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Dienstag, 12.12.2017

Kompressor | Beitrag vom 27.04.2017

Hufelandstraße in BerlinEine Ausstellung wie eine Zeitreise

Harf Zimmermann im Gespräch mit Christine Watty

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Altbau in der Hufelandstraße in Berlin (imago/Schöning)
Top-saniert: So sehen die Altbauten in der Hufelandstraße in Berlin heute aus (imago/Schöning)

In den 80er-Jahren fotografierte Harf Zimmermann die Hufelandstraße im Berliner Prenzlauer Berg. Haus für Haus, Wohnung für Wohnung lichtete er mit seiner Plattenkamera ab. Die Bilder sind nun in Berlin zu sehen.

Joachim Gauck sieht sie mit einer Mischung aus Freude und Wehmut - die Veränderungen der Hufelandstraße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Harf Zimmermann fotografierte diese Straße Ende der 80er Jahre – von Haus zu Haus, Bewohner um Berwohner, Familien, Rentner, Künstler. Seine Bilder, die jetzt in der Galerie  C/O Berlin zu sehen sind, wirken wie aus einer Zeitkapsel - sehr private Bilder kurz vor dem Zusammenbruch der DDR.

Heute leben nur noch wenige Bewohner aus der Zeit von Zimmermanns Aufnahmen dort. Wie an kaum einem anderen Ort in Ostdeutschland fand hier in den letzten drei Jahrzehnten ein nahezu kompletter Austausch der Bevölkerung statt. Alle Gebäude sind durchsaniert, die Spuren der Geschichte ausradiert und die Mieten steigen immer weiter. 

Ein Teil der Landschaft geworden 

"Die Wohngegend war schon immer sehr begehrt, auch im Osten", erzählt Zimmermann, der zu Beginn der 80er-Jahre dorthin zog. Er inszenierte Bewohner und Gebäude richtiggehend, reihte die Menschen vor den Häusern auf und fotografierte sie mit einer alten Plattenkamera - das ist eine Kamera, bei der der Fotograf beim Scharfstellen der Motive unter einem schwarzen Tuch verborgen ist. In einer Zeit, in der die Kleinbildkamera längst erfunden war, war das "für mich der Versuch, ob so etwas noch geht", erzählt er im Gespräch mit Christine Watty. Weil diese Form der Fotografie so langsam sei, werde man "Teil der Landschaft", meint er, und könne so gut gegen Misstrauen angehen. 

Damals ahnte noch niemand, dass die DDR bald zusammenbrechen würde. Doch in diesem Mikrokosmos Hufelandstraße konnte man alles sehen, was sich bereits anderswo schleichend ankündigte. "Die Ausstellung ist wie eine Zeitreise", sagt Zimmermann.

Und ob er ein solches Projekt noch einmal machen würde? Das weiß Zimmermann selbst noch nicht einmal: "Was ich darauf aufbauen werde, das wird man sehen."

Die Bilder von Harf Zimmermann sind noch bis zum 2. Juli 2017 im C/O Berlin zu sehen. 

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