Seit 14:05 Uhr Kompressor
 

Mittwoch, 17.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.09.2012

Im Osten nichts Neues

Der DDR-Fluchtfilm "Wir wollten aufs Meer"

Von Jörg Taszman

Podcast abonnieren

Zwei Freunde wollen sich eine Auszeit von der DDR nehmen und heuern als Matrosen bei der Handelsmarine an. Die misstrauischen Staatsorgane lassen das nicht zu. Eine dramatische Flucht- und Knaststory beginnt - die alle Klischees bedient.

1982 - Der Rostocker Hafen ist für viele junge Männer in der DDR, die das Land nicht dauerhaft verlassen wollten, das Tor zur Welt. Auch die beiden Freunde Cornelis (Alexander Fehling) und Andreas (August Diehl) wollen sich als Matrosen bei der Handelsmarine den Traum von der großen Ferne erfüllen. Die misstrauischen Staatsorgane "mauern". Die Freunde sollen mit der Stasi paktieren und den Vorarbeiter Matze (Ronald Zehrfeld) bespitzeln. Vor allem Cornelis ist erpressbar. Er trifft sich heimlich mit seiner vietnamesischen Freundin Mai, die als "Vertragsarbeiterin" in der DDR ausgenutzt wird.

In diesem ersten Drittel des Films funktioniert die Geschichte um eine Freundschaft vor der Zerreißprobe. Doch dann vertrauen die beiden Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg, Regisseur Toke Constantin Hebbeln und Drehbuchautor Ronny Schalk, der eigenen Geschichte immer weniger. Sie bemühen gängige Stasi- und DDR-Klischees, tischen dem Zuschauer eine dramatische Flucht- und Knaststory auf.

Andreas wird Spitzel und Cornelis lehnt sich auf, versucht zu fliehen und landet in einem Knast mit einem psychopathischen Gefängnisdirektor. August Diehl spielt intensiv aber vergeblich gegen die immer unglaubwürdigeren Drehbuchwendungen an, während Alexander Fehling und Ronald Zehrfeld darstellerisch etwas mehr überzeugen.

Am Ende bleibt jedoch die traurige Erkenntnis, dass auch gute Schauspieler den gut fotografierten Film nicht retten können. In "Wir wollten aufs Meer" haben die Macher die DDR wieder einmal als reinen Unrechtsstaat und Synonym für Stasi dargestellt. Das ist 23 Jahre nach dem Fall der Mauer filmisch und dramaturgisch ein Rückschlag.

Deutschland 2011; Regie: Toke Constantin Hebbeln; Darsteller: Alexander Fehling, August Diehl, Ronald Zehrfeld, Sylvester Groth, Rolf Hoppe, Hans-Uwe Bauer; 116 Minuten

Filmhomepage

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsFurchteinflößender Ritt auf der Rolltreppe
Besonders bekannt: die Rolltreppe im Atomium in Brüssel. (imago/wolterfoto)

Die "Süddeutsche Zeitung" analysiert das private Heim und die hiesige Gemütlichkeit, die auf 15.000 Jahren Sesshaftigkeit beruht. Letztlich hat diese wohl auch die Rolltreppe hervorgebracht, deren betreten vor 125 Jahre offenbar noch eine Mutprobe war, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung".Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Aus den FeuilletonsWas Marx als Faselei brandmarkte
Der deutsche Philosoph, Schriftsteller und Politiker Karl Marx in einer Aquatinta-Radierung von Werner Ruhner "Karl Marx in seinem Arbeitszimmer in London". Marx verfasste 1848 zusammen mit Friedrich Engels das "Kommunistische Manifest". Er ist der Begründer des modernen dialektisch-materialistischen Sozialismus, des Marxismus, aus dem heraus sich die Sozialdemokratie und der Kommunismus entwickelt haben. Marx wurde am 5. Main 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London. (picture alliance / dpa)

Der Niedergang des Wortes "alternativ" beschäftigt die Feuilletons: Warum nur ist das harmlose kleine Wort schon wieder Bestandteil eine "Unwortes des Jahres" geworden? Ebenso werfen die Zeitungen einen Blick auf Karl Marx' Formulierkunst und sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten. Mehr

Hightech-ModeWenn die Sportkleidung zu dir spricht
Eine junge Frau richtet am 18.01.2017 in Berlin bei der Modemesse Fashiontech im Rahmen der Berliner Modewoche eine Kreation des Designers Anouk Wipprecht aus den Niederlanden. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)

Tragen wir Hightech-Kleidung der Zukunft, kann jeder sofort an Lichtsignalen erkennen, ob wir nervös, freudig erregt, wütend oder traurig sind. Vorgestellt wurden solche Kreationen auf der Fashiontech. Für Lifestyle-Journalistin Katja Bigalke sind sie mehr als nur lustige Spielereien. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur