British Library sowie anderer Museen, die belegen, an welche uralten Vorstellungen und Überlieferungen die Magie in den Potter Büchern anknüpft. Unterteilt in sieben Schulfächer, die an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei unterrichtet werden, taucht man u.a. ein in die Geschichte der Zaubertränke, Kräuterkunde oder des Wahrsagen.

Das beginnt schon mit den einleitenden Texten zu den Kapiteln, jedes verfasst von bekannten Briten, wie etwa dem Astronauten Tim Peake – er schreibt über Astronomie – oder dem Tierexperten Steve Backshell zur Pflege magischer Geschöpfe. Ihre Texte, jeder anders und mit eigenem Stil, stimmen wunderbar auf das ein, was in den Kapiteln an Archefakten folgt: ein chinesischer Orakelknochen aus dem Jahr 1192 v. Chr.; Bilder aus antiken Bestiarien über Fabelwesen wie Einhörnern und Drachen; ein Astrolabium aus dem 13. Jahrhundert, mit dessen Hilfe die Bewegungen der Sterne beobachtet werden konnte oder eine Schriftrolle aus dem 16. Jahrhundert, die beschreibt, wie man den Stein der Weisen herstellen kann.

Rowlings Arbeitsweise

Parallel dazu finden sich Skripte von ursprüngliche Szenen, die gestrichen wurden, frühe Zeichnungen, mit denen J.K. Rowling ihre Figuren charakterisierte, und besonders spannend: skizzenartige Plot-Entwürfe, an denen sich ablesen lässt, wie die Britin ihre Bücher plante.

Die wunderschönen Illustrationen der alten Traktate werden um Zeichnungen des Illustrators Jim Kay ergänzt, der die ersten drei Harry-Potter-Bände für Bloomsbury illustrierte.

All das zusammen, die überbordende Fülle magischer Objekte und deren historische Bezüge zeigt, dass der Erfolg der Harry-Potter-Bücher nicht wie oft behauptet allein das Ergebnis einer erfolgreichen Vermarktungsstrategie war, sondern vor allem Rowlings Einfallsreichtum geschuldet ist, mit dem sie kulturelles Erbe und eigene Fantasie wundervoll ineinander verwebt. Gerne würde man noch mehr über die alten Traktate und Artefakte erfahren, aber eine solche Blockbuster-Ausstellung und damit auch der Katalog, kann Vieles natürlich nur verkürzt darstellen.

"Harry Potter" als Gegenstand der Wissenschaft

J.K. Rowling hat eine ganze Generation von Kindern für das Lesen begeistert. Es könnte sein, dass dieser Prachtband jetzt dazu führt, dass sich Harry-Potter-Fans in Scharen für die antiken und mittelalterlichen Quellen begeistern.

Eins aber zumindest steht fest: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu den Ursprüngen Harry Potters hat gerade erst begonnen.

J.K. Rowling: Harry Potter. Eine Geschichte voller Magie
Herausgegeben von der British Library
Übersetzt von Karlheinz Dürr, Anja Hansen-Schmidt und Ursula Held
Carlsen Verlag, Hamburg 2018
256 Seiten, 32 Euro

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