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Sonntag, 21.01.2018

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.02.2011

"I killed my Mother"

Hannelore Heider über das biografische Drama

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Der Film ist ein autobiografisch gefärbtes Drama: Der 17-jährige Hubert hat ein kompliziertes Verhältnis zu seiner Mutter - und erschwerend kommt seine Homosexualität hinzu.

Kanada 2009; Regie: Xavier Dolan - Darsteller: Anne Dorval, Xavier Dolan, Suzanne Clement, François Arnaud, Patricia Tulasne, Niels Schneider, Monique Spaziani, Pierre Chagnon

Mit 17 Jahren schrieb er das Drehbuch, mit 19 drehte Xavier Dolan diesen seinen ersten Spielfilm, der auf etlichen internationalen Festivals, u.a. auch in Cannes mit Preisen ausgezeichnet wurde. Es ist die brillant gespielte, atemlos berichtete Hassliebe zwischen Mutter und Sohn, die er mit sich selbst in der Hauptrolle inszenierte.

Immer wieder spricht er seine Tiraden direkt in die Schwarz-Weiß-Kamera und das so wütend, dass der Zuschauer am Anfang meint, er hätte die Mutter wirklich umgebracht, säße jetzt im Gefängnis und würde eine Generalabrechnung als Videoaufzeichnung vornehmen. Dass dem doch nicht so ist, ahnt man vielleicht, aber die Wucht mit der hier ein bis zur Volljährigkeit nun einmal unauflösliches Abhängigkeitsverhältnis geschildert wird, beeindruckt sowohl durch ihre Ehrlichkeit als auch die einfachen, aber effektvollen Mittel, u. a. die Musik mit der es erzählt wird.

Der Filmheld Hubert hasst einfach alles an seiner alleinerziehenden Mutter (Anne Dorval). Die gemeinsame Wohnung stinkt förmlich vor kleinbürgerlichem Mief, die Frau arbeitet, säuft mit Freundinnen, verlangt aber gutes Benehmen von ihrem Sohn. Allein mit welcher Abscheu die subjektive Kamera der Mutter beim Essen zusieht, offenbart, wie tief die Ablehnung angesichts schon kleinster Äußerlichkeiten ist. Diese ihm aufgezwungene Symbiose muss eigentlich zur Explosion führen, als Zuschauer erwartet man sie jeden Moment.

Hubert tobt, verweigert sich und versucht es auch mal mit Schmeicheleien. Doch immer wenn er denkt, einen Schritt voran zur Ablösung geschafft zu haben, bricht die Mutter ihr Versprechen, z. B. auf eine eigene Wohnung für ihren Sohn. Das ist besonders bitter, denn im direkten Gegensatz zu seinem Heim findet er bei seinem Freund Antonin ein von materiellen Sorgen freies offenes Haus, in dem eine verständnisvolle Mutter den beiden Jungs alles, sogar ein Liebesverhältnis erlaubt. Auch seine Lehrerin Julie erkennt das Besondere in diesem Jungen, nur seine Mutter scheinbar nicht.

Hubert sitzt zu Hause fest und kämpft. Aber anders als für den Filmhelden ist für den Zuschauer dieser andauernde Kampf auch sehr komisch. Die überforderte Mutter wächst uns ans Herz, denn sie denkt gar nicht daran, angesichts dieses Dauerstresses in Depression zu verfallen.

Clever nutzt sie ihre Überlegenheit und behauptet sich, auch gegen den Schuldirektor, zumal selbst diese Mutter von moderner Pädagogik völlig unbeeindruckt, weiß, dass Hass und Liebe bei ihrem Sohn durchaus eine Einheit sind. Auch er erinnert sich an Kindheitserlebnisse, die so schön waren, dass er selbst den Absturz kaum fassen kann. Am Ende werden sie beiden Kontrahenten helfen, wieder zusammen zu kommen.

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