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Montag, 22.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.09.2012

"Ich würde alles unterschreiben"

Die türkischstämmige Schriftstellerin Güner Balci lobt das Neukölln-Buch von Heinz Buschkowsky

Güner Balci im Gespräch mit Matthias Hanselmann

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Heinz Buschkowsky bei der Eröffnung eines Kindergartens (Fröbel-Gruppe)
Heinz Buschkowsky bei der Eröffnung eines Kindergartens (Fröbel-Gruppe)

Heinz Buschkowsky (SPD) ist Ärger gewohnt. Seine integrationsskeptischen Thesen und sein gerade veröffentlichtes Buch "Neukölln ist überall" stoßen vor allem im linken Lager auf heftige Kritik. Nur wenige trauen sich, das Buch zu loben, darunter Güner Balci, Neuköllnerin mit Migrationshintergrund.

Mit dem Untertitel "Deutschlands bekanntester Bürgermeister redet Klartext" hat sich Buschkowskys Buch aus dem Stand heraus auf den ersten Platz der deutschen Sachbuch-Bestseller-Liste katapultiert. Gewalt auf den Straßen, hohe Arbeitslosigkeit, die Überfremdungsängste bei der einheimischen Bevölkerung - das sind seine Themen, und er sagt, wie schon 2004 zum ersten Mal, dass die Multikulti-Idee gescheitert sei. Viele Migranten lebten in Parallelwelten und grenzten sich erfolgreich ab.

Vor allem bei den Grünen, den Linken, aber auch in Buschkowskys eigener Partei, der SPD, stoßen solche Thesen auf Widerspruch. Viele Kritiker werfen dem langjährigen Bezirksbürgermeister Rechtspopulismus und sogar Rassismus vor. Buschkowsky weist diese Vorwürfe zurück.

Auch Güner Balci, Journalistin und Schriftstellerin, und wie Buschkowsky in Berlin-Neukölln aufgewachsen, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Vielmehr lobt sie die offenen Worte des SPD-Politikers, die sie als Kind türkischer Einwanderer nur unterstreichen könne:

"Also ich würde alles, was er dort beschreibt und behauptet, so unterschreiben, und die Formulierung, dass Neukölln überall ist, die trifft für mich auch tatsächlich zu, und zwar sogar über die bundesdeutschen Grenzen hinaus findet man Zustände, die ähnlich sind wie in Neukölln."

Die Fortschritte, von denen in der Integrationsdebatte die Rede sind, seien

"eigentlich nur verlogen, weil es ist eigentlich nur der klägliche Versuch, ständig auszublenden, dass es diese Probleme im alltäglichen Umgang miteinander gibt. Das ist genau so wie das, was in Wedding passiert zum Beispiel – gehört ja zur Mitte in Berlin. Auch der Bürgermeister in Mitte würde niemals so konkret und Tacheles sprechen wie Heinz Buschkowsky. Bei Heinz Buschkowsky kann man dankbar sein, dass der Mann einfach in politischer Hinsicht auch nichts mehr zu verlieren hat und deswegen auch die Wahrheit nicht scheut. Und er ist einer der einzigen, die ich kenne, der so offen und direkt und oft auch politisch unkorrekt die Wahrheiten anspricht, die da anzusprechen sind, weil sonst würde sich nie was verändern."

Ferner äußert die türkischstämmige Journalistin Kritik an Cem Özdemir (Bündnis90/ Die Grünen), der Buschkowsky vorgeworfen hatte, zu polarisieren und die Sprache des Boulevards zu benutzen:

"Ja, so jemand wie Cem Özdemir sollte sich mal persönlich fragen, warum er aus einem Haus auszieht, in dem ihm ein Moschee-Verein nicht gefällt, aber ansonsten nicht möchte, dass andere Menschen über solche Zustände sprechen und sich vielleicht auch darüber empören, dass sie irgendwelche Moschee-Vereine oder diverse andere Vereine mit Aktivitäten, die sich ihrer Kenntnis entziehen, in ihrer Gegend haben und sich einfach unsicher fühlen."

Das vollständige Gespräch mit Güner Balci finden Sie in unserer Sendung Radiofeuilleton.

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