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Kompressor | Beitrag vom 18.08.2017

Isabel SarliVon der Softporno-Queen zur Filmikone

Von Victoria Eglau

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Schauspielerin Isabel Sarli in ihrem Debütfilm "Die grüne Peitsche" (1958) (Incaa.jpg)

Fast 30 Erotik-Filme drehte der Regisseur Armando Bó ab 1958 mit seiner Muse und Geliebten Isabel Sarli. Heute gilt die einstige Softporno-Queen als Ikone der argentinischen Filmgeschichte. Das Filmkollektiv Frankfurt zeigt nun eine Retrospektive.

Als Isabel Sarli 1956 von Armando Bó entdeckt wurde, arbeitete sie als Werbemodel für Hersteller von Seife und Haushaltsgeräten. Im Jahr zuvor war die gelernte Sekretärin mit der üppigen Oberweite zur Miss Argentina gewählt worden. Obwohl Sarli keine schauspielerischen Ambitionen hatte, überredete der Regisseur und Schauspieler Bó die bildhübsche Zwanzigjährige, vor die Kamera zu treten – mit ihm, aber ohne Kleidung.

"Ich sagte ihm: Eine Nacktszene mache ich nicht. Armando versprach mir einen hautfarbenen Badeanzug. Aber der kam im Dschungel, wo wir drehten, nie an."

Der Debütfilm löste einen Skandal aus

In Sarlis Debütfilm "El trueno entre las hojas", der auf Deutsch den Namen "Die grüne Peitsche" erhielt, planscht und schwimmt die brünette Schönheit splitterfasernackt in einem Waldsee. Es war die erste Nacktszene im argentinischen Kino und die junge Sarli wirkte sehr entspannt.

"Ich dachte, die Kamera würde mich aus der Ferne filmen. Ich hatte keine Ahnung, dass es so etwas wie einen Zoom gibt. Der Film verursachte einen Skandal! Wegen dieser Szene berichteten sogar die Magazine Time und Life über mich."

(Incaa)25 Jahre lang Muse und Geliebte: Schauspielerin Isabel Sarli mit Regisseur Armando Bó (Incaa)

"El trueno entre las hojas" war der erste von fast dreißig Erotik-Filmen, die Sarli und Bó gemeinsam drehten. Sie tragen suggestive Titel wie "Fuego" – Feuer, "Fiebre" – Fieber, "Die nackte Versuchung" oder "Tropische Sinnlichkeit". Mit ihrer Mischung aus Wollust und Unschuld avancierte Isabel Sarli in kurzer Zeit zu einem argentinischen Sex-Symbol, das über Lateinamerika hinaus die Leinwände eroberte. In ihrer katholischen Heimat fielen besonders heiße Szenen oft der Zensur zum Opfer. Heute laden die oberflächlich mal kitschig, mal grotesk anmutenden B-Movies zur Wiederentdeckung durch cinephile Nachgeborene ein.

25 Jahre lang Muse und Geliebte Bós

"Ich bin sehr zufrieden mit allen meinen Filmen. Die Journalisten nannten Armando Bó damals einen Pornografen. Sie sagten, sein Kino sei kommerziell - nur darauf aus, mit Nacktszenen Zuschauer anzulocken. Mir riet man, mit einem anspruchsvolleren Regisseur zu arbeiten",

erzählte die heute 82-jährige Isabel Sarli in einem Interview mit dem argentinischen Fernsehsender TN. Doch hielt die Softporno-Diva ihrem Mentor Armando Bó die Treue, drehte nur wenige Filme mit anderen Regisseuren. Für Bó ertrug Sarli Strapazen, tauchte nackt in kalte oder gar verschmutzte Gewässer ein – mindestens einmal wurde sie dadurch krank. Isabel Sarli war nicht nur Armando Bós Muse, sondern auch mehr als 25 Jahre lang seine Geliebte – bis zum Tod des verheirateten Regisseurs 1981. Die andere dominante Figur in Sarlis Leben war ihre Mutter:

"Meine Mutter hatte für mich eine absolute Stellung, sie redete bei allem mit. Ich habe es niemals geschafft, mich von ihrem Einfluss zu befreien. Manche sagten zu mir: Warum bittest du Armando nicht, sich scheiden zu lassen? Aber was hätte das gebracht? Er und meine Mutter hätten niemals unter einem Dach leben können!"

Für Sarli ein Job wie jeder andere

In dem Film "Carne" von 1968 spielt Sarli eine Arbeiterin in einer Fleischfabrik, die im Kühlhaus auf einer enthäuteten Rinderhälfte vergewaltigt wird. Auch in manchen anderen Filmen Armando Bós gibt es krude Szenen, in denen die von Sarli verkörperten Frauenfiguren gedemütigt oder misshandelt werden. Von den Argentinierinnen mag Sarli anfangs verachtet worden sein, doch heute wird sie allgemein respektiert als Ikone der heimischen Filmgeschichte. Sarli selbst will von einem Mythen-Status nichts wissen:

"Für mich war das Filmen ein Job, so wie andere in der Bank oder im Büro arbeiten. Ich sehe mich nicht als Mythos, aber ich denke, dass die Menschen mich mögen."

Unter dem Titel "TROPISCHE SINNLICHKEIT – HOMMAGE AN ARMANDO BÓ UND ISABEL SARLI" zeigt das Filmkollektiv Frankfurt vom 18.-20. August insgesamt zehn Filme des argentinischen Regisseurs.

Fazit

Ausstellung "Fashion Drive"Die Geschichte der Mode im Spiegel der Kunst
Édouard Manet: Jeanne Duval, la Maîtresse de Baudelaire (La Dame à l’éventail), 1862; Öl auf Leinwand, 89,5 x 113 cm (Museum of Fine Arts, Budapest)

Zerrissene Jeans gehören heute ganz alltäglich zum Straßenbild, aber zerrissene Mode gab es auch schon in der Renaissance. Wie sie damals aussah zeigen prächtige Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, die jetzt im Kunsthaus Zürich zu sehen sind – in der neuen Sonderausstellung "Fashion Drive – Extreme Mode in der Kunst".Mehr

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