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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.03.2017

Homöopathie-Debatte"Globuli zeigen doch Wirkung"

Björn Bendig im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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(picture alliance / ZB / Michael Reichel)
Vor allem an der Frage, wie Globuli ihre Wirkung entfalten, enzündet sich der heftige Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie. (picture alliance / ZB / Michael Reichel)

Im Streit um die Homöopathie sind die Fronten verhärtet. Björn Bendig, Sprecher des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte, widerspricht Kritikern und verweist darauf, dass der klinische Alltag sehr wohl die positive Wirkung von Globuli zeige.

"Ein Problem ist, wenn man sich über die Wirksamkeit der Homöopathie unterhält, dass da oft viele Ebenen miteinander vermischt werden", sagte der Sprecher des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte, Björn Bendig im Deutschlandradio Kultur. Es gebe den Forschungszweig der Versorgungsforschung, der unstrittig positive Ergebnisse für die Homöopathie vorgelegt habe. "Das ist die Forschung, die quasi untersucht, was bei den Patienten unter dem Strich dabei rauskommt." Das seien Ergebnisse von Patientenbefragungen, bei denen systematisch untersucht werde, ob es im medizinischen Alltag eine Heilung der Symptome gebe. Im klinischen Alltag zeigten sich relevante Verbesserungen, wenn Patienten homöopathisch behandelt würden.  

Studien zeigen die Wirkung von Globuli   

Bendig sagte, es seien oft chronische Patienten, die zu homöopathisch behandelnden Ärzten kämen, wie auch eine Bertelsmann-Studie gezeigt habe. Als Beispiele nannte er Neurodermitis oder chronische Kopfschmerzen. Die Patienten hätten angeben, dass anderswo bisher keine Besserung erzielt worden sei. Bendig verwies auf einen Forschungsbericht der wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie mit dem Titel "Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie". Das Fazit der Wissenschaftler laute, eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belege hinreichend einen therapeutischen Nutzen der homöopathischen Behandlung.

Wissenschaftlich im Dunkeln  

Die Debatte um Sinn und Nutzen der Homöopathie werde deshalb so leidenschaftlich geführt, weil der Wirkmechanismus von Globuli im Körper nicht aufgeklärt sei. "Der liegt im Dunkeln wissenschaftlich", sagte Bendig. Die Mittel würden sehr stark verdünnt und verschüttelt,  sodass nur noch sehr geringe Spuren oder kein Wirkstoff mehr nachweisbar sei.

Im Alltag sind Homöopathen geschätzte Kollegen

Deshalb meldeten sich viele Kritiker zu Wort, die sich auf dieses eine Argument verengten und aus Sicht der traditionellen Pharmakologie sagten, es sei unmöglich, dass so ein Globuli noch eine Wirkung entfalten könne. "Das ist ein Hauptgrund, warum da so stark die Gemüter aufeinander prallen", sagte Bendig. In der Praxis sei das nicht der Fall. "Homöopathische Ärzte sind geschätzte Kollegen", sagte Bendig. Es seien schließlich auch Fachärzte, die eine normale schulmedizinische Laufbahn hinter sich hätten und dann eine von der Ärztekammer zertifizierte Zusatzausbildung in Homöopathie hätten.  

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